Judenhass

Charlotte Knobloch warnt: Zukunft jüdischen Lebens ungewiss

Charlotte Knobloch Foto: IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Die Holocaust-Überlebende Charlotte Knobloch blickt mit Sorge auf die Entwicklung des Antisemitismus in Deutschland. »Wenn man uns fragt: ‚Was kann man gegen den Judenhass unternehmen?‘, dann sind wir in einer Situation, wo wir nicht wissen, wie die Zukunft des jüdischen Lebens in unserem Land aussieht«, sagte die Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Es komme in Gesprächen gelegentlich die Frage auf, ob jüdische Menschen Deutschland irgendwann verlassen müssen.

Die Politik sei bisher nicht in der Lage, »diese Partei« zurückzudrängen, sagte Knobloch und meint damit die AfD, nennt sie aber nicht beim Namen. »Deswegen kann ich die Frage sehr schwer beantworten.« 

Sie suche das Gespräch nicht mit jenen, die radikal antisemitisch denken oder agieren: »An diese Menschen, die Hass verbreiten, heranzukommen, ist sehr schwierig – und momentan liegt das nicht in meinem Interesse.«

Vielmehr konzentriert sich Knobloch mit ihrer Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus auf diejenigen, die sich von sich aus interessieren, und auf die jüngere Generation. »In meinem Interesse liegt, junge Menschen aufzuklären, die häufig die aktuelle Situation nicht verstehen, in der wir heute sind – in der das jüdische Leben heute ist«, sagte Knobloch der Deutschen Presse-Agentur.

»Wir versuchen, mit jungen Menschen Kontakte aufzunehmen, Erziehungseinrichtungen kommen zu uns und wollen unsere Meinung hören – und darüber bin ich sehr froh und sehr glücklich.«

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Knobloch traf sich zu Gesprächen mit der Schauspielerin Uschi Glas, die daraus ein Buch geschrieben hat. Unter dem Titel »Du bist unwiderstehlich, Wahrheit« – ein Zitat der jüdischen Lyrikerin Rose Ausländer – suchen die beiden Frauen nach einer Haltung in Zeiten von Desinformation, Polarisierung und wachsendem Antisemitismus.

Glas und Knobloch diskutieren darin über den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023, über Antisemitismus von rechts, von links und von islamistischer Seite wie auch über die Verantwortung von Politik, Justiz und Zivilgesellschaft. Glas macht in dem Buch auch öffentlich, dass ihr Vater Christian Glas im Alter von 18 Jahren im Dezember 1931 der NSDAP beitrat.

Am 15. August 1944 – so fand ein von Glas beauftragter Forscher heraus – wechselte der Vater als Funker zur Waffen-SS, in dieser späten Phase des Krieges womöglich nicht freiwillig, sondern unter Zwang.

So verbinden sich in dem Buch die Familiengeschichte von Uschi Glas und Knoblochs Erinnerungen an Flucht, Versteck und Neuanfang in Deutschland zu einem Nachdenken über Schuld, Verantwortung und Aufrichtigkeit.

»Ich schätze sehr, dass sie das offengelegt hat«, sagt Knobloch über den Schritt von Uschi Glas bezüglich des Vaters. »Sie wollte die Vergangenheit ihrer Familie kennen. Die kennt sie jetzt – und geht damit sehr souverän um.« dpa

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