EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 54 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 49 Sitze

Reaktionen

»Dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos«

Helge Lindh (SPD) Foto: picture alliance / dts-Agentur

Politiker und Vertreter jüdischer Organisationen haben mit Entsetzen den gestrigen Brandanschlag auf die Bergische Synagoge in Wuppertal reagiert. Dieser ereignete sich zwischen zwei hohen Feiertagen im Judentum, Rosch Haschana und Jom Kippur.

»Man kann nicht völlig überrascht sein, weil wir eine Menge von antisemitischen Taten haben in ganz Deutschland«, sagte der aus Wupopertal stammende SPD-Bundestagsabgeordnete Helge Lindh gegenüber dem WDR. »Aber dass es hier in Wuppertal passiert und wieder passiert, das macht mich sprachlos. Und auch wirklich wütend und fassungslos.«

Ruth Yael Tutzinger, die Ehrenvorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde in Wuppertal, erklärte: »Bei mir melden sich natürlich die Bilder von damals. Ich war ja immerhin, als der Zweite Weltkrieg aus war, 13 Jahre alt. Also ich wusste schon, was Sache war.« Die 95-Jährige fügte hinzu: »Es gibt Holocaust-Überlebende, die Morddrohungen bekommen. Welche Irren sind da unterwegs? Das ist schon erschreckend. Mich nimmt das alles sehr mit.«

Lückenlose Aufklärung

Auch der Landesverband der Jüdischen Gemeinden von Nordrhein reagierte mit Entsetzen: »Der Versuch, am helllichten Tag, vor laufender Sicherheitskamera und in einer offensichtlichen Seelenruhe das Gebäude des Gemeindezentrums in Brand zu setzen, führt erneut vor Augen, dass Jüdinnen und Juden in Deutschland nicht sicher sind.«

Oded Horowitz, der Vorstandsvorsitzende des Landesverbandes: »Ein erneuter Anschlag auf eine Synagoge wenige Tage vor Jom Kippur weckt Erinnerungen an den tödlichen Angriff von Halle 2019. Die Kameraaufzeichnungen zeigen eindeutig: Der Angreifer wollte maximalen Schaden anrichten und nahm menschliche Opfer in Kauf. Das ist verstörend und muss endlich spürbare Konsequenzen nach sich ziehen.«

Lesen Sie auch

»Wir erwarten eine lückenlose Aufklärung des Vorfalls sowie die Bestrafung des Täters«, erklärte Horowitz. »Darüber hinaus appellieren wir an die
Landesregierung und die zuständigen Behörden, für die Sicherheit ihrer jüdischen
Bürgerinnen und Bürger zu sorgen, bevor es zu Schlimmerem kommt.«

Verbreitung von Angst

Für den Zentralrat der Juden in Deutschland reagierte dessen Präsident Josef Schuster, der den Anschlag verurteilte: »Erneut ist es in der Zeit der jüdischen Hohen Feiertage zu einem Anschlag auf eine Synagoge gekommen«, sagte er. »Was mich zutiefst verstört, ist die Seelenruhe, mit welcher der Täter in Wuppertal diesen Anschlag am helllichten Tag durchgeführt hat. Von Unrechtsbewusstsein oder Scham fehlt jede Spur. Dieses Vorgehen bezeugt die fortschreitende Normalisierung des Judenhasses, auf die unsere Gesellschaft bisher keine Antwort gefunden hat.«

Der Zeitpunkt dieses Anschlags sei nicht zufällig gewählt, erklärte Schuster. Er erinnere an die Anschläge von Chanukka 2025 in Sydney, Jom Kippur 2025 in Manchester sowie den Anschlag in Halle im Jahr 2019.

Jüdinnen und Juden ließen sich von dem jüngsten Anschlag nicht davon abhalten, die anstehenden Feiertage zu begehen, betonte Josef Schuster. Zugleich appellierte er an die Polizei, die jüdischen Gemeinden zu schützen. »Es bleibt das Muster antisemitischer Gewalt, Feiertage auszuwählen, um Angst zu verbreiten und jüdisches Leben immer weiter aus der Öffentlichkeit zu verdrängen.«

Sicherheit der Gottesdienste

»In drei Tagen beginnt der höchste jüdische Feiertag Jom Kippur. Alle Synagogen werden voll sein. Die Sicherheitsbehörden sind in der Pflicht, die Sicherheit der Gottesdienste zu gewährleisten. Wir wollen und werden uns nicht davon abhalten lassen, unsere Religion zu leben.«

Die Europäische Rabbinerkonferenz machte darauf aufmarksam, dass kurz vor dem Anschlag ein Angriff auf einen Rabbiner in Italien verübt worden war war: »Zwei Angriffe auf europäische Juden innerhalb von 48 Stunden: In Mailand wurde Rabbi Tzemach Mizrahi zu Boden getreten. Man riss ihm die Kippa vom Kopf und trat darauf herum, nur weil er als Jude erkannt wurde, während er an einer Bushaltestelle auf seine Kinder wartete«, so die Organisation.

