Sabine Brandes

Unsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir

Sabine Brandes, Israel-Korrespondentin

Sabine Brandes

Unsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir

Dass ein solcher Extremist die innere Sicherheit Israels verantwortet, ist ein Offenbarungseid

 30.04.2026 12:42 Uhr

Yemanu Binyamin Zelka war 21 Jahre alt. Er arbeitete in einer Pizzeria in Petach Tikwa und bat Jugendliche lediglich, keinen Partyschaum im Laden zu versprühen. Stunden später lauerten sie ihm auf, schlugen ihn, einer stach zu. Zelka verblutete. An einer Straßenecke in Tel Aviv verletzten Teenager zwei Schüler mit Messern, weil sie deren E-Scooter wollten. In Beer Sheva kam ein weiterer junger Mann bei einer Messerstecherei ums Leben. Alles an einem einzigen Tag. Und der Mann, der für die Polizei zuständig ist? Nirgendwo zu sehen!

Denn Itamar Ben-Gvir ist zu beschäftigt. Der wegen Terrorismus verurteilte Minister inszeniert sich gern als einer, der hart durchgreift. Das tut er: bei protestierenden Senioren, die bei einer legalen Demonstration von Polizisten brutal abgeführt werden. Oder bei einem Professor, der sich Frieden nicht nur auf die Fahnen, sondern auf die Kippa geschrieben hat und dafür festgenommen wird. Gerne präsentiert sich Ben-Gvir auch in TikTok-Videos, die zeigen, wie er gegen Autofahrer wettert, die ihn an einer Ampel abhängen.

Denn das, was er macht, ist kein Ausrutscher, sondern ein Muster.

Ein Minister für öffentliche Sicherheit wird daran gemessen, ob Menschen sich sicher fühlen. Doch die Gewalt erreicht neue Höchststände. In den arabischen Gemeinden ist die Situation bereits außer Kontrolle: fast täglich ein Mord, null Aufklärung, kaum staatliche Reaktion.

Härte zeigt Ben-Gvir nicht dort, wo sie dringend gebraucht wird, sondern vor allem gegenüber politischen Gegnern. Das ist nicht nur peinlich, es ist brandgefährlich. Denn das, was er macht, ist kein Ausrutscher, sondern ein Muster. Es untergräbt den Rechtsstaat und politisiert die Polizei. Dass ein solcher Extremist die innere Sicherheit verantwortet, ist ein Offenbarungseid. Ben-Gvir muss die Regierung verlassen, und zwar schnell! Denn Morde sind nicht nur Statistik. Wenn schwere Gewalt ohne Folgen bleibt, während staatliche Aufmerksamkeit anderswo gebündelt wird, schwindet das Vertrauen in Schutz und Recht. Und der gesellschaftliche Zusammenhalt gerät in Gefahr.

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

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