Einspruch

Das Problem mit dem Zivildienst

Rebecca Seidler Foto: © Marek Kruszewski

Einspruch

Das Problem mit dem Zivildienst

Rebecca Seidler sieht bei einer möglichen Rückkehr der »Zivis« viele Vorteile – und eine große Herausforderung

von Rebecca Seidler  26.08.2026 17:08 Uhr

Die Debatte über eine mögliche Rückkehr des Zivildienstes ist in vollem Gange. Was könnte sein Comeback für jüdische Gemeinden bedeuten? Schon heute unterstützen Bundesfreiwilligendienstleistende die tägliche Gemeindearbeit. Junge »Bufdis« sind allerdings rar. Ein neuer Zivildienst könnte das ändern: Junge Erwachsene könnten sich nach der Schule aktiv einbringen – in Gemeinden ebenso wie in jüdischen Schulen, Kitas oder Seniorenheimen.

Das wäre mehr als eine zusätzliche helfende Hand. Die Gemeinden brauchen Nachwuchs. Viele junge Menschen verlassen nach der Schule ihre Heimatstadt. Ein Dienst in einer jüdischen Einrichtung könnte ihnen zuvor die Möglichkeit geben, Verantwortung zu übernehmen und ihre Gemeinde aus neuer Perspektive kennenzulernen. Aus einer Pflicht könnte so im besten Fall freiwilliges, langfristiges Engagement entstehen.

Aus einer Pflicht könnte im besten Fall freiwilliges, langfristiges Engagement entstehen.

Doch auch für nichtjüdische junge Menschen liegt darin eine große Chance. Viele kennen jüdisches Leben vor allem aus Schulbüchern, den Nachrichten oder im Zusammenhang mit Antisemitismus. Ein Zivildienst in einer jüdischen Einrichtung würde authentische, persönliche Begegnungen im Alltag ermöglichen und jüdisches Leben in seiner Normalität und Vielfalt erlebbar machen. In Zeiten, in denen sich Antisemitismus wieder massiv zeigt, kann das besonders wertvoll sein.

Die Idee hat jedoch einen entscheidenden Haken: die Finanzierung. »Bufdi«-Stellen werden staatlich gefördert. Dadurch können sich auch kleine und mittelgroße Gemeinden beteiligen. Sollten »Zivis« für die Einsatzstellen deutlich teurer werden, dürften viele jüdische Gemeinden außen vor bleiben. Deshalb gilt: Wenn der Staat den Zivildienst zurückbringt, muss er auch dafür sorgen, dass gemeinnützige Einrichtungen ihn finanzieren können. Junge »Zivis« könnten für jüdische Gemeinden ein Gewinn sein. Sie könnten Verantwortung übernehmen, Begegnung schaffen und jüdisches Leben mitgestalten. Eine große Chance – wenn die Finanzierung stimmt.

Die Autorin ist Vorsitzende des Landesverbands der Israelitischen Kultusgemeinden von Niedersachsen.

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