Meinung

Die jüdischen Studierenden wurden vergessen

JSUD-Präsident Ron Dekel Foto: Gregor Matthias Zielke

Meinung

Die jüdischen Studierenden wurden vergessen

Der grassierende Antisemitismus an deutschen Hochschulen ist aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Dabei geht das Problem nicht nur uns Juden an

von Ron Dekel  26.02.2026 12:46 Uhr

Das vergangene Jahr habe ich als Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland überwiegend im Zug verbracht, von einer Veranstaltung zur nächsten. Fast überall begegnete mir dieselbe Frage: Ihr kritisiert viel, aber was wollt ihr konkret? Die naheliegende Antwort: eine antisemitismusfreie Universität.

Weil viele das für eine Utopie halten, erwarten sie kleinteilige Forderungen. Auch die haben wir. In einem 60-seitigen Forderungskatalog verlangen wir von den Hochschulen Solidarität mit jüdischen Studierenden und klare Konsequenzen für Antisemiten. Vor allem aber fordern wir, gesehen, gehört und ernst genommen zu werden.

Antisemitismus an Hochschulen ist kein Randphänomen, sondern ein Indikator.

Zu oft werden Entscheidungen über unsere Köpfe hinweg getroffen, etwa bei der Ernennung von Antisemitismusbeauftragten. Diese Stellen sollen Betroffene unterstützen und sich für jüdisches Leben am Campus einsetzen. Doch nicht selten erleben wir das Gegenteil. Wenn Beauftragte selbst Personen oder Formate legitimieren, die antisemitische Narrative verbreiten, verlieren sie ihre Glaubwürdigkeit. Jüdische Studierende können sich dann nicht mehr uneingeschränkt an sie wenden.

Dabei ist Antisemitismus an Hochschulen kein Randphänomen, sondern ein Indikator. Hier zeigten sich schon in der Weimarer Republik politische Radikalisierungen besonders früh. Das ist keine Gleichsetzung, sondern ein Hinweis darauf, wie ernst wir Entwicklungen an Hochschulen nehmen müssen.

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Und doch wurden wir vergessen. Die Ausschreitungen, Besetzungen und Einschüchterungsversuche gegen jüdische Studierende sind aus dem öffentlichen Bewusstsein verschwunden. Die Bundestagsresolution gegen Antisemitismus an Hochschulen und die Versprechen vieler Universitäten sind verblasst. Doch der israelbezogene Antisemitismus ist geblieben. Er verändert seine Form, passt sich an. Wer glaubt, das Problem habe sich erledigt, verkennt die Realität. Solange jüdische Studierende Schutz, Sichtbarkeit und Mitsprache einfordern müssen, ist nichts gelöst.

Der Autor ist Präsident der Jüdischen Studierendenunion Deutschland (JSUD).

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