BDS

Boykottversuch gegen israelische Stadtbahn gescheitert

Ein guter Zug - wie er durch Israels Metropolen rauscht. Foto: Sabine Brandes

Wenn sie strahlend weiß und fast lautlos durch die Straßen gleitet, steigen die Israelis gerne ein. Die Stadtbahn, der sogenannte Light Rail, die unter- sowie oberirdisch durch Tel Aviv und Jerusalem fährt, ist eine große Erleichterung für die Städter, denn während sie sonst oft im Stau brüten, rauscht dieser Zug ganz ungestört von A nach B. Gebaut werden die stromlinienförmigen Waggons von der spanischen Firma CAF. Die erhielt jetzt die Aufforderung einer Gewerkschaft, die Arbeiten an dem Stadtbahnsystem einzustellen.

Einige Tage zuvor waren antiisraelische Aktivisten in ein Depot des Transportunternehmens CAF (Construcciones y Auxiliar de Ferrocarriles, S.A.) in Bissin in der Nähe der nordspanischen Stadt Bilbao eingebrochen und hatten mehrere Stadtbahnwagen beschädigt. Die Waggons waren für das Stadtbahnnetz von Tel Aviv bestimmt. Sie zerschlugen Scheiben und besprühten die Wagen mit Hass-Graffiti in roter Farbe.

Vermummte Männer beschädigten die Waggons

Ein Video, das anschließend in den sozialen Medien kursierte, zeigt eine Gruppe vermummter Männer beim Vandalieren. Einer der Aktivisten sprühte »Israel suntsitu« (baskisch für »Zerstört Israel«) an die Außenwand einer der Wagen. Hinterher warfen die Täter dem Unternehmen vor, »mit Israel zusammenzuarbeiten« und »Komplizen bei Kriegsverbrechen« zu sein. Ob jemand für die Aktion festgenommen wurde, ist nicht bekannt.

Dieser Vorfall war der Beginn einer Reihe von Protesten, die von der BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen) organisiert werden, um Druck auf die Leitung von CAF auszuüben.

Und nun forderte auch eine große spanische Gewerkschaft die Firma auf, die Arbeiten an den Stadtbahnsystemen in Jerusalem und Tel Aviv gänzlich einzustellen. »CAF muss von der Teilnahme an allen zukünftigen Ausschreibungen mit Bezug zu Israel ausgeschlossen werden«, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft LAB, die den Großteil der CAF-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vertritt.

Light-Rail-Verantwortliche NTA: »Es sei darauf hingewiesen, dass der Vorfall keine Auswirkungen auf den Baufortschritt der violetten Linie hat.«

»Wir lehnen die Beteiligung von CAF an Projekten, die die Rechte des palästinensischen Volkes verletzen, wie beispielsweise die Jerusalemer Stadtbahn, kategorisch ab«, fügte der Sprecher noch hinzu.

Das Unternehmen weigert sich kategorisch, seine Projekte in Israel trotz des seit dem Jahr 2020 aufgebauten Drucks einzustellen - sehr zur Freude der Israelis, die den Zug liebevoll »unsere U-Bahn« nennen.

Doch die Standhaftigkeit des Managements hat die Spannungen zwischen ihm und der Gewerkschaft zusehends verschärft. Erst im vergangenen Monat hatten CAF und LAB eine Einigung, die Teilstreiks in einem CAF-Werk beendet hätten, erreicht, berichteten spanische Medien. Im April erstatteten Staatsanwälte sogar Anzeige gegen CAF im Zusammenhang mit dessen Projekten in Israel.

Das israelische Unternehmen, das für den Bau des Tel Aviv Light Rails zuständig ist, Metropolitan Mass Transit System (NTA), bestätigte derweil, dass die CAF sie über den Vandalismus informiert habe. Die beschädigten Wagen seien repariert und gesäubert worden. Die Stadtbahnwagen sind für die violette Linie der Metropole am Mittelmeer vorgesehen.

Die ersten Wagen sind bereits in Israel angekommen

»Es sei darauf hingewiesen, dass der Vorfall keine Auswirkungen auf den Baufortschritt der violetten Linie hat«, erklärte NTA gegenüber der Nachrichtenseite Ynet in einer offiziellen Stellungnahme. Kurz darauf hieß es, die ersten Wagen dieser Linie seien von CAF geliefert worden und bereits in Israel angekommen.

Die violette Strecke, die Ramat Gan, Givataim und das Zentrum von Tel Aviv verbinden wird, sollte ursprünglich im Februar 2027 eröffnet werden. Doch NTA und das Verkehrsministerium gaben im vergangenen Jahr bekannt, dass der Termin auf den Sommer 2028 verschoben wurde. Bislang ist die rote Linie fertiggestellt. An der grünen, die zwischen Rischon Le’zion bis nach Herzlija verlaufen soll, wird momentan ebenfalls gebaut.

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