Micha Neumann

Die Synagoge muss erhalten bleiben!

Der Eigentümer handelt nicht nur gleichgültig gegenüber der Bedeutung des Gebäudes, sondern hat mit seinen vorherigen Provokationen bereits seine eigentliche Gesinnung gezeigt

von Micha Neumann  10.01.2023 08:57 Uhr

Micha Neumann Foto: pr

Der Eigentümer handelt nicht nur gleichgültig gegenüber der Bedeutung des Gebäudes, sondern hat mit seinen vorherigen Provokationen bereits seine eigentliche Gesinnung gezeigt

von Micha Neumann  10.01.2023 08:57 Uhr

In Detmold droht einer der ältesten Synagogen Norddeutschlands die Zerstörung. Der Eigentümer Hendrik Schnelle will auf dem Grundstück Parkplätze errichten und versucht, dies gerichtlich durchzusetzen. Vielfach wurde daher gefordert, dass er das Gebäude an die Stadt verkaufen solle, damit es wieder instand gesetzt werden und erhalten bleiben kann.

Doch Schnelle trägt nicht dazu bei, eine Lösung in der Sache zu finden. Im Gegenteil: Zunächst publizierte der in der rechtsextremen Szene einschlägig bekannte Jurist eine NS-relativierende Karikatur auf seiner Webseite. An Halloween versah er das denkmalgeschützte Gebäude mit Bildern von Gruselgestalten. Auf diese Weise entwertet er beständig die Geschichte und Bedeutung der ehemaligen Synagoge.

freilichtmuseum Der neueste abwegige Vorschlag des Rechtsanwalts: die Versetzung der Synagoge in ein Freilichtmuseum – für ihn »der einzig mögliche Kompromiss«. Doch diese Forderung ist weder realistisch noch zielführend. Denn um das Gebäude zu translozieren, müsste es komplett abgebaut und neu errichtet werden, was die Kosten einer Sanierung vor Ort wahrscheinlich deutlich übersteigen würde. Vor allem würde damit der Charakter der ehemaligen Synagoge verkannt.

Es geht eben nicht um die Architektur eines Gebäudes, die in einem Freilichtmuseum bewundert werden soll, sondern um das bestehende Zeugnis jüdischen Lebens mitten im Stadtkern von Detmold.

Es geht eben nicht um die Architektur eines Gebäudes, die in einem Freilichtmuseum bewundert werden soll, sondern um das bestehende Zeugnis jüdischen Lebens mitten im Stadtkern von Detmold. Durch eine Versetzung würde dessen Geschichte erneut aus dem Stadtbild getilgt.

Daher kann nur an der Forderung der Jüdischen Gemeinde Detmold und zivilgesellschaftlicher Organisationen festgehalten werden: Die ehemalige Synagoge muss an ihrem Ort erhalten bleiben, mit dem Ziel, dort ein Museum oder Begegnungszentrum einzurichten. Hendrik Schnelle hingegen handelt nicht nur gleichgültig gegenüber der Bedeutung des Gebäudes, sondern hat mit seinen vorherigen Provokationen bereits seine eigentliche Gesinnung gezeigt – das darf man ihm nicht durchgehen lassen.

Der Autor ist Teamleiter bei ADIRA, der Beratungsstelle der Jüdischen Gemeinde Dortmund bei Antisemitismus und Rassismus.

Reinhard Schramm

Bleiberecht für Jesiden

Wer wie die Bundesregierung zu Recht »Nie wieder!« sagt, der muss auch ein dauerhaftes Bleiberecht für das jesidische Volk durchsetzen

von Reinhard Schramm  03.02.2023

Juri Goldstein

Hans-Georg Maaßen: Der Gescheiterte

Noch immer giert der Politiker nach Rampenlicht und Aufmerksamkeit und nimmt dabei die Beschädigung der CDU bewusst in Kauf

von Juri Goldstein  02.02.2023

Einspruch

Gewaltspirale in Israel?

Julia Bernstein ärgert sich über die Berichterstattung deutscher Journalisten zu den Terroranschlägen in Jerusalem

von Julia Bernstein  02.02.2023

Ayala Goldmann

Kampfpanzer für die Ukraine

Gedenken ist kein Selbstzweck. Auf das »Nie wieder« müssen sehr bald konkrete Schritte mit Blick auf den Krieg in Europa folgen

von Ayala Goldmann  26.01.2023

Ernst Grube

Holocaust-Überlebende als Hologramm?

Von »digitalen Gespenstern« ist bisweilen die Rede. Wichtig ist doch vor allem, dass unsere Zeitzeugenberichte auch in der Zukunft weiterhin vermittelt werden können

von Ernst Grube  26.01.2023

Stefan Hensel

Dialog? Nur ohne Juden, bitte

Die Hochschule für bildende Künste Hamburg veranstaltet ein Symposium zur documenta 15, bei dem wichtige jüdische Vertreter fehlen

von Stefan Hensel  24.01.2023

Anna Staroselski

Perspektiven statt Ressentiments

Jugendliche, die in sozial geschwächten Milieus aufwachsen, brauchen die Chance auf echte Teilhabe und sozialen Aufstieg – empathieloser Paternalismus ist kontraproduktiv

von Anna Staroselski  19.01.2023

Toby Axelrod

USA: Konservativen Juden wird es zu viel

Zunehmend fühlen sich auch jüdische Republikaner gezwungen, gegen ihre eigene Partei Stellung zu beziehen

von Toby Axelrod  18.01.2023

Ayala Goldmann

Nach der documenta ist vor der documenta

Dass Claudia Roth »keine koordinierte Verantwortungslosigkeit« auf der documenta mehr möchte, ist zu begrüßen. Aber in Kassel war man offenbar schneller

von Ayala Goldmann  16.01.2023 Aktualisiert