Meinung

Roger Waters und der Antisemitismus in der Festhalle

Benjamin Graumann, Vorstandmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt

Ende Mai dieses Jahres soll Roger Waters in Frankfurt auftreten. Das ist schon schlimm genug, denn es ist kein Geheimnis, dass Waters seine Konzerte für antisemitische Propaganda missbraucht. Auch außerhalb der Bühne gehört Waters zu den aggressivsten und fanatischsten BDS-Unterstützern und setzt alle Künstler vehement unter Druck, nicht in Israel aufzutreten.

Da Roger Waters seine Konzerte in der Vergangenheit dazu genutzt hat, ein mit einem Davidstern markiertes Schwein über der Bühne schweben und anschließend abschießen zu lassen, sollten sich auch alle Besucher der geplanten Konzerte in Hamburg, Köln, München und Frankfurt ernsthaft fragen, wie dies mit ihren freiheitlichen Werten in Einklang zu bringen ist.

In Frankfurt gibt es jedoch noch eine Besonderheit, beziehungsweise eine besondere Geschmacklosigkeit. Das Konzert soll nämlich ausgerechnet in der Festhalle stattfinden. Zur Erinnerung: In der Pogromnacht am 9. November 1938 wurden mehr als 1000 jüdische Männer aus ihren Wohnungen gezerrt, von ihren Familien getrennt und in die Festhalle getrieben. Dort wurden sie sadistisch gedemütigt, geschlagen und anschließend deportiert, die meisten von ihnen nach Buchenwald.

Es ist unerträglich und inakzeptabel, dass genau an diesem Ort nunmehr 85 Jahre später einem Antisemiten wie Waters die ganz große Bühne zur Verfügung gestellt wird.

Es kommt sogar noch schlimmer: Eigentümer der Festhalle ist die Messe GmbH, Gesellschafter sind zu 60 Prozent die Stadt Frankfurt und zu 40 Prozent das Land Hessen. Es ist bereits skandalös, dass unter diesen Voraussetzungen überhaupt ein Vertrag mit Roger Waters zustande gekommen ist.

Noch ist es aber nicht zu spät. Stadt und Land haben noch die Möglichkeit, das Konzert zu verhindern und sich aus der Vereinbarung mit Waters zu lösen. Es ist möglich, dass nach einer solchen Kündigung Schadensersatzforderungen des Konzertveranstalters geltend gemacht werden. Das darf aber niemals ein Grund dafür sein, die falsche politische Entscheidung zu treffen.

Wenn sich die Stadt Frankfurt und das Land Hessen aus Angst vor einer zu zahlenden Strafe lieber dafür entscheiden, Roger Waters auftreten zu lassen, wäre das eine moralische Bankrotterklärung der Politik, denn Antisemitismus hat kein Preisschild.

Wenn es die Politik wirklich ernst meint mit ihren Ankündigungen, entschlossen gegen Antisemitismus zu kämpfen, ist jetzt die Zeit gekommen, Verantwortung zu übernehmen und zu handeln. Ansonsten verspielen die zuständigen Politiker ihre Glaubwürdigkeit und nach der Schande der documenta droht im Mai der Skandal in der Festhalle.

Wenn aus den gravierenden Fehlern der documenta die richtigen Lehren gezogen worden sind, darf dieses Konzert unter keinen Umständen in der Festhalle stattfinden.

Der Autor ist Vorstandmitglied der Jüdischen Gemeinde Frankfurt.

Meinung

Ist der neue jüdische Außenminister nur ein Feigenblatt?

Großbritanniens neuer Premier Andy Burnham hat Ed Miliband zum Außenminister ernannt. Dass nun ein jüdischer Politiker für die Nahostpolitik zuständig ist, könnte auch ein Feigenblatt sein

von Michael Thaidigsmann  21.07.2026

Kommentar

Absage an Danger Dan und Igor Levit: Das ZDF hat absolut richtig gehandelt

Nicht alles, was nicht justiziabel ist, muss auch gesendet werden. Schon gar nicht unverhohlene Aufrufe zur linksextremen Gewalt und Verherrlichung der »Hammerbande«-Terroristen

von Philipp Peyman Engel  18.07.2026 Aktualisiert

Kommentar

Warum ich mit der SPD fertig bin

Eine späte Einsicht ist besser als gar keine, oder?

von Imanuel Marcus  18.07.2026

WM-Nachlese mit Marcel Reif

»Man muss Infantino zum Teufel jagen und die FIFA auflösen«

Der Moderator und Fußballexperte spricht im Interview über seine persönlichen Highlights und Enttäuschungen der WM, über surreale Argentinier und die Sinnhaftigkeit der Trinkpausen

von Michael Thaidigsmann  17.07.2026

Essay

Der Flüchtlingsstatus der Palästinenser muss endlich enden

Wer über Asyl spricht, muss auch über die Bedingungen sprechen, unter denen Schutz wieder entfallen sollte

von Steven Guttmann  16.07.2026

Meinung

So markiert man Feinde

Die sogenannte Studie der Rosa-Luxemburg-Stiftung zur UNRWA enthält entlarvende Widersprüche. Sie konstruiert eine angebliche Kampagne gegen das Palästinenserhilfswerk und stellt dessen Kritiker in die rechte Ecke

von Rebecca Schönenbach  16.07.2026

Meinung

Die Fußball-WM war ein voller Erfolg

Schon jetzt steht fest, dass die Weltmeisterschaft 2026 unvergesslich bleiben wird. Zumindest, wenn man die Kriterien des Fußballphilosophen Nick Hornby zugrunde legt

von Elke Wittich  15.07.2026

Kommentar

Sichere Hochschule auch für Jüdinnen und Juden!

Sicherheit ist zentral, aber auch Respekt vor Arbeitsruhegeboten. Wer Prüfungen auf hohe jüdische Feiertage legt, verlangt von Juden, für ihre Religionsausübung Nachteile beim Studienfortschritt in Kauf zu nehmen

von Volker Beck  15.07.2026

Analyse

Das iranische Regime hat sich verkalkuliert

In Teheran glaubte man, dass US-Präsident Trump den Konflikt bis zu den Midterm-Wahlen nicht mehr eskalieren lassen würde. Doch in der amerikanischen Außenpolitik hat offenbar ein Lernprozess eingesetzt

von Michael Spaney  15.07.2026 Aktualisiert