Kommentar

Der Öl-Preis muss fallen, damit die Mullahs stürzen

In der populären Fernsehserie »Tehran« endet der israelische Angriff auf die iranischen Atomanlagen mit einem Desaster. Eine Agentin des Mossad wechselt die Seiten und hilft dem iranischen Regime, weil sie sich in den Chef der Revolutionsgarden verliebt. Eine bildschöne und kluge Frau fällt auf einen sehr kleinen und hässlichen Mann rein.

In den Drehbüchern von »Tehran« zeigt sich, dass der dramaturgischen Fantasie keine Grenzen gesetzt sind und dass Liebe rational nicht erklärbar ist. In der Serie trifft die israelischen Funktionäre dieser tödliche Verrat wie ein Gefühl der Lähmung. In der Realität unserer Welt seit Donnerstagnacht ist es genau umgekehrt.

Das Regime ist paralysiert

Der israelische Geheimdienst ist so tief in dieses Regime vorgedrungen, wie es sich die besten Drehbuchautoren nicht hätten ausdenken können. Was wir seit einigen Tagen beobachten können, ist die Schockstarre der Islamisten. Die Formulierung, dass der Iran jetzt eine Spielwiese ohne Grenzen für den israelischen Geheimdienst geworden ist, trifft exakt zu.

Bei der Informationsbeschaffung in den vergangenen zwei Jahrzehnten musste Israel eigene verlässliche Netzwerke und Quellen aufbauen - zu konträr sind die Interessen der verschiedenen Akteure, selbst zwischen Amerika und Israel gibt es erhebliche Unterschiede. Dass das über einen langen Zeitraum möglich war und im entscheidenden Moment zum Erfolg führte, hat auch sehr viel damit zu tun, dass das Regime auch in seinen eigenen Reihen unbeliebt ist.

Die Revolutionsgarden werden wohl leider niemals sichtbar die Seiten wechseln, aber für verdeckte Kooperationen gab und gibt es eine Bereitschaft. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass durch diese Zusammenarbeit mit Israel, Teile einer gewalttätigen Terrororganisation, die eine iranische Identität ablehnt und die islamische Revolution brutal verteidigt, gerade dabei hilft, den Nationalstaat Iran in seinen seit Tausenden von Jahren herrschenden Grenzen zu erhalten, seinen Menschen zurückzugeben und das gefährlichste Atomwaffenprogramm dieser Welt zu beenden.

Das Regime ist seit Freitagmorgen paralysiert. Es wurde schwer getroffen und nun kommt noch hinzu, dass die Mullahs sich untereinander keinen einzigen Millimeter weit trauen können. Entscheidende Teile der Kommandostrukturen der Revolutionsgarden existieren nicht mehr und ihre Logistik auch nicht. Auch das Justizministerium mitten in Teheran, Zentrale der Bürokratie für grausame Menschenrechtsverletzungen, wurde dem Erdboden gleichgemacht.

Israel hat auch die Öl - und Gasförderung der Diktatur ins Visier genommen und zielt damit auch auf die Einnahmequellen der Funktionäre, die noch übrig sind. Israels ursprüngliche Strategie mag nicht der Regimewechsel gewesen sein. Diese Entwicklung dürfte eher als ein so möglicher wie genialer Nebeneffekt in Betracht gezogen worden sein.

Iraner wollen Freundschaft mit Israel

Nun ist der Regimewechsel sicher Teil der Gesamtstrategie. Dafür gibt es historische und sicherheitspolitische Gründe. Es gibt zwischen den Persern und Juden eine Freundschaft seit 2500 Jahren, dieses Band wurde nie zertrennt und ein antisemitische und antiiranische Diktatur, die seit 46 Jahren herrscht, stellt in dieser Beziehung eine Anomalie dar. Iraner und Israelis wünschen sich eine Fortsetzung und eine Neuauflage dieser Freundschaft und das ist nur durch die Beendigung der Herrschaft der Islamisten möglich.

Sicherheitspolitisch bedeutet ein Ende der iranischen Atombombe - sowohl in infrastruktureller als auch in politischer Hinsicht, dass eine potenzielle nukleare Aufrüstung der arabischen Staaten im Persischen Golf und durch die Türkei für die nächsten 50 Jahre abmoderiert wäre. Weder die Emirate noch Saudi-Arabien oder die Türkei fühlten sich durch mögliche israelische Atomwaffen bedroht - im Gegenteil. Doch das Atomwaffenprogramm des schiitischen Extremismus stellt für die sunnitischen Staaten und auch Bahrain, als schiitischer Staat, der einst zum Iran gehörte, ernsthafte Gefahren dar.

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OPEC kann entscheidenden Beitrag leisten

Was muss jetzt sicherheitspolitisch passieren? Wenn man bedenkt, dass sowohl die iranische als auch die israelische Zivilbevölkerung geschützt werden müssen und diesem Regime das Licht ausgehen muss, gibt es einen entscheidenden Beitrag, den die OPEC-Mitgliedstaaten wie beispielsweise Saudi-Arabien leisten können und müssen: Die Ölproduktion muss so stark angekurbelt werden, dass der Preis pro Barrel Rohöl auf unter 10 US-Dollar fällt. Davon gehen die Saudis nicht pleite, aber der Revolutionsführer Chamenei sehr wohl. Putin übrigens auch.

Hinzu kommt noch, dass der Raketenbestand des Regimes endlich ist. Die Raketen sind jetzt sehr gefährlich für Israel und seine Menschen, aber sobald der Bestand verbraucht ist, stehen Chamenei und seine Familie blank da. Das ist ein Fakt, der unausweichlich und nicht mehr veränderbar ist.

Die Autorin ist deutsch-iranische Theaterwissenschaftlerin.

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