»In Wuppertal wurde eine Synagoge am helllichten Tag mit Brandsätzen angegriffen, erneut während der jüdischen Feiertage, mit einer Dreistigkeit, die keine Spur von Scham oder Furcht vor Konsequenzen erkennen lässt.
Das ist kein Zufall«, so die Rabbinerkonferenz. »Es fügt sich in ein Muster, das wir inzwischen immer wieder sehen. (...) Worte der Verurteilung reichen nicht aus. Jüdische Gemeinden brauchen echten Schutz, und Europa braucht den politischen Willen, diesen Hass an der Wurzel zu bekämpfen, bevor es zum nächsten Angriff kommt, nicht danach.«

Auch die Orthodoxe Rabbinerkonferenz Deutschland nahm Stellung: »Wer jüdisches Leben angreift, greift unsere Demokratie an«, hieß es in einer Mitteilung. »Jüdinnen und Juden müssen in Deutschland sicher leben und ihren Glauben sichtbar ausüben können, ohne Angst und ohne sich bedroht zu fühlen.«

Thorsten Latzel, der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, erklärte: »Ich bin fassungslos und entsetzt angesichts des Brandanschlags.«. Es dürfe nicht sein, dass jüdisches Leben und jüdische Einrichtungen in Deutschland nicht sicher seien. »Als Evangelische Kirche im Rheinland stehen wir fest an der Seite unserer jüdischen Geschwister«, so der Präses. ja

Nürnberg

Interaktives NS-Dokumentationszentrum öffnet

Nach fünf Monaten Probebetrieb wird das neu gestaltete Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände in Nürnberg am kommenden Mittwoch feierlich eröffnet. Im Zentrum des Ausstellungskonzepts stehen Barrierearmut und ein multimediales Angebot

von Julia Riese  28.10.2026

Reaktion

Laschet: Chancen auf politische Versöhnung in Israel gestiegen

Der Ausgang der Wahl in Israel ist unklar - die Auszählung dauert an. Doch CDU-Außenpolitiker Armin Laschet äußert sich in einer ersten Einschätzung zuversichtlich

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump will Ben-Gvir offenbar aus Netanjahus nächster Regierung heraushalten

Angesichts der unklaren Mehrheitsverhältnisse nach der Parlamentswahl könnte der US-Präsident zudem auf eine nationale Einheitsregierung drängen

 28.10.2026

Meinung

Wieder ein »kleiner Geländegewinn«

Die Linken-Abgeordnete Vanessa Emde hat es erneut geschafft, die Regierungsunfähigkeit ihrer Partei zu demonstrieren

von André Anchuelo  28.10.2026

Magdeburg

CDU-Abgeordnete sollten eidesstattliche Erklärung unterschreiben

Seit der Wahl eines AfD-Politikers zum Landtagspräsidenten steht der Verdacht im Raum, Stimmen könnten aus der CDU gekommen sein. Wie die Fraktion damit umgeht

 28.10.2026

Berlin

Verfassungsschutz warnt vor linksextremen Einflüssen

Für Samstag hat die Initiative Gen Z regelt deutschlandweit zu Protesten für Bildung und soziale Gerechtigkeit aufgerufen. Aus Sorge vor Ausschreitungen beobachten die Behörden die Lage genau

 28.10.2026

Berlin

Antisemitismusbeauftragte: »Jude« darf kein Schimpfwort sein

Katharina von Schnurbein tritt heute die Nachfolge von Felix Klein in der Bundesregierung an. Ihr erklärtes Ziel klingt einfach

 28.10.2026

Belgrad

Serbien: Anschlag auf Polizisten vor israelischer Botschaft

Erneut wird ein Wachbeamter vor der israelischen Botschaft angegriffen. Der Vorfall weckt Erinnerungen - welche Sicherheitsmaßnahmen die Behörden jetzt ergreifen

 28.10.2026

Washington D.C.

Trump reklamiert Anteil an Netanjahus überraschend starkem Wahlergebnis

»Als meine Unterstützung bekannt wurde, hat ihm das sehr geholfen«, sagt der amerikanische Präsident

 28.10.2026