Meinung

Ein Mutmacher in trüben Zeiten

Noam-Bettan-Fans beim Public Viewing in Wien Foto: picture alliance / APA-Images

Nein, Israel hat nicht den ersten Platz beim ESC geholt. Und ja, der Chor der modernen Judenhasser in Europa wurde durch neue hässliche Dissonanzen – etwa von Amnestys »Nahostreferentin« – verstärkt, die rund um das Wiener Finale ihr altes Kampflied vom Völkermord in Gaza schmetterte.

Und ja, Spanien sendete den ESC-Showdown gar nicht erst. Israels diesjähriger Interpret Noam Bettan immunisierte sich ob all dieser düsteren Vorzeichen bei den Proben in Wien schon mal mit beauftragten Buhrufern – für den Fall der Fälle, dass Störer seine Performance der Ballade »Michelle« sabotieren sollten.

Deutschlands TV-Publikum hingegen ließ sich nicht beirren – und gab Israels Beitrag zwölf Punkte – wie schon in den vergangenen zwei Jahren. Für diejenigen, die hinter diesem Votum nicht eine neuerliche jüdische Verschwörung wittern, ist das eine gute Nachricht. Die Schwarmintelligenz schwärmt noch, die große Mehrheit der Abstimmenden lässt sich anscheinend doch nicht so einfach von Vorurteilen lenken.

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Und die anderen, bei uns und auch in anderen Ländern Europas, die Noam Bettan ebenfalls mit ihrer Stimme unterstützt haben oder im Vorfeld zu dessen Wahl aufriefen, haben ein so sicht- wie hörbares Signal der Solidarität gen Israel geschickt.

Ein Mutmacher in trüben Zeiten, ein erneutes Zusammenrücken einer Werteallianz? Das Abstimmungsergebnis sollte natürlich nicht politisch überhöht werden – aber zu unterschätzen ist es auch nicht. Es zeigt nämlich eindeutig, dass sich die Bürger eben nicht so einfach durch vielfältige Claqueure von Hass und Hamas beeinflussen lassen.

Dass zudem die bulgarische Sängerin Dara auf Platz eins kam, rundete Israels Erfolg gewissermaßen noch ab. Denn die 27-Jährige hatte sich im Vorfeld klar gegen die Stigmatisierung Israels ausgesprochen. Europas Bürger scheinen doch schlauer zu sein, als es so manchem »israelkritischen« Schreihals lieb sein mag. Das ist die Botschaft von Wien. Es bleibt zu hoffen, dass sie kommendes Jahr in Sofia weiterlebt.

Kommentar

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