Kommentar

Danke, Berlin!

JA-Redakteur Imanuel Marcus Foto: ja

Ein Palästinenser bekommt die deutsche Staatsbürgerschaft. Dies könnte eine gute Nachricht sein, wenn der junge Mann namens Abdallah A. seine Einbürgerung in die Bundesrepublik nicht als Erlaubnis dafür interpretiert hätte, frank und frei den palästinensischen Terror gegen Juden zu feiern.

Als Baby war Abdallah A. hergekommen. Dies bedeutet, dass er an deutschen Schulen ausgebildet wurde. Genützt hat dies offensichtlich wenig. Denn nur einen Tag lang war er offiziell Deutscher, als er auf Instagram einen Post absetzte, auf dem zwei Hamas-Terroristen am Strand von Gaza zu sehen waren.

Dazu schrieb Abdallah A.: »Heros of Palestine«. Dass das Wort »Helden« auf Englisch mit einem weiteren »e«, also »Heroes«, geschrieben wird, ist hier das geringste Problem.

Weder sein Eintrag auf Instagram noch seine Teilnahme an israelfeindlichen Kundgebungen spricht dafür, dass Abdallah A. die freiheitlich-demokratische Grundordnung verinnerlicht hat. Es handelt sich dabei um die obersten Wertprinzipien unserer Demokratie. Der Ausschluss jeder Gewalt- und Willkürherrschaft gehört ebenso dazu wie die im Grundgesetz verankerten Menschenrechte. Wer die Hamas feiert, wendet sich offenkundig dagegen.

Lesen Sie auch

Berlin nimmt Abdallah A. seinen deutschen Pass nach dem Instagram-Post nun wieder weg. Damit ist zwar das Problem des sich exponentiell verbreitenden Judenhasses nicht gelöst. Der Schritt der Behörden in der Hauptstadt setzt jedoch ein Zeichen und ist daher ebenso richtig wie notwendig. Die Maßnahme zeigt Herrn A., dass seine Einstellung zu Israel, Juden und Demokratie nicht geduldet werden kann – und sendet eine unmissverständliche Nachricht an andere Israelhasser: Wenn ihr den Terror gegen Juden feiert, seid ihr hier unerwünscht. Punkt.

In Berlin mag vieles nicht funktionieren, aber die Stadt hat im Fall von Abdallah A. absolut richtig gehandelt. Wir brauchen mehr von diesen Maßnahmen, da sie zu weniger Hass führen und die Gewalt gegen Juden eindämmen können, wenn sie konsequent umgesetzt werden.

Wir wollen ohne Sorge in der U8 fahren oder den Hermannplatz überqueren können, auch wenn wir etwa durch Kippot oder Davidstern-Ketten als Juden erkennbar sind. Wir wollen Ivrit sprechen dürfen, ohne zusammengeschlagen zu werden. Vor allem wollen – und müssen – wir die Demokratie und die Freiheit verteidigen.

Mit ein paar Mahnwachen, »Nie wieder!«-Beteuerungen am 9. November oder Anti-Hass-Buttons allein klappt dies nicht. Wir brauchen die Behörden. Danke, Berlin!

marcus@juedische-allgemeine.de

Jerusalem

Merz trifft Netanjahu und besucht Holocaust-Gedenkstätte

Es ist einer der wichtigsten Antrittsbesuche von Kanzler Merz - aber auch einer der schwierigsten. In den Beziehungen zu Israel gab es in den letzten Monaten einige Turbulenzen

von Michael Fischer  06.12.2025

Akaba/Jerusalem

Merz zu Nahost-Reise aufgebrochen: Antrittsbesuch in Israel 

Das Renten-Drama ist überstanden, jetzt geht es für den Kanzler erstmal ins Ausland. Heute und morgen steht ein besonderer Antrittsbesuch auf seinem Programm

 06.12.2025

Israel

Drei Brüder werden an einem Tag Väter - von vier Kindern

Zwillinge inklusive: Drei Brüder und ihre Partnerinnen schenken den Großeltern an einem Tag vier Enkel. Wie es zu diesem seltenen Familienglück kam

von Sara Lemel  05.12.2025

Barcelona

Guinness World Records blockiert Bewerbungen aus Israel

Die israelische NGO Matnat Chaim will im kommenden Monat 2000 Nierenspender zusammenbringen. Dieser Rekord wird nicht registriert, da er im jüdischen Staat umgesetzt werden soll

 05.12.2025

Gaza

Wie die Hamas Hilfsorganisationen gefügig machte

Einer Auswertung von »NGO Monitor« zufolge konnten ausländische Organisationen in Gaza nur Hilsprojekte durchführen, wenn sie sich der Kontrolle durch die Hamas unterwarfen

von Michael Thaidigsmann  05.12.2025

Jerusalem

Netanjahu bezeichnet Korruptionsprozess als »politisch«

»Sie sind nicht an Gerechtigkeit interessiert, sie sind daran interessiert, mich aus dem Amt zu drängen«, so der Ministerpräsident

 05.12.2025

Luftfahrt

EasyJet plant Rückkehr nach Israel

Im Frühling geht es mit zunächst drei Verbindungen zwischen europäischen Städten und dem Ben-Gurion-Flughafen los

 05.12.2025

Medien

»Die Kritik trifft mich, entbehrt aber jeder Grundlage«

Sophie von der Tann schwieg bislang zur scharfen Kritik. Doch jetzt reagiert die ARD-Journalistin auf die Vorwürfe

 04.12.2025

Die letzte Geisel in Gaza

»Er ging als Erster – er kommt als Letzter zurück«

Ran Gvili war ein Polizist einer Eliteeinheit, der trotz gebrochener Schulter in den Kampf zog

von Sabine Brandes  04.12.2025