Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Joshua Schultheis Foto: Ira Prohorova

Meinung

Jugendwerk endlich gründen

Seit vielen Jahren wird immer wieder betont, wie wichtig die Institutionalisierung des deutsch-israelischen Jugendaustauschs wäre. Höchste Zeit, die Idee in die Tat umzusetzen

von Joshua Schultheis  21.01.2026 16:34 Uhr

Ist es schon zu spät, sich etwas für 2026 zu wünschen? Es gibt da nämlich etwas, das dieses Jahr unbedingt verwirklicht werden sollte: das deutsch-israelische Jugendwerk.

Die Einrichtung dieser Institution wurde vor mehr als sieben Jahren angekündigt. Im Oktober 2018 waren die Regierungen von Deutschland und Israel zu Konsultationen in Jerusalem zusammengekommen und hatten gelobt, den Jugendaustausch, »ein wichtiges und wirksames Element des gegenseitigen Kennenlernens«, zu intensivieren. Seitdem ist kein Jahr vergangen, in dem nicht erneut bekräftigt wurde, wie wichtig und nötig ein deutsch-israelisches Jugendwerk wäre. Passiert ist jedoch nichts. Wie kann das sein?

Der israelbezogene Antisemitismus nimmt insbesondere bei jüngeren Deutschen zu. Das Jugendwerk wäre nötiger denn je.

Personen, die mit der Materie vertraut sind, sprechen von unterschiedlichen politischen Kulturen, die hier aufeinanderprallen und eine Verständigung erschweren. Offenbar orientiert sich Deutschland an den bereits existierenden Jugendwerken, dem deutsch-französischen und deutsch-polnischen, die durch komplexe Strukturen mit geteilter Geschäftsführung und einem Überbau an verschiedenen Gremien geprägt sind. Dem Vernehmen nach kann die israelische Seite damit wenig anfangen und hätte es, salopp gesagt, gern etwas unverbindlicher. Unüberbrückbar sind diese Differenzen aber nicht.

Beiden Ländern sei daher der Neujahrsvorsatz nahegelegt, sich auf die jeweils andere Seite zuzubewegen – und das Jugendwerk endlich zu gründen!

Lesen Sie auch

Dieses ist heute nötiger denn je. Eine Umfrage der Bertelsmann Stiftung vom Mai 2025 zeigt, wie sehr die Wahrnehmung Israels in den zwei Jahren des Gaza-Kriegs gelitten hat. Während 2021 noch 46 Prozent der Deutschen eine positive Meinung von Israel hatten, sind es derzeit nur noch 36 Prozent. Gleichzeitig nimmt der israelbezogene Antisemitismus insbesondere bei jüngeren Menschen zu. Ein besorgniserregender Trend, gegen den vor allem eines hilft: die Begegnung zwischen Deutschen und Israelis.

schultheis@juedische-allgemeine.de

Israel

Die Eindeutigkeit der Uneindeutigen

Ben Gvirs Äußerungen sind menschenverachtend und sollten von allen verurteilt werden, denen Israel am Herzen liegt. Zugleich spiegeln sie zum Glück nicht die Gaza-Politik Israels wider

von Volker Beck  19.08.2026

Meinung

Im Zweifel für das Narrativ?

Die »tageszeitung« (taz) veröffentlichte einen Beitrag eines Deutsch-Palästinensers, der nicht nur unrichtige Aussagen enthält, sondern eine sehr fragwürdige Erzählung propagiert

von Michael Thaidigsmann  18.08.2026

Meinung

Von Menschen und Monstern

Die neuen Äußerungen des rechtsextremen israelischen Ministers Itamar Ben-Gvir sind schockierend, aber leider nicht überraschend

von Ayala Goldmann  18.08.2026

Bern

Verantwortung lässt sich nicht neutralisieren

Die Schweiz debattiert anlässlich einer Volksabstimmung über ihre Neutralität. Ein Kommentar von JA-Schweiz-Korrespondentin Nicole Dreyfus

von Nicole Dreyfus  16.08.2026

Essay

Politische und moralische Bankrotterklärung

Die Literaturkritikerin Maha El Hissy hat kein Problem damit, die populärste antisemitische Ritualmordlegende unserer Gegenwart zu verbreiten. Trotzdem wurde sie in die Jury des renommierten Deutschen Buchpreises berufen

von Daniel Neumann  15.08.2026

Meinung

Brennende Moscheen: Moralische Klarheit bei Siedlergewalt

Die Stimme gegen Gewalt, die im Namen des jüdischen Volkes ausgeübt wird, muss ebenso klar und deutlich vernehmbar sein wie gegen die Gewalt, die sich gegen uns richtet

von Rabbiner Pinchas Goldschmidt  14.08.2026

Meinung

AfD als Sicherheitsrisiko

Es ist die Pflicht jedes Einzelnen, unsere Verfassung zu verteidigen und ein Überprüfungsverfahren anzustrengen. Verbieten kann nur unser freiheitlich-demokratischer Rechtsstaat

von Roderich Kiesewetter  13.08.2026

Meinung

Warum die Begründung des OLG Zweibrücken nicht überzeugt

Der Beschluss des Pfälzischen Oberlandesgerichts zur Gleichsetzung von Davidstern und Hakenkreuz zeigt, wie die bestehende Dogmatik angesichts des Anstiegs des Antisemitismus in der Gesellschaft an Grenzen stößt

 12.08.2026

Kommentar

UNRWA: Fakten statt Tabus

Warum Kritik am Palästinenserhilfswerk auf Schweigen und Ablehnung stößt

von Duki Dror  12.08.2026