Nahostpolitik

»Adenauer und Kohl würden sich im Grabe umdrehen«

Roderich Kiesewetter ist Bundestagsabgeordneter für die CDU Foto: imago images/photothek

»Warum befreien sie in Deutschland sich nicht aus diesem Dilemma und stoppen Waffenexporte nach Israel?« Das wollte Moderatorin Anna Planken im »ARD-Morgenmagazin« am vergangenen Freitag von Roderich Kiesewetter wissen. Anlass war ein offener Brief von rund 200 deutschen Prominenten aus dem Kultur- und TV-Bereich an Bundeskanzler Friedrich Merz, die genau das gefordert hatten.

Doch der vom Tegernsee zugeschaltete CDU-Außenpolitiker hielt dagegen. »Dieses Dilemma ist ein falsches. Es ist eine eindeutige Täter-Opfer-Umkehr. Ich wünschte mir, die 200 Kulturschaffenden hätten sich am 7. Oktober (2023) genauso deutlich zu Wort gemeldet«, sagte er.

Israel militärisch nicht zu unterstützen, wäre »dramatisch«, so Kiesewetter. Das hülfe nur Kräften wie dem Iran und der Hamas, die den jüdischen Staat vernichten wollten. Deshalb dürfe Deutschland auch bei Rüstungsexporten jetzt nicht wackeln.

Schon gar nicht aus innenpolitischem Druck heraus und weil »Nachbarstaaten, die innenpolitisch durch mangelnde Integration erheblich unter Druck sind« – gemeint war wohl Frankreich – »palästinensische Narrative verbreiten«, sagte der CDU-Bundestagsabgeordnete. Die Vereinten Nationen schalt er, sie würden in Gaza die Verteilung der Lebensmittel nicht richtig ermöglichen.

Und auch sein Parteichef Friedrich Merz erntete Kritik: Konrad Adenauer und Helmut Kohl, behauptete Kiesewetter, würden sich »im Grabe umdrehen angesichts der jetzigen Entwicklung«. Deutschland müsse sich »eindeutig an die Seite Israels stellen«.

Nur so könne die Bundesregierung Einfluss ausüben, was die Siedlungspolitik im Westjordanland betreffe und die Präsenz von Rechtsextremisten in der Regierung Netanjahu. Hier waren wohl die Minister Itamar Ben-Gvir und Bezalel Smotrich gemeint. Letztere, fand Kiesewetter, hätten »zurecht Einreiseverbot in bestimmte europäische Länder«.

Lesen Sie auch

Ihm fehle bei den Aussagen mancher seiner Parteifreunde – »auch in den Worten des Bundeskanzlers und des Außenministers« – ein wenig die Anerkennung der existenziellen Bedrohungslage, in der Israel sich befinde, monierte Kiesewetter. Anstelle von Druck auf Israel brauche es vielmehr »deutschen Druck auf die arabischen Staaten«, damit diese mehr Hilfe für Gaza zu leisteten, forderte er.

Deutschland sei bei Waffenlieferungen mehr auf Israel angewiesen als umgekehrt. »Wir sind auf Israels Unterstützung angewiesen, bei der Luftverteidigung, bei Panzerabwehrwaffen und auch bei bewaffneten Drohnen.« Deswegen müsse die Bundesrepublik weiter klar Kurs halten und an Israels Seite stehen, betonte Kiesewetter, der vor seiner politischen Karriere Offizier bei der Bundeswehr war.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Sein Parteifreund, Außenminister Johann Wadephul, ist aktuell zu einem Kurzbesuch in Israel. Am Mittwoch verbreitete das Auswärtige Amt auf der Plattform X erneut Kritik an Israel und stellte sich an die Seite der Vereinten Nationen: »Deutschland steht an der Seite all derjenigen, die humanitäre Hilfe benötigen. Hilfe, wie sie von den UN bereitgestellt werden kann. Wegen unzureichender israelischer Sicherheitszusagen kann die UN dies aktuell nicht leisten. Das muss sich ändern.«

Israels Außenminister Gideon Sa’ar hatte zuvor im Interview mit der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung« gesagt, es habe in letzter Zeit keine Fälle mehr gegeben von Menschen, die an den Essenausgabenstellen der Gaza Humanitarian Foundation erschossen worden seien.

Wörtlich sagte Sa’ar: »Es wurden Maßnahmen ergriffen, um dies zu verhindern. Aber die UN-Lager wurden von der Hamas geplündert.« Es sei wichtig zu zeigen, wer dafür verantwortlich sei, dass Hilfsgüter gestohlen würden.

Ugandische Truppen

Nahost

Ugandas Parlament billigt Truppenentsendung nach Gaza

Auf US-Anfrage soll sich ein Kontingent der ugandischen Armee der geplanten internationalen Stabilisierungstruppe anschließen. In Afrika zählt das Land zu den größten Truppenstellern für Friedensmissionen

 07.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Justiz

Israelischer Siedler wegen Tötung eines Palästinensers angeklagt

Der getötete Aktivist setzte sich gegen Siedlergewalt ein und war an dem Oscar-prämierten Film »No Other Land« beteiligt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht

 07.08.2026

Dublin

Wegen Israel-Boykott: Irisches Regierungsflugzeug kann nicht mehr im Nebel landen

Beim Kauf der Maschine wurde bewusst auf das System »FalconEye« verzichtet, weil der israelische Rüstungskonzern Elbit Systems an dem Produkt beteiligt ist

 07.08.2026

AfD-Verbot

»Wachkitzeln von Gewalt- und Mordphantasien«

Der Historiker und NS-Forscher Götz Aly, der mit Blick auf die AfD bislang vor überzogenen Vergleichen mit dem Nationalsozialismus und der NSDAP gewarnt hatte, hat offenbar seine Position revidiert

 07.08.2026

Kanada

Bericht: Jüdische Studenten erleben Antisemitismus als alltägliche Realität

Fast alle befragten jüdischen Studenten geben an, innerhalb der vergangenen zwölf Monate mindestens einen antisemitischen Vorfall erlebt oder beobachtet zu haben

 07.08.2026

Miami

Antisemitischer Angriff in Starbucks-Filiale

Laut Polizei schlug eine Frau ihr Opfer mit einem Mobiltelefon. Dann habe sie mit einem Metallstuhl auf den Mann, der eine Kippa trug, losgehen wollen

 07.08.2026

Berlin

Klingbeil: AfD-Verbotsverfahren ernsthaft prüfen

Die Diskussion um ein AfD-Verbotsverfahren erhält neue Dynamik. Was sagt SPD-Chef Klingbeil und wie reagiert die Linke auf seinen Vorstoß?

 07.08.2026

Teheran/Maskat/Washington D.C.

Iran und Oman arbeiten an Hormus-Regelung – Teheran stellt Bedingungen an die USA

Iranischer Vertreter sagen, ein Rahmenabkommen für den Schiffsverkehr sei weit fortgeschritten. Eine sofortige Wiederöffnung der Wasserstraße sei damit jedoch nicht verbunden

 07.08.2026