Der Kommandeur der israelischen Luftwaffe, Generalmajor Omer Tischler, hat bestätigt, dass Israel während der jüngsten Auseinandersetzung mit Iran einen weitreichenden Angriff vorbereitet hatte, der jedoch in letzter Minute abgesagt wurde. In einem Schreiben an Angehörige der Luftwaffe erklärte er, die Einsatzkräfte seien bereits vollständig für die Mission vorbereitet gewesen, wie »Times of Israel« berichtete.
Nach seinen Angaben stand die gesamte Luftwaffe am Nachmittag des 8. Juni bereit, um zu einer groß angelegten Operation gegen Ziele im Iran aufzubrechen. Geplant seien Angriffe auf »Hunderte Ziele im Herzen Irans« gewesen. Letztlich sei der Einsatz jedoch nicht durchgeführt worden. »Der Angriff wurde gestoppt, während wir in den Staffeln die Einsatzbesprechungen durchführten – nur eine Stunde vor dem Abflug«, schrieb Tischler.
Zuvor hatte Israel bereits mehrere Angriffe auf iranisches Territorium geflogen. Diese erfolgten als Reaktion auf iranischen Raketenbeschuss. Tischler erklärte, die Luftwaffe habe neben ihren Abwehraufgaben auch offensive Operationen in großer Entfernung durchgeführt. »Parallel zum Verteidigungskampf führte die Luftwaffe einen Angriffseinsatz 1500 Kilometer von der Heimat entfernt durch. Innerhalb weniger Stunden wurden Dutzende Ziele im Iran angegriffen, das iranische Luftverteidigungssystem erheblich beschädigt und weitere Bestandteile des Regimes getroffen.«
Zwei Wellen
Der Konflikt war in der vergangenen Woche erneut eskaliert, nachdem die vom Iran unterstützte libanesische Terrororganisation Hisbollah Raketen auf Nordisrael abgefeuert hatte. Israel reagierte mit Angriffen auf Hisbollah-Ziele in Beirut. Daraufhin feuerte Iran nach israelischen Angaben 24 ballistische Raketen auf Israel. Auch die Huthi im Jemen beteiligte sich an den Raketenangriffen.
Als Antwort griff Israel in zwei Wellen Ziele im Iran an. Nach Militärangaben wurden dabei zunächst neun Luftverteidigungssysteme im Westen und Zentrum des Landes getroffen. Später folgten Angriffe auf Anlagen eines petrochemischen Komplexes im Südwesten Irans. Israel erklärte, dort sei Infrastruktur zerstört worden, die zur Herstellung von Rohstoffen für Raketen genutzt werde.
Medienberichten zufolge wurde die geplante Großoperation nach einem Eingreifen von US-Präsident Donald Trump abgesagt. Demnach soll Trump Ministerpräsident Benjamin Netanjahu aufgefordert haben, eine weitere Eskalation zu vermeiden. Berichten zufolge hatte Netanjahu den Einsatz bereits genehmigt, zog die Zustimmung nach einem Telefonat mit dem US-Präsidenten jedoch zurück.
Verständigung auf Abkommen
Trump und Netanjahu standen während der Kampfhandlungen mehrfach miteinander in Kontakt. Während Washington auf eine Beendigung der Auseinandersetzung drängte, sprach sich die israelische Regierung für weitere militärische Schritte gegen Iran aus.
Am Sonntag verständigten sich die USA und Iran schließlich auf ein Abkommen zur Beendigung des Krieges. Nach den Berichten umfasst die Vereinbarung auch Bemühungen um ein Ende der Kampfhandlungen im Libanon. Die Gefechte zwischen Israel und der Hisbollah gingen zwar deutlich zurück, kamen jedoch zunächst nicht vollständig zum Erliegen. im