Meinung

Sauna der Toleranz - aber nur ohne Davidstern

Sabine Brandes, Israel-Korrespondentin

Meinung

Sauna der Toleranz - aber nur ohne Davidstern

Zwei Frauen werden in Barcelona wegen eines jüdischen Symbols verhört, als »Zionistinnen« aussortiert und schließlich hinausgeworfen – im Namen einer Offenheit, die sich selbst ad absurdum führt

von Sabine Brandes  02.06.2026 16:26 Uhr

Zwei Frauen wollen in Barcelona in eine Sauna. Eine trägt eine Kette mit einem Davidstern. Das reicht. Sie werden politisch verhört. Müssen erklären, wie sie zum Zionismus stehen, sich rechtfertigen. Am Ende werden sie rausgeworfen.

Man stelle sich vor, wenn Menschen wegen eines Kreuzes, eines Halbmonds oder eines T-Shirts mit Regenbogen an der Tür abgewiesen würden ... Beim Davidstern aber gilt für viele heute eine andere Logik. Er ist nicht mehr jüdisches Symbol oder einfach Schmuckstück, sondern Beweislast. Seine Träger sind nicht Menschen, sondern Angeklagte. Und sie sind immer schuldig.

Die Betreiber der Sauna haben sich entschuldigt. Schön. Aber die Entschuldigung ist nicht die Geschichte. Die Geschichte ist, dass Menschen glauben, sie handeln moralisch richtig, wenn sie andere selektieren und an den Pranger stellen. Das ist das eigentlich Verstörende. Denn niemand sagte dort: »Wir diskriminieren heute mal ein paar Juden.« Oder besser Jüdinnen – denn politische Korrektheit muss schon sein.

Der moderne Antisemit glaubt oft, er sei das genaue Gegenteil eines Antisemiten.

Nein, stattdessen hält man sich für besonders aufgeklärt. Und überaus sensibel. Man ist ja schließlich für den Underdog, ein Kämpfer gegen Unterdrückung. Der moderne Antisemit glaubt oft, er sei das genaue Gegenteil eines Antisemiten. Das macht er oder sie klar, indem er oder sie immer wieder behauptet: »Es geht nicht um Juden, es geht nur um Zionisten.«

Früher waren Juden angeblich für Kapitalismus, Revolutionen oder Brunnenvergiftungen verantwortlich. Heute sind sie für Kolonialismus, Apartheid oder Völkermord zuständig. Das Muster bleibt dasselbe: Aus Menschen werden Symbole, aus Individuen Vertreter eines angeblich bösen Kollektivs.

Dabei zeigt sich eine große Krankheit unserer Zeit. Mit der verzweifelten Sehnsucht, ein guter Mensch zu sein, nehmen die modernen Antisemiten und Antisemitinnen jedes Argument in Kauf. Viele haben sich eine Welt zurechtgezimmert, in der alle Fragen bereits beantwortet sind. Hier die Opfer, dort die Täter. Hier das Gute, dort das Böse.

Da muss nicht mehr zugehört oder ausgeredet werden. Und weil diese Weltsicht so bequem ist, wird jeder, der nicht hineinpasst, kurzerhand hinausbefördert. Und dann fühlt man sich so richtig gut und ganz und gar gerecht in der zionisten- und zionistinnenfreien Blase.  

Lesen Sie auch

Wie arrogant muss man eigentlich sein, um einer fremden Frau an einer Saunatür einen politischen Loyalitätstest aufzuzwingen und dabei auch noch frech zu lächeln. Wer hat diesen Leuten eingeredet, sie seien die Gerechten? Merkt niemand, wie völlig verrückt das alles ist?

Denn ausgerechnet jene Milieus, die ständig von Vielfalt, Toleranz und Offenheit sprechen, entwickeln immer feinere Methoden der Ausgrenzung. Sie predigen Diversität und verlangen Konformität. Sie feiern Minderheiten – aber nur, solange die die richtige Meinung haben.

Denn wie gesagt: Es geht ja nicht um Juden. Sondern um Zionisten. Oder Zionistinnen natürlich.

Die Autorin ist Israel-Korrespondentin der Jüdischen Allgemeinen.

Frankreich

Shosanna rennt weiter

»Inglourious Basterds«-Star Mélanie Laurent ist zurück – und nimmt in »Fauda 5« Rache

von Sophie Albers Ben Chamo  07.06.2026

Großbritannien

Grünen-Chef will Ermittlungen gegen Briten, die in Israels Armee dienen

Zack Polanski gehört ebenso wie Jeremy Corbyn zu den Unterstützern einer Kampagne, die sich gegen britische Staatsbürger im israelischen Militär richtet

 05.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Großbritannien

Unterhausabgeordneter unterstellt Israel »Blutdurst«

In einer Parlamentsdebatte zu Israels Krieg gegen die Hisbollah im Libanon verstieg sich ein Parlamentarier zu antisemitischen Aussagen

 04.06.2026

Essay

Sündenfall des Big Apple

New Yorks Bürgermeister macht den Nahostkonflikt zur Innenpolitik und feiert BDS, während seine Frau den 7. Oktober rechtfertigt. Hinter der Fassade der Wohltäter steht die harte Ideologie der Ausgrenzung

von Louis Lewitan  04.06.2026

Brnenec

Museum in Oskar Schindlers Fabrik - Politiker sagen Unterstützung zu

Auf dem Gelände der früheren Fabrik von Oskar Schindler gibt es heute ein Museum. Noch zwickt es dort finanziell ordentlich. Aber Hilfe für die NS-Gedenkstätte ist zumindest am Horizont

von Alexander Brüggemann  03.06.2026

Essay

Wenn ein Platz nicht schweigt

Gedanken zum 85. Jahrestag der Zerstörung der alten Synagoge von Esch-sur-Alzette durch die Nationalsozialisten

von Andreas Albrecht  02.06.2026

Hintergrund

»Lady Gaza« kommt in die Schweiz

Ein sozialdemokratischer Abgeordneter hat die umstrittene französische Europaabgeordnete Rima Hassan nach Bern eingeladen und damit Empörung ausgelöst. Erste Stimmen fordern nun ein Einreiseverbot

von Nicole Dreyfus, Michael Thaidigsmann  02.06.2026

Punta Cana

Gal Gadot und Mila Kunis zeigen sich entspannt im Karibikurlaub

Die jüdischen Schauspielerinnen gehen in Puerto Rico ganz besonderen Freizeitaktivitäten nach

 02.06.2026