Meinung

Ein Friedensplan, der keiner ist?

Alexander Friedman

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Ein Friedensplan, der keiner ist?

Die von den Amerikanern vorgelegten Punkte zur Beendigung des Ukraine-Kriegs sind kein fairer Vorschlag, sondern eine Belohnung für den russischen Aggressor

von Alexander Friedman  24.11.2025 17:03 Uhr

Alexander Dugin gibt sich demonstrativ zuversichtlich. »Die Ukraine wird spätestens in zwei Jahren vollständig uns gehören. Vielleicht sogar deutlich früher«, verkündet der Philosoph, der als Sprachrohr des Kremls gilt. Doch was macht ihn so sicher? Es ist der US-Plan, der weniger an einen fairen Friedensvorschlag als an einen zynischen Diktatfrieden erinnert.

Er sieht schmerzhafte Gebietsabtretungen, eine Reduzierung der ukrainischen Streitkräfte, den Verzicht auf eine NATO-Mitgliedschaft sowie lediglich vage Sicherheitsgarantien vor. Hinzu kommt die faktische Rehabilitierung des russischen Aggressors, der mit einer Aufhebung der Sanktionen und einer Rückkehr auf die internationale Bühne rechnen darf.

Während Trump sich als Friedensstifter inszeniert, der den »lästigen« Krieg beenden und sich auf große Geschäfte mit Russland konzentrieren möchte, macht in Kiew bereits das Wort »Kapitulation« die Runde.

Die Belohnung eines Aggressors schafft keinen dauerhaften Frieden, sie ebnet vielmehr den Weg zu einem größeren Krieg.

In den europäischen Hauptstädten breiten sich unterdessen Empörung und tiefe Sorge um die Ukraine aus, die als Bollwerk gegen russische Aggression gedacht war, sowie um die eigene Sicherheit. Die europäische Erfahrung ist eindeutig: Die Belohnung eines Aggressors schafft keinen dauerhaften Frieden, sie ebnet vielmehr den Weg zu einem größeren Krieg – eine der bittersten Lehren des 20. Jahrhunderts.

Im vierten Kriegsjahr sind die Ukraine und ihre europäischen Partner zu geschwächt, um die USA einfach zu brüskieren. Sie versuchen daher zumindest, die Bedingungen abzumildern und substanzielle Sicherheitsgarantien zu erzwingen. Insgeheim haben sie wohl die gewagte Hoffnung, dass Moskau den erneuerten Plan ablehnt – und Trump anschließend eine proukrainische Wende vollzieht.

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Der Kreml hingegen befindet sich in einer komfortablen Lage. Mit der Umsetzung des Plans erhielte er eine dringend benötigte Verschnaufpause, um neue Schritte gegen die bereits angeschlagene Ukraine – und möglicherweise gegen Europa – vorzubereiten. Scheitern die Friedensbemühungen, will Wladimir Putin seine Ziele auf militärischem Wege erreichen. Dugin formuliert also das, was wohl viele im Kreml denken – und was Putin aus taktischen Gründen nicht offen ausspricht.

Der Autor ist Historiker und Experte für Osteuropa.

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