Einspruch

Im Dschungel gestolpert?

Maria Ossowski

Einspruch

Im Dschungel gestolpert?

Maria Ossowski bedauert den Rücktritt von Berlins Kultursenatorin Sarah Wedl-Wilson

von Maria Ossowski  30.04.2026 12:07 Uhr

Schade. Sarah Wedl-Wilson hat ihr Amt als Kultursenatorin in Berlin aufgeben müssen. Dabei hatte sie nicht nur das Vertrauen der Kulturinstitutionen zurückgewonnen, sie gilt auch als besonders engagiert im Kampf gegen Judenhass. Ausgerechnet über die Vergabe von Geldern zur Antisemitismusprävention ist sie gestolpert – was allerdings nichts mit den Inhalten der Projekte zu tun hat, sondern allein mit den Defiziten in der Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt.

Wenn »Tod den Juden«-Graffiti an den Hauswänden auftauchen, muss Prävention Priorität haben.

Dem Landesrechnungshof zufolge hat sie in den ersten acht Wochen ihrer Amtszeit 13 Projektanträge ohne ausreichende Förderkriterien, externe Expertise und hinreichende Dokumentation unterschrieben. Die parteilose Senatorin weist dies nicht zurück, im Gegenteil. Sie ist keine Parteisoldatin, die sich in Orts- und Landesverbänden mühsam hochgedient hat, sondern steht für inhaltliche Kompetenz. Was ihr fehlte, war Verwaltungsexpertise, und genau die ist unabdingbar im Dschungel politischer Interessen. Herrschaft ist im Alltag primär Verwaltung, sagte schon Max Weber.

Zudem hatten zwei CDU-Politiker sie unter Druck gesetzt und zu den Unterschriften gedrängt. Dass Parteien ihnen genehme Vorhaben fördern, ist üblich. Wedl-Wilson muss gefürchtet haben, wichtige Vorlagen könnten sonst blockiert werden. Offensichtlich konnte sie sich auf ihren Staatssekretär nicht verlassen.

Ein Brandbrief der Mitarbeiter, es fehle ihnen an grundlegendem Wissen um Zuwendungsrecht, zeugt von der Not in der Behörde. Der Landesrechnungshof empfiehlt, Projektmittel zur Antisemitismusprävention zukünftig nicht mehr der Kulturverwaltung zuzuordnen.

Das wäre fatal – schließlich grassiert gerade im Kulturbereich seit dem 7. Oktober 2023 der Judenhass. Bitter ist ebenfalls, dass der Einsatz gegen Antisemitismus deswegen plötzlich in Verruf gerät. Wenn »Tod den Juden«-Graffiti an den Hauswänden auftauchen, muss Prävention Priorität haben.

Die Autorin ist freie Journalistin und war viele Jahre als Redakteurin für den Hörfunk in der ARD tätig.

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