Meinung

Zwischen Sorge und Hoffnung

Das Schreiben an diesem Text muss ich immer wieder unterbrechen, um den Tränen freien Lauf zu lassen. Es sind Tränen der Freude. In der vergangenen Nacht hat Israel mit formvollendeter Präzision die iranische Bedrohung ausgeschaltet. Wen dieser historische Moment nicht zutiefst bewegt, durch dessen Adern muss wohl Eiswasser fließen.

200 Kampfjets der israelischen Armee (IDF) flogen diesen Einsatz, auch durch irakischen Luftraum und sehr wahrscheinlich mit Luftbetankung durch die USA. Mindestens 20 führende Köpfe der islamischen Diktatur sind endgültig tot. Das Regime in Teheran spricht auch von mehreren Dutzend zivilen Opfern. Es sieht jedoch alles danach aus, dass Israel Zivilisten fast vollständig geschont hat. Das Wissen einer High-Tech-Armee paarte sich hier mit dem unbedingten menschlichen Willen Israels, keinen Krieg gegen die iranische Zivilbevölkerung zu führen. Niemals werden wir das als Iraner unseren israelischen Freunden vergessen. Niemals.

Vor vielen Jahren gab es ein tägliches, einstündiges Radioprogramm des israelischen Außenministeriums, das in den Iran sendete – noch vor dem Internetzeitalter, über das klassische Radio. Meine Eltern, allen voran meine Mutter, hörten es im Iran heimlich. Ich hörte als Kind mit. Einmal meldete sich ein Anrufer mit einer Botschaft: Er bat Israel, sich daran zu erinnern, dass es in der Purim-Geschichte um zwei persische Juden geht, Königin Esther und Mordechai, die durch ihren Mut ihr Volk vor der tödlichen Absicht des Despoten Haman bewahren konnten. Er fuhr fort, dass es jetzt Zeit für den jüdisch-demokratischen Staat sei, das iranische Volk zu unterstützen und es auf seinem Weg in die Freiheit zu begleiten.

Die Iraner werden in jedem Fall ihren Weg in die Freiheit gehen und sich daran erinnern, dass Israel aktiv auf ihrer Seite steht.

Seit Jahren macht Israel und jede israelische Regierung genau das – israelische Politiker und die Zivilgesellschaft in Israel sprechen direkt mit den Iranern. Sie tun dies über die Köpfe dieser barbarischen Despotie hinweg, in der moralischen Klarheit, dass es einen Unterschied gibt zwischen einem pathologisch antisemitischen Regime und einer Zivilgesellschaft, die sich weigert, über israelische Flaggen zu trampeln. Ein aktuelles Graffiti in Teheran geht sogar noch weiter: »Hit them, Israel. Iranians are behind you.« Der Schriftzug steht stellvertretend für den Wunsch der iranischen Zivilgesellschaft, die Diktatur loszuwerden. Auch der Titel der Militäroperation ist mit »Rising Lion« ein konkreter Bezug zum persischen Löwen, der jahrzehntelang Teil der iranischen Flagge war, zusammen mit einer Sonne.

Es ist eine militärische Operation, die sich weiter fortsetzt. Nuklearanlagen, Militärbasen, Revolutionsgarden und Nuklearwissenschaftler waren die Ziele. Die Luftabwehr des iranischen Regimes existiert nicht mehr. Israel hat eine massive atomare Bedrohung seiner eigenen Sicherheit und der gesamten Welt neutralisiert. Führt es jetzt auch einen Regimewechsel herbei? Wahrscheinlich. Diese Diktatur ist innerhalb und außerhalb des Irans so geschwächt, dass die iranische Zivilbevölkerung diesen Kipppunkt für ihre Freiheit nutzen wird.

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Was braucht es jetzt in den nächsten Stunden und Tagen aus Brüssel, Berlin und anderen europäischen Hauptstädten? Volle Solidarität mit den freiheitsliebenden Iranern und einen Abbruch der diplomatischen Beziehungen.

Mit der politischen Isolation dieser Despotie kann Europa zeigen, dass es von Israel gelernt und weder die Iraner noch seine eigenen säkularen liberalen Werte verrät – nicht mehr jedenfalls. Wer dieses historische Zeitfenster nicht erkennt oder ergreift, dem ist nicht mehr zu helfen. Die Iraner werden in jedem Fall ihren Weg in die Freiheit gehen und sich daran erinnern, dass Israel aktiv auf ihrer Seite steht – für immer.

Die Autorin ist deutsch-iranische Theaterwissenschaftlerin.

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