Einspruch

Wenn Urlaub zum Risiko wird

Sabine Brandes Foto: privat

Es war ein Sommer voller Freunde, dem Aufleben alter Familienbande und viel zu viel Pizza und Pasta. Und es war der Sommer, in dem ich aufhörte, bei Türken zu kaufen. Meinen Kindern habe ich verboten, mit Russen zu sprechen. Wenn ich Sächsisch höre, wechsle ich die Straßenseite und zische »rechts­extremes Pack«.

Ich fühle mich gut dabei. Schließlich verabscheue ich die Politik von Erdoğan, verurteile Putins Angriff auf die Ukraine und finde die AfD ganz und gar grauenvoll. Außerdem belehre ich jeden über die Politik seines Landes und verlange, dass er sich für die Taten der Regierung bei mir persönlich entschuldigt.

Völlig absurd? Ist es! Natürlich habe ich nichts von alldem getan. Aber ich bin im Sommer durch Europa gereist und hatte nicht nur meine Kinder dabei, sondern auch ein mulmiges Gefühl.

Die Frage »Wo wagen wir es, uns als Israelis zu outen?« begleitete mich überall.

Die Frage »Wo wagen wir es, uns als Israelis zu outen?« begleitete mich überall. Beim Shoppen in Köln, als die nette Verkäuferin Fatima fragte, warum wir keine Klubkarte wollen, und ich meinen Sohn anstupste, damit er nicht antwortet: »Weil wir in Israel leben.« Oder im Restaurant im italienischen Fano, als mein Mann sagte, dass wir aus Tel Aviv kommen, und ich schweißgebadet dasaß. Um klar zu sein: Wir haben weder Ausgrenzungen noch Angriffe erlebt. Andere hatten aber weniger Glück.

Fast überall auf der Welt werden Menschen derzeit geächtet, beschimpft und attackiert, weil sie israelisch, jüdisch oder beides sind – und damit verantwortlich gemacht für den Krieg in Gaza. Oder gleich für das Leid auf der ganzen Welt. Dass Juden als Sündenböcke herhalten müssen, ist leider altbekannt. Fast genauso beängstigend wie die Übergriffe ist die Tatsache, dass man uns für dumm verkaufen will.

Denn dass das irgendetwas mit Gaza zu tun haben soll, ist an Unsinn schwer zu überbieten. Wenn man also schon den »Mut« aufbringt, israelische Kinder aus Freizeitparks auszuschließen oder Juden auf der Straße zu verprügeln, könnte man auch zugeben, dass man nichts anderes ist als ein Antisemit – oder zumindest ein kleiner hasserfüllter Widerling.

Interview

»Ich würde gerne mit Benjamin Netanjahu sprechen«

Der umstrittene Podcaster Ben Berndt schreibt Mediengeschichte. Sein YouTube-Format »Ungeskriptet« erreicht Millionen. Ein Gespräch

von Sven Gösmann, Stella Venohr  07.07.2026 Aktualisiert

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Beitrag für Yad Vashem

Die Gedenkstätte Yad Vashem in Israel erinnert an die von den Nationalsozialisten ermordeten Juden. Die Bundesrepublik will sich künftig verstärkt an der Finanzierung beteiligen

 07.07.2026

Schweiz

Ein Jahr Gefängnis für jugendlichen Täter

Der Schweizer mit tunesischen Wurzeln hatte am 2. März 2024 auf der Straße einen orthodoxen Juden niedergestochen. Am Dienstag wurde der 17-Jährige verurteilt

von Nicole Dreyfus  07.07.2026

Humantitäre Hilfe

IDF arbeitet mit an Venezuelas Wiederaufbau

Nach den verheerenden Erdbeben entwickelt eine IDF-Delegation mit der Übergangsregierung einen Plan für die zerstörten Regionen. Oberrabbiner Cohen hofft, dass die humanitäre Operation ein erster Schritt zur Wiederaufnahme der Beziehungen zwischen Caracas und Jerusalem sein könnten

von Sabine Brandes  07.07.2026

Jerusalem

Deutschland verfünffacht Unterstützung für Yad Vashem

Außenminister Wadephul und sein israelischer Amtskollege Sa’ar haben auf einer gemeinsamen Pressekonferenz einen Ausbau der Förderung für die israelische Holocaust-Gedenkstätte angekündigt. In den Fragen zu Iran und Libanon herrschte Einigkeit, beim Westjordanland nicht

von Sabine Brandes  07.07.2026

Türkei

Netanjahu warnt die USA vor einem Kampfjet-Deal mit der Türkei

Israel sieht das Gleichgewicht im Nahen Osten gefährdet, sollte es zu einem Deal zwischen der Türkei und den USA kommen

 07.07.2026

Jerusalem

»Antisemitische Hetze« und »Aufruf zum Völkermord«: Streit zwischen Israel und Türkei eskaliert

Türkeis Außenminister hatte Israel als Problem für die Menschheit bezeichnet, das nicht länger ertragen werden könne

 07.07.2026

USA

Wie Ägyptens Nationaltrainer bei der Fußball-WM Lügen über Israel verbreitet

Politische Botschaften sind während des Turniers eigentlich verboten. Ägyptens Trainer lässt sich davon nicht beeindrucken

 07.07.2026 Aktualisiert

Hintergrund

UNRWA: Die Rosa-Luxemburg-Stiftung und die Israel-Lobby

Eine neue Studie der linksparteinahen Stiftung präsentiert jüdische und pro-israelische Organisationen in Deutschland pauschal als Sprachrohre der Regierung in Jerusalem

von Michael Thaidigsmann  06.07.2026