Meinung

Die staatliche Förderung von »Islamic Relief« ist unentschuldbar

Es ist ein amtlicher Paukenschlag. Über Jahre hinweg förderte das Auswärtige Amt eine islamistische Hilfsorganisation mit mehreren Millionen Euro Steuergeld und unterlief dabei die Anforderungen des Zuwendungsrechts. Öffentlich wurde dieses Staatsversagen erst, nachdem ein Antrag auf Akteneinsicht in die Prüfungsergebnisse des Bundesrechnungshofs (BRH) stattgegeben wurde. Die Juristin Seyran Ateş brachte die öffentliche Aufklärung ins Rollen. 

Im Mittelpunkt der Causa steht die Nichtregierungsorganisation Islamic Relief Deutschland (IRD). Sie gehört zu einem internationalen Netzwerk unter dem Schirm des Islamic Relief Worldwide (IRW). Laut der Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) bestünden »deutliche personelle und ideologische Verflechtungen« der Nichtregierungsorganisation »zur Muslimbruderschaft«. 

Aus der Muslimbruderschaft heraus entstanden Terrororganisationen wie die palästinensische Hamas oder die ägyptische Al-Gama’a al-Islamiyya. Bis heute gilt die Bruderschaft als eine der einflussreichsten sunnitischen Bewegungen weltweit. In Deutschland wird sie vom Inlandsgeheimdienst kritisch beäugt. Dennoch erhielt die deutsche Filiale des Islamic Relief vom Auswärtigen Amt finanzielle Förderung für ihre Projekte. Keine Peanuts. Insgesamt geht es um rund 15 Millionen Euro. 

Doch bei Ignoranz allein sollte es nicht bleiben. Das Auswärtige Amt begann, die Wahrheit zu verdrehen.

Die finanziellen Zuwendungen an den IRD erregten sogar intern im Ministerium Widerspruch. Das zuständige Länderreferat Syrien monierte, dass »eine Förderung von IRD auch bei ordnungsgemäßer Verwendung für humanitäre Zwecke zu einer nicht-intendierten Förderung karitativer Strukturen der Muslimbrüder in Syrien führen könnte«. Die Warnung der Experten wurde jedoch in den Wind geschlagen, der Prüfungsbericht des Bundesrechnungshofs aus fadenscheinigen Gründen im Giftschrank verschlossen. 

Doch bei Ignoranz allein sollte es nicht bleiben. Das Auswärtige Amt begann, die Wahrheit zu verdrehen: Es behauptete, dass das Bundesministerium des Inneren (BMI) »der Förderung von IRD zugestimmt« hätte, wohl wissend, dass dies nicht der Wahrheit entsprach, während gleichzeitig Journalisten und Politiker von gut bezahlten Anwälten im Auftrag der islamistischen Nichtregierungsorganisation bedrängt und somit in ihrer Arbeit behindert wurden. Schadenersatzforderungen beliefen sich schnell auf stattliche Summen, da die Anwälte der »Hilfsorganisation« ausfallende Spendengelder potenziell vor Gericht geltend machen konnten. 

Lesen Sie auch

Der sich über Jahre hinziehende juristische Versuch, den Prüfungsbericht unter Verschluss zu halten, krönt die an den Tag gelegte Arroganz der Macht auf eine unappetitliche Art und Weise. Den mutigen Streiter vor Gericht, genauso wie diejenigen, die die juristische Auseinandersetzung überhaupt erst finanziell ermöglichten, gebührt große Anerkennung. Das Verhalten des Auswärtigen Amtes dagegen ist unentschuldbar. Nach der geschwärzten Veröffentlichung des Prüfungsberichts, der in vielen Punkten den Kritikern des IRD Recht gibt, bleibt das Amt merkwürdig still, statt ernsthafte Konsequenzen aus diesem Staatsversagen zu ziehen.

Der Autor ist Journalist in Berlin.

Kommentar

Juden haben Hausverbot

Ausgerechnet in einem Prozess gegen einen Antisemiten würde einer Jüdin der Zutritt verwehrt, weil sie einen Davidstern um den Hals trug. Keine der Erklärungen für diesen Skandal ist beruhigend

von Wolf J. Reuter  05.06.2026

Meinung

Sicherheitsrat? Wichtiger ist, dass Deutschland Weltmeister wird!

Deutschland scheitert in New York mit seiner Bewerbung für den UN-Sicherheitsrat - und die versammelte Schwarmintelligenz weiß auch warum. Spoiler-Alert: Es hat etwas mit Annalena Baerbock zu tun. Oder mit Israel

von Michael Thaidigsmann  04.06.2026

Meinung

Entlarvte Gesinnung

Ausgerechnet jener Schweizer Politiker, der sich im Parlament gegen das Hamas-Verbot stellte, lädt die französische Abgeordnete und Israelhasserin Rima Hassan nach Bern ein

von Nicole Dreyfus  04.06.2026

Meinung

Digitale Gewalt: Gutes Gesetz mit Hürden

Die Bundesregierung plant ein Gesetz gegen Hass und Hetze im Internet. Damit es wirken kann, sollte aber von Anfang an die Finanzierung von Anlaufstellen für Betroffene mitgedacht werden

von Pawel Erenburg  03.06.2026

Meinung

Libanon: Zwischen Anschein und Wirklichkeit

Wer den aktuellen Konflikt verstehen will, darf den Zedernstaat nicht nur als tragisches Opfer Israels lesen

von Jacques Abramowicz  03.06.2026

Erwiderung

An allem sind ... oder, Herr Ahmetović?

Der SPD-Außenpolitiker Adis Ahmetović macht keinen Hehl daraus, wen er zum Hauptverantwortlichen für nahezu sämtliche Probleme, Konflikte und Krisen in Nahost erklärt

von Sacha Stawski  02.06.2026

Meinung

Sauna der Toleranz - aber nur ohne Davidstern

Zwei Frauen werden in Barcelona wegen eines jüdischen Symbols verhört, als »Zionistinnen« aussortiert und schließlich hinausgeworfen – im Namen einer Offenheit, die sich selbst ad absurdum führt

von Sabine Brandes  02.06.2026

Kommentar

Tote Juden stören nicht

Unsere Erinnerungskultur liebt Stolpersteine, aber stolpert nicht über den Antisemitismus vor der eigenen Haustür. Wie der Kampf gegen Judenhass am Nekrosemitismus scheitert

von Nelly Eliasberg  31.05.2026

Meinung

Kein Boykott – nur Abscheu

Die irische Schriftstellerin Sally Rooney möchte ihren neuesten Roman doch auf Hebräisch übersetzen lassen. Zuvor sortiert sie aber Israelis aus - und das Mitgefühl gleich mit

von Sabine Brandes  29.05.2026