Jerusalem

Ehemalige Geisel berichtet von sexuellem Missbrauch durch Hamas-Terroristen

Guy Gilboa-Dalal am 13. Oktober 2025, unmittelbar nach seiner Freilassung aus der Geiselhaft in Gaza Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Der frühere Hamas-Geisel Guy Gilboa-Dalal hat erstmals ausführlich über sexuellen Missbrauch während seiner Gefangenschaft im Gazastreifen gesprochen. In einem Gespräch mit Israels First Lady Michal Herzog schilderte der junge Israeli mehrere Übergriffe, denen er nach eigenen Angaben durch einen seiner Bewacher ausgesetzt war.

Das Interview wurde einen Tag vor dem Internationalen Tag zur Beseitigung sexueller Gewalt in Konflikten veröffentlicht. Herzog erklärte dabei, sie sei besonders empört darüber, dass die Vereinten Nationen Berichte ehemaliger israelischer Geiseln über sexuelle Übergriffe zwar erwähnt, deren Aussagen aber nach eigenen Angaben nicht hätten verifizieren können. »Deshalb sind wir heute hier«, sagte Herzog zu Gilboa-Dalal. »Damit du erzählen kannst, was du erlebt hast.«

Gilboa-Dalal schilderte unter anderem einen Vorfall, bei dem ein Hamas-Terrorist ihm die Augen verbunden und ihn gezwungen habe, sich auszuziehen: »Er begann, meinen ganzen Körper zu berühren. Ich erstarrte. Ich konnte nichts tun. Er hielt mir ein Messer an den Hals und sagte: ›Erzähl niemandem davon‹«, berichtete Gilboa-Dalal.

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Das gesamte Gespräch zwischen Guy Gilboa-Dalal und Michal Herzog
Besonders belastender Übergriff

Nach seinen Angaben blieb es nicht bei diesem Übergriff. Bei einer anderen Gelegenheit sei derselbe Terrorist in den Raum gekommen, in dem er und andere Geiseln festgehalten wurden. »Er sagte mir, ich solle mich zur Wand drehen. Er verband mir die Augen und sagte: ›Bleib jetzt so stehen und beweg dich nicht‹«, erinnerte sich Gilboa-Dalal.

Anschließend seien er und die ebenfalls entführte Geisel Omer Wenkert von den Terroristen geschlagen worden. »Sie warfen uns zu Boden und begannen, uns zu schlagen, zu boxen und zu treten«, sagte er. »Wir weinten und flehten ihn an aufzuhören.«

Besonders belastend sei ein weiterer Übergriff gewesen, den er detailliert schilderte. Nachdem die Misshandlungen beendet gewesen seien, habe ihn der Terrorist in einen Duschraum gebracht.

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»Ich war so schwach«

»Er packte mich an der Hand, warf mich auf das Sofa, stellte sich hinter mich und begann, seine Genitalien an mir zu reiben«, berichtete Gilboa-Dalal. »In solchen Momenten schaltete mein Verstand einfach ab. Jede Sekunde fühlte sich wie eine Ewigkeit an. Ich wusste nicht, was ich tun sollte. Ich wollte nur, dass es vorbei ist. Ich konnte nichts tun, selbst wenn ich es gewollt hätte. Ich war so schwach.«

Gilboa-Dalal gehört zu den wenigen männlichen ehemaligen Geiseln, die öffentlich von sexuellen Übergriffen während ihrer Gefangenschaft berichtet haben. Zu den weiteren Betroffenen, die ähnliche Vorwürfe erhoben haben, zählen Rom Braslavski und Keith Siegel.

Auf die Frage, warum er sich entschieden habe, über die Erlebnisse zu sprechen, sagte Gilboa-Dalal, er empfinde dies als seine Aufgabe. »Ich weiß, dass viele Menschen, die sexuelle Gewalt erleben, mit niemandem darüber sprechen. Ich möchte, dass sie wissen, dass sie nicht allein sind. Es ist niemals die Schuld des Opfers.«

»Völlig hilflos«

Zugleich wolle er seine Stimme nutzen, »um die Wahrheit darüber zu verbreiten, was in Gaza geschehen ist«.

Herzog würdigte den Mut des ehemaligen Geisels. »Das sind schwierige und erschütternde Erfahrungen für einen jungen Menschen, besonders an einem Ort und in einer Situation, in der man sich völlig hilflos fühlt«, sagte sie. »Es erfordert enormen Mut, darüber zu sprechen. Ich glaube, es ist unsere Pflicht, diese schmerzhafte und schockierende Wahrheit der Welt vor Augen zu führen. Ich danke dir für deine Bereitschaft und deinen Mut, dies zu tun.« im

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