Es ist Donnerstagabend, vor dem Colosseum-Filmtheater in Prenzlauer Berg schwingt sich eine ältere Frau mit Absatzschuhen von ihrem viel zu groß wirkenden Motorrad. Ein bemerkenswerter Auftritt, bevor sie eilig im Kino verschwindet. Dort findet an diesem regnerischen Abend die Eröffnungsgala des israelischen Filmfestivals »Seret« statt. Das Festival, das auch in anderen europäischen Metropolen wie London oder Amsterdam stattfindet, gastiert in diesem Jahr bereits zum elften Mal in Berlin.
Neben Weißwein und gesalzenen Erdnüssen steht die israelische Komödie Bella auf dem Programm. Die israelisch-belgische Co-Produktion von Jamal Khalaily und Zohar Shachar handelt von Yaki und seiner Frau Limor, die zur Beerdigung von Yakis