Lateinamerika

Claudia Sheinbaum will erste Präsidentin Mexikos werden

Claudia Sheinbaum Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Am Montag trat sie vor die versammelte Presse und gab bekannt, worüber schon länger spekuliert worden war: In Mexiko Stadt hat Bürgermeisterin Claudia Sheinbaum ihren Rücktritt angekündigt. Schon an diesem Freitag werde sie ihr Amt aufgeben, erklärte sie.

Der Grund: Sie will sich darauf konzentrieren, Präsidentschaftskandidatin ihrer linksgerichteten Partei Movimiento Regeneración Nacional (Bewegung für Nationale Erneuerung, MORENA) werden, die wiederum Teil der Koalition Juntos Haremos Historia (»Gemeinsam werden wir Geschichte schreiben«) ist.

Sollte sie dies schaffen, und sollte sie dann auch die für Juni 2024 vorgesehenen Wahlen gewinnen, wäre Claudia Sheinbaum nicht nur die erste Präsidentin Mexikos, sondern auch die erste jüdische Person in diesem Amt. Der jetzige Amtsinhaber, ihr Parteifreund Andrés Manuel López Obrador, darf nicht mehr kandidieren, denn laut Gesetz ist eine sechsjährige Amtszeit das Maximum. Am 6. September 2023 soll bekannt gegeben werden, wer der Kandidat oder die Kandidatin für MORENA ist.

Rücktritte Sheinbaum, die am Samstag nächster Woche 61 Jahre alt wird, werden durchaus gute Chancen zugerechnet. Laut Umfragen liegt sie derzeit vor Marcelo Ebrard, einem ihrer Rivalen. Er war am Montag von seinem Amt als Außenminister zurückgetreten, um sich ebenfalls um die Kandidatur zu bemühen.

Zuvor hatte die MORENA-Parteiführung erklärt, Amtsträger, die Präsidentschaftskandidaten werden wollten, müssten diese Woche zurücktreten, um sich vorbereiten zu können, ohne andere Aufgaben zu vernachlässigen.

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Auch Innenminister Adán Augusto López wird dem voraussichtlich nachkommen. Ihm werden ebenfalls Ambitionen nachgesagt. Die Opposition Mexikos hat es derweil bisher nicht geschafft, eine Persönlichkeit zu finden, die als Kandidat oder Kandidatin überzeugen und MORENA oder dem Bündnis Juntos Haremos Historia gefährlich werden könnte.

Am Montag (Ortszeit) erklärte Claudia Sheinbaum, die Zeit der Frauen sei nun gekommen. Sie versprach, die von Präsident López Obrador betriebene Transformation Mexikos fortsetzen zu wollen. Das Land mit 126 Millionen Einwohnern hat erhebliche Probleme. Auch aufgrund der jahrzehntelangen Tolerierung krimineller Aktivitäten durch den Staat wuchsen die Drogenkartelle, die nun regelrechte Kriege führen — und zwar sowohl gegeneinander als auch gegen das Land und seine Behörden.

Herausforderungen Armut, Korruption und Gewalt gehören ebenfalls zu den größten Problemen. Die Bevölkerung leidet erheblich darunter. Selbiges gilt für die wichtige Tourismusbranche Mexikos. Vor allem Reisen innerhalb des Landes auf dem Landweg sind äußerst gefährlich.

Hinzu kommen Umweltprobleme. Wer auch immer Präsidentin oder Präsident wird, wird mit enormen Herausforderungen konfrontiert sein. Mexiko ist das bevölkerungsreichste spanischsprachige Land und nach Brasilien die zweitgrößte Volkswirtschaft in Lateinamerika.

Die potenzielle Präsidentschaftskandidatin Sheinbaum ist von Haus aus Wissenschaftlerin. Sie studierte an der Universität UNAM in Mexiko Stadt und am Lawrence Berkeley National Laboratory in Kalifornien. Als Expertin für Energietechnik wurde sie Teil der Mexikanischen Akademie der Wissenschaften.

Vom Jahr 2000 an war sie die Verantwortliche für Umweltfragen in Mexiko Stadt, kehrte 2006 in die Wissenschaft zurück, um 2015 Bürgermeisterin von Tlalpan zu werden, dem größten Bezirk in der Hauptstadt. Am 1. Juli 2018 wurde sie schließlich Regierungschefin im Bundesdistrikt Mexiko Stadt. So heißt das Amt, von dem sie nun zurücktreten wird, offiziell.

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Der Ausbau der Ringautobahn Periférico in eine zweistöckige Verkehrsader und die Metrobuslinien in der chronisch verstopften Hauptstadt gingen auch auf ihre Arbeit zurück. Leicht war ihre Amtszeit nicht. Unter anderem wurde sie als Bezirksbürgermeisterin für den Einsturz einer Schule im Jahr 2017 während eines Erdbebens der Stärke 7.1 auf der Richterskala verantwortlich gemacht, bei dem 26 Menschen starben. Ähnliche Beschuldigungen wurden 2021 erhoben, als ein Fußgängerübergang im Stadtteil Tláhuac mitsamt zweier Metro-Waggons auf eine Straße fiel und ebenfalls 26 Menschen tötete.

Frauen Zuletzt beschäftigte sich die Bürgermeisterin auch mit Maßnahmen, die die alarmierende Gewalt gegen Frauen in Mexiko Stadt eindämmen sollen. Hinzu kam ein Projekt für die Förderung der Gesundheit von Frauen.

Sheinbaum wurde 1962 geboren. Die Eltern ihres Vaters waren aschkenasische Juden, die vor etwa 100 Jahren von Litauen aus nach Mexiko auswanderten. Die Eltern ihrer Mutter, sephardische Juden aus Bulgarien, kamen Anfang der 1940er-Jahre auf der Flucht vor den Nazis ins Land. Viele ihrer Familienmitglieder waren oder sind Wissenschaftler. Sheinbaum ist geschieden und hat zwei Kinder.

The OpenAI logo is displayed on a mobile phone screen in this photo illustration, as artificial intelligence tools continue to expand across consumer and business applications in Brussels, Belgium, on February 28, 2026. (Photo by Jonathan Raa/NurPhoto)

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