Meinung

Xavier Naidoo hat allen etwas vorgemacht

Xavier Naidoo, hier auf dem Giessener Kultursommer Fest im August 2019 Foto: picture alliance / Kadir Caliskan

Kaum ist sein Comeback erfolgreich über die ersten deutschen Bühnen gegangen, verbreitet Xavier Naidoo schon wieder die abstrusesten Verschwörungstheorien. »Das sind Teufel, Dämonen, Kinderfresser. Das sind keine Menschen«, bricht es aus dem Mannheimer Sänger bei einer Kundgebung mit Bezug zum Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein in Berlin heraus.

Naidoo zitierte damit zum wiederholten Male eine Neuauflage der mittelalterlichen »Kindermörderlegende«, die einst genutzt wurde, um Juden zu diffamieren. In seiner modernen Variante ist die Vorstellung, dass die Eliten Säuglinge essen, vor allem durch die rechtsextreme Online-Subkultur »QAnon« verbreitet worden.

Jetzt schweigen jene prominenten Künstler und Politiker, die sich für die Rehabilitierung Naidoos eingesetzt haben.

Der sich selbst als überzeugter Christ bezeichnende Popstar erklärte zudem, dass »wir bestimmt alle schon einen Menschen gefressen« haben, weil angeblich ein großer Chipshersteller seine Produkte mit »embryonalen Gewürzmitteln« versehen habe. Ziel sei es laut Naidoo »dass wir alle Kannibalen werden« und »mit ihnen zusammen in die Hölle runterfahren«. Diese kruden Gedanken werden gerade genüsslich von Antisemiten jeglicher Couleur in den sozialen Netzwerken aufgegriffen.

Dagegen schweigen jene prominenten Künstler und Politiker, die sich in der Vergangenheit für die Rehabilitierung von Naidoo eingesetzt haben, wie die Rapper Kontra K oder Jan Delay, die Kulturmanagerin Claudia Roth, der Schauspieler Til Schweiger oder der Comedian Oliver Pocher, der vergangenes Jahr das Comeback Naidoos noch mit deutlichen Worten kommentierte: »Da ist er wieder! Sie haben versucht zu canceln, aber Talent und Können setzt sich immer durch!«

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Nicht wenige hatten davor gewarnt, Naidoos Beteuerung Glauben zu schenken, er habe sich von seinen einstigen extremistischen Ansichten gelöst. Die große Mehrheit wollte es damals nicht hören und Naidoo konnte wieder vor ausverkauften Hallen spielen. Doch spätestens jetzt sollten seine Fürsprecher zu der Erkenntnis kommen, dass Naidoo ihnen und der gesamten Öffentlichkeit etwas vorgemacht hat.

Der Autor ist freier Journalist in Berlin.

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