Interview

»Der Angriff zeigt, wie blank die iranische Luftverteidigung ist«

»Der Iran wird wohl auch noch mit ballistischen Raketen angreifen«: Carlo Masala, Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr Foto: picture alliance / SVEN SIMON

Herr Masala, hat Sie Israels Angriff auf Irans Atomanlagen überrascht?
Überhaupt nicht, das war seit Tagen abzusehen. Es handelt sich aber nicht, wie die Israelis sagen, um einen Präemptivschlag, da nicht nur die Atomanlagen das Ziel waren. Es bestand keine akute Bedrohung. Keiner sagte - selbst die israelischen Nachrichtendienste nicht -, dass die Iraner den Atomsprengkopf haben, und wenn, hätten sie noch keine Trägerraketen. Es handelt sich um einen Präventivschlag, der umfangreicher ist und sich auch gegen die Armeeführung und die der Revolutionsgarden richtete. Und die »Enthauptung« war erfolgreich. Unter anderem der Führer der Revolutionsgarden, Hossein Salami, und der Generalstabschef Mohammad Bagheri wurden ausgeschaltet.

Der Iran hat mit mehr als 100 Drohnen geantwortet ...
... und das macht zwei Dinge deutlich: wie blank die iranische Luftverteidigung ist. 100 israelische Jets fliegen im iranischen Luftraum herum, ohne dass sie angegriffen werden. Und zweitens: Dass sie Drohnen schicken, zeigt, wie unvorbereitet der Iran war. Die Drohnen brauchen Stunden, um in Israel anzukommen, sodass genug Zeit ist, sie vorher herunterzuholen.

Was ist Ihr Szenario für die kommenden Tage?
Israels Premier Benjamin Netanjahu hat gesagt, dass es sich um eine mehrtägige Kampagne handelt. Es hängt nun stark davon ab, wie viele Präzisionsraketen die Hisbollah im Libanon noch hat, und ob der Iran seine allesamt geschwächten Verbündeten in der Region noch aktivieren kann. Und ob diese so irre sind, sich mobilisieren zu lassen. Die libanesische Armee würde in so einem Fall wohl heftig gegen die Hisbollah vorgehen.

Wie schätzen Sie die Reaktion des Iran ein?
Es wird wohl einen Angriff mit ballistischen Raketen aus dem Iran geben, allerdings dauert der noch etwas. Das iranische Arsenal reicht nicht aus, um Israel massiv zu schaden und Tausenden Zivilisten das Leben zu kosten. Alle haben Bunker. Der Gegenschlag wird sich eher gegen militärische und nachrichtendienstliche Anlagen richten. Letztlich kommt es darauf an, wie viele ballistische Raketen der Iran hat, denn sind es sehr viele, würden sie das israelische Abwehrsystem David’s Sling übersättigen. Es bleibt abzuwarten, was Israel als Nächstes macht. Ob nach dem Angriff auf die militärischen Machtinstrumente auch die politische und religiöse Führung angegriffen wird. Dann wäre die Reaktion eine völlig andere, denn dann ginge es für das iranische Regime ums Überleben.

Was erwarten Sie von den USA?
Die USA waren angeblich nicht informiert, stehen aber an Israels Seite. Bei einem Gegenschlag werden sie also unterstützen.

Mit dem Professor für Internationale Politik an der Universität der Bundeswehr München sprach Sophie Albers Ben Chamo.

Israel

Heimkehr nach Nir Oz

Zwischen ausgebrannten Häusern und neuen Plänen versucht ein kleiner Kibbuz nach dem Massaker der Hamas wieder in den Alltag zu finden. Ein Ortsbesuch

von Nils Kottmann  01.05.2026

Archäologie

Rätsel um antikes Baby-Massengrab

Wissenschaftler der Universität Tel Aviv haben Knochenreste aus der Perserzeit gefunden, die in Tel Aseka bestattet wurden. Etwa 70 Prozent stammen von Kindern unter zwei Jahren

von Sabine Brandes  01.05.2026

Mittelmeer

Gaza-Flottille legt ungeplant auf Kreta an

Außenministerium in Jerusalem: Terrorverdacht gegen einen der Teilnehmer – zwei Aktivisten werden nach Israel gebracht

 01.05.2026

Glosse

Wie wird man ein anständiger Antisemit? Tipps und Tricks für Judenhasser

Eine Handreichung

von Daniel Neumann  01.05.2026

Mittelmeer

Israel stoppt Gaza-Flottille auf hoher See

Die 175 Aktivisten an Bord der »Gaza Sumad Flotilla« wurden festgenommen und werden nun nach Israel gebracht

 30.04.2026

Jerusalem

Israel fordert von Großbritannien mehr Einsatz gegen Antisemitismus

Nach einem weiteren Terrorangriff auf Juden wirft Jerusalem London vor, die Lage nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Präsident Herzog: »Es ist an der Zeit, dass die Welt aufwacht.«

 30.04.2026

Washington D.C.

US-Regierung wirft PA fortgesetzte Zahlungen von Terror-Renten vor

Im vergangenen Jahr hat die Autonomiebehörde nach amerikanischen Angaben 156 Millionen Dollar (134 Millionen Euro) an Terroristen ausgezahlt

 30.04.2026

Sabine Brandes

Unsicherheitsminister Itamar Ben-Gvir

Dass ein solcher Extremist die innere Sicherheit Israels verantwortet, ist ein Offenbarungseid

 30.04.2026

Gaza

Die Hamas rüstet wieder auf

Die Terrororganisation festigt ihre Macht und nutzt die Ablenkung durch den Iran-Krieg, um sich auch militärisch neu aufzustellen

von Sabine Brandes  30.04.2026