Meinung

Mehr Schutz durchs Grundgesetz

Susanne Krause-Hinrichs Foto: Rolf Walter

Der Anschlag auf den Christopher Street Day (CSD) in Berlin hat eine alte Debatte neu entfacht. SPD und Linke fordern, ein Diskriminierungsverbot für queere Menschen im Grundgesetz zu verankern. Die Befürworter argumentieren, dass der Schutz von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans-, intergeschlechtlichen und queeren Personen (LGBTIQ) in Artikel 3 nicht ausreiche, weil dort die »sexuelle Identität« nicht explizit benannt werde.

Vieles spricht für diese Argumentation. Das Grundgesetz erfasst die Bedrohung manchmal nur unzureichend. Auch in der öffentlichen Wahrnehmung besteht ein Ungleichgewicht: Häufig werden potenzielle Einschränkungen von Schutzrechten problematisiert, denen die Angreifer ausgesetzt sein könnten, anstatt konsequent den Fokus auf die Opfer zu legen.

Was für die LGBTIQ-Gemeinschaft zutrifft, sollte aber auch für den Schutz jüdischer Identität gelten. Jüdisches Leben wird bislang im Grundgesetz nicht erwähnt. Es findet sich dort kein ausdrückliches Verbot antisemitischer Diskriminierung.

Jüdisches Leben wird bislang im Grundgesetz nicht erwähnt. Es findet sich dort kein ausdrückliches Verbot antisemitischer Diskriminierung.

Die Rechtswirklichkeit ist entsprechend bedrückend. Opfern fehlt es oft an einer rechtlichen Handhabe, um gegen Judenhass vorzugehen, und das nicht nur mit Blick auf das Strafrecht. Jüdische Künstler, Lehrende und Gewerbetreibende sind, durch Kampagnen wie BDS befördert, unterschwelliger Diskriminierung ausgesetzt. Mit Zuschreibungen wie »Zionist« verschleiern Antisemiten zudem die Zielgruppe ihrer Agitation. Zu Recht wird auf die Verfolgung der Homosexuellen durch die Nazis hingewiesen. Dieses Argument gilt aber in besonderem Maße für Jüdinnen und Juden. Es würde seltsam anmuten, das eine zu tun, das andere aber zu lassen.

Ja, es ist Zeit, dass der Gesetzgeber die Lücke schließt, um Hass und Gewalt gegen Minderheiten besser vorzubeugen. Für eine Grundgesetzänderung bräuchte es aber eine Zweidrittelmehrheit im Parlament – und die Zustimmung aller Fraktionen bis auf die AfD. CDU/CSU lehnen das Vorhaben zu LGBTIQ bislang ab. Vielleicht würde sich das ja ändern, wenn man es um den Schutz jüdischen Lebens erweitern würde?

Die Autorin ist Geschäftsführerin der Stiftung für Toleranz und Völkerverständigung in Potsdam.

Kino

Ich habe »Naza« gesehen, und es ist ein übles Stück Propaganda

Es ist erschreckend zu sehen, wie große Teile der Filmwelt sich gerade selbst zu nützlichen Idioten der Hamas degradieren, indem sie ihr von Lügen und Blut getränktes Narrativ übernehmen

von Philipp Peyman Engel  10.10.2026

Meinung

Nein, Frau Pillay hat den Friedensnobelpreis nicht verdient!

Die Südafrikanerin hat Israel vorverurteilt und Antisemitismus in den Reihen ihrer Kommission nicht ernstgenommen. Ihre Auszeichnung durch das Nobelpreiskomitee ist ein großer Fehler, meint der Direktor von UN Watch

von Hillel Neuer  09.10.2026

Essay

Drei Jahre nach dem 7. Oktober: Die Grenzen universitärer Selbstgewissheit

Antisemitismus ist an Universitäten längst kein Ausnahmeproblem mehr. Drei Jahre nach dem 7. Oktober stellt sich deshalb eine unangenehmere Frage: Was haben Universitäten über sich selbst gelernt?

von Frederek Musall  09.10.2026

Kommentar

Allein mir fehlt der Glaube

Die Spitzen von Linken, Grünen und SPD in Berlin haben bei ihren Sondierungen in Berlin ein dreiseitiges Papier zur Bekämpfung von Antisemitismus vereinbart. Eine Einordnung

von Michael Thaidigsmann  08.10.2026

Meinung

Wenn Journalisten Terroristen sind – 170 Namen und eine unbequeme Wahrheit

Unser Autor reflektiert über die grundsätzliche Frage, was »Journalismus« in einem Gebiet bedeutet, das seit Jahren von einer totalitären Terrororganisation beherrscht wird

von Daniel Neumann  08.10.2026

Kommentar

Echter Schutz für Juden in Deutschland – ohne Sonderrecht 

Unsere Autorin ordnet die aktuelle Debatte um die Gesetzesentwürfe zum Schutz jüdischen Lebens in Deutschland ein

von Annabelle Ganapol  08.10.2026

Kommentar

Wenn Chuzpe Leben rettet

Die bemerkenswerte Abwesenheit von Scham, Vorsicht und Selbstzweifel ist eine israelische Eigenart. Im Fall des Flydubai-Fluges half sie, eine Katastrophe zu verhindern

von Sabine Brandes  07.10.2026

Meinung

Magdeburg: Versagen der Demokraten

Nach der Wahl eines AfD-Landtagspräsidenten in Sachsen-Anhalt: Wie der Vormarsch der Rechtsextremen weitergeht, hängt auch von den demokratischen Parteien ab. Jetzt wären Zusammenhalt, Disziplin und Führung gefragt

von Michael Thaidigsmann  07.10.2026

Meinung

Seht her, Berlin und New York: Es geht auch anders

Gerade am 7. Oktober wäre von linker Seite mehr Feingefühl zu erwarten. Zürich zeigt es diesmal vor.

von Nicole Dreyfus  07.10.2026