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Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Tobias Kühn Foto: Marco Limberg

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Das Wiener Lueger-Denkmal muss weg!

Die Performance des jüdischen Künstlers Alon Ishay hat eine neue Debatte über den Umgang der österreichischen Hauptstadt mit ihrer antisemitischen Geschichte angestoßen

von Tobias Kühn  08.07.2026 15:53 Uhr

Der jüdische Künstler Alon Ishay hat vergangene Woche das kürzlich restaurierte Denkmal für Karl Lueger (1844–1910) an der Wiener Ringstraße mit wasserlöslicher Sprühkreide und Stickern mit der Aufschrift »Schande« markiert. Die Performance im Rahmen einer Veranstaltung der Universität für angewandte Kunst löste einen Großeinsatz der Polizei aus. Außerdem kam es zu einem antisemitischen Angriff: Ein Passant schrie »Ihr Scheißjudenschweine« und »Der Führer war ein Idol«.

Ishay protestierte mit der Aktion gegen den Umgang Wiens mit dem einstigen Bürgermeister, der wegen seines rabiaten Antisemitismus von Hitler bewundert wurde und bis heute von Rechtsextremen verehrt wird.

Solange Karl Lueger an der Ringstraße steht, setzt Wien die Demütigung der Juden fort.

Die sozialdemokratische Stadtregierung hatte das Denkmal Anfang des Jahres reinigen und – als angebliches Zeichen der kritischen Auseinandersetzung – um 3,5 Grad neigen lassen. Nach den Vorfällen der vergangenen Woche sollte man im Rathaus einsehen, dass dies kein angemessener Umgang mit der dunklen Geschichte der Stadt ist. Dass die Polizei die Kunstaktion auflöste und den jüdischen Künstler aufforderte, das antisemitische Denkmal sauber zu schrubben, steht symbolisch für die Geschichtsvergessenheit der Stadt.

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Die Beamten schienen nicht zu wissen, dass sie mit ihrer Aufforderung eine unselige Tradition ihrer Großväter fortsetzten. Nachdem Hunderttausende im März 1938 den »Führer« in Wien stürmisch willkommen geheißen hatten, gehörten die sogenannten Reibpartien zu den ersten öffentlichen Demütigungen der jüdischen Bevölkerung in der Stadt: Männer der SA zwangen Juden unter dem Beifall zahlreicher Zuschauer, Gehsteige mit Bürsten zu schrubben.

Die Vorfälle der vergangenen Woche lassen nur einen Schluss zu: Das Denkmal muss weg, es gehört ins Stadtmuseum! Solange Karl Lueger an der Ringstraße steht, setzt Wien die Demütigung der Juden fort – und lügt sich selbst in die Tasche.

Der Autor ist stellvertretender Chefredakteur der Jüdischen Allgemeinen. kuehn@juedische-allgemeine.de

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