Kommentar

Wenn die Justiz Hochachtung vor einer Israel-Hasserin hat

Die Berlinerin Yasemin Acar ist eine stadtbekannte Israel-Hasserin, eine regelmäßige Teilnehmerin von Demos, bei denen die Gewalt der Hamas bagatellisiert wird. Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte sie jetzt wegen Widerstands gegen und tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte, wegen Verleumdung und versuchter Körperverletzung – nicht aber für das öffentliche Verbreiten der Hamas-Parole »From the River to the Sea, Palestine will be free«.

Ob der Slogan strafbar ist, daran scheiden sich die Geister. Einige sehen darin die strafbare Verwendung des Kennzeichens der vom Bundesinnenministerium in Deutschland verbotenen palästinensischen Terrorvereinigung. Kontextabhängig wird auch eine strafbare öffentliche Billigung des Hamas-Massakers vom 7. Oktober 2023 diskutiert.

Klar ist: Die Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut und um die Strafbarkeit bestimmter Äußerungen darf und muss in jedem Einzelfall gerungen werden. Doch wer für Israel keinen Platz auf der Landkarte lassen will, muss sich durchaus die Frage gefallen lassen, wie er es mit den Juden insgesamt hält.

Die bloße Leugnung des Existenzrechts Israels ist zwar bislang zumindest noch nicht strafbar. Was aber nicht in Ordnung ist: Wenn das Gericht es duldet, dass das Publikum bei der Urteilsverkündung in lauten Applaus ausbricht. Wenn Richter Philipp Berkolz bei der Urteilsverkündung der Verurteilten nicht nur erklärt, sie habe wegen ihres Engagements seine Hochachtung und spreche wahrscheinlich einigen Leuten aus der Seele, sondern ihr auch rät, künftig »keine Angriffsfläche zu bieten«.

Derlei Sympathiebekundungen von der Richterbank herab verfehlen Sinn und Zweck der rechtsprechenden Gewalt, Rechtsfrieden in der Gesellschaft zu stiften. Das ist politische Justiz, die es an der gebotenen Distanz und Unparteilichkeit mangeln lässt und unnötig Öl ins Feuer gießt. Damit werden die Risse, die derzeit durch die Berliner Stadtgesellschaft gehen, ganz sicher nicht gekittet.

Der Autor ist Rechtsanwalt und Partner in der Kanzlei Bender Harrer Krevet in Freiburg im Breisgau.

Meinung

Warum die Begründung des OLG Zweibrücken nicht überzeugt

Der Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts zur Gleichsetzung von Davidstern und Hakenkreuz zeigt, wie die bestehende Dogmatik angesichts des Anstiegs des Antisemitismus in der Gesellschaft an Grenzen stößt

 12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026

Medien

Geglaubt und geteilt

»Antisemitismus«, definierte Adorno, sei »das Gerücht über Juden«. Was ist dann dessen Verbreitung? Die ARD muss sich einer längst fälligen Debatte stellen

von Esther Schapira  11.08.2026

Medien

Wo steckt die palästinensische Opposition?

Zwei taz-Essays erzählen eindringlich von palästinensischer und muslimischer Entfremdung in Deutschland. Sie lassen zugleich einen entscheidenden blinden Fleck im Nahostkonflikts unerwähnt

von Leeor Engländer  10.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Benjamin Netanjahu

Meinung

Nicht wegen des Krieges: Warum Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wirklich zurücktreten sollte

von Roman Haller  07.08.2026

Kommentar

Landtagswahlkampf mit Israelfeindlichkeit

Mit einem vielleicht auf den ersten Blick unschuldigen Satz macht das BSW Stimmung. Gegen den einzigen jüdischen Staat, die »Zionisten« und damit die Juden

von Imanuel Marcus  06.08.2026

Meinung

»Blaue Moschee« als Gedenkstätte für die Opfer des Islamismus?

Nach der Schließung des eng mit dem iranischen Regime verflochtenen »Islamischen Zentrums Hamburg« wird über die künftige Nutzung des Ortes diskutiert

von Ulrike Becker  06.08.2026

Vorurteile

Können wir mal reden?

Warum persönliche Begegnungen und Gespräche heute wichtiger sind denn je – insbesondere beim Thema Israel

von Sabine Brandes  06.08.2026