Kanada

Zwei Tote bei Anschlag im jüdischem Viertel von Montreal

Die Beamten waren bei ihrer Ankunft am Tatort unter Beschuss geraten. Daraufhin rückten gepanzerte Fahrzeuge und schwer bewaffnete Einheiten der Polizei an (Archivfoto). Foto: picture alliance / NurPhoto

In einem überwiegend von jüdischen Familien bewohnten Stadtteil der kanadischen Metropole Montreal sind am Montag Schüsse gefallen. Der Vorfall ereignete sich im Viertel Côte-des-Neiges, das zahlreiche jüdische Einrichtungen wie Schulen, Synagogen und Gemeindezentren beherbergt. Die Polizei sperrte das Gebiet weiträumig ab und forderte Anwohner zeitweise auf, ihre Häuser nicht zu verlassen.

Nach Angaben der Behörden kam es zu einem Schusswechsel zwischen einem bewaffneten Mann und Polizeikräften. Dabei sind zwei Menschen getötet worden. Dabei handle es sich um einen Polizisten und einen Bürger, sagte ein Polizist vor Journalisten. Der Beamte sprach von einem »Albtraum«, dessen Hintergründe noch offen seien. Er erwarte neue Erkenntnisse in den kommenden Stunden. 

Zaka teilte mit, der Angriff habe sich in der Nähe eines Chabad-Zentrums zugetragen.

An eine bei dem Einsatz verletzte Polizistin gerichtet, sagte er: »Halte durch, wir stehen hinter dir.« Unterdessen wurde bekannt, dass die bei dem Einsatz angeschossene Polizistin nicht mehr in Lebensgefahr schwebt. 

Weitere Verdächtige in dem Fall gebe es nicht, der Einsatz halte aber an. 

»Mit großem Bedauern bestätigen wir den Tod eines unserer Polizeibeamten im Dienst«, schrieb die Polizei auch auf der Plattform X. Bei dem Getöteten handelt es sich um den 34-jährigen Constable Mohamed Lamine Benredouan, der seit 2021 bei der Polizei von Montréal arbeitete.

»Sein Tod ist ein großer Verlust für unsere Organisation. Sein Pflichtbewusstsein, sein Einsatz und seine Professionalität werden für immer in unserer Erinnerung bleiben.« Die Mitteilung endete mit den Worten: »Gefallen, aber niemals vergessen.«

Bei dem anderen Opfer soll es sich laut Medienberichten um Michael Moshe Mizrahi handeln, ein Mitglied der örtlichen jüdischen Gemeinde. Derzeit ist unklar, ob Mizrahi von dem Terroristen oder versehentlich von der Polizei erschossen wurde.

Der Täter wurde von der Polizei erschossen. Über seine Identität und ein mögliches Motiv lagen zunächst keine gesicherten Informationen vor. Die Ermittlungen dauern an.

Jüdische Einrichtungen in Montreal waren in den letzten Jahren wiederholt Ziel von antisemitischen Attacken.

Die Polizei hatte zuvor um die Mittagszeit (Ortszeit) vor einem »bewaffneten und gefährlichen Verdächtigen« gewarnt und Bürger dazu aufgefordert, eine Gegend im Viertel Côte-des-Neige zu meiden. Die Polizei sei per Notruf verständigt worden und bei ihrer Ankunft unter Beschuss geraten, sagte der Beamte.

Die Ermittler äußerten sich bislang nicht zu einem möglichen Motiv. In kanadischen Medien wird jedoch über eine mögliche Verbindung des Angreifers zur sogenannten »Incel«-Szene berichtet. Dabei handelt es sich um eine frauenfeindliche Internet-Subkultur von Männern, die sich selbst als unfreiwillig sexuell enthaltsam (»involuntary celibate«) bezeichnen.

Der öffentlich-rechtliche Sender Radio-Canada berichtete, der Täter habe ein gewalttätiges Manifest mit Bezug zur Incel-Ideologie verbreitet, das sich gegen Frauen richtete.

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Der jüdische Rettungsdienst Zaka teilte mit, der Angriff habe sich in der Nähe eines Chabad-Zentrums zugetragen. Es könne sich um einen Anschlag handeln, hieß es. Die kanadische Polizei bestätigte dies zunächst nicht. 

Vertreter der jüdischen Gemeinschaft fordern eine rasche Aufklärung des Vorfalls.

Wie die Jewish Telegraphic Agency (JTA) berichtet, sorgt der Vorfall in der jüdischen Gemeinschaft Kanadas für besondere Sorge. In den vergangenen Jahren waren jüdische Einrichtungen in Montreal und anderen kanadischen Städten wiederholt Ziel von antisemitischen Attacken, Brandanschlägen und judenfeindlichen Schmierereien geworden.

Bislang gibt es keine offizielle Bestätigung, dass die Tat vom Montag gezielt gegen die jüdische Bevölkerung oder jüdische Einrichtungen gerichtet war. Die Polizei betonte, dass alle Hintergründe geprüft würden. Vertreter der jüdischen Gemeinschaft riefen zu Besonnenheit auf und forderten eine rasche Aufklärung des Vorfalls. ja/dpa

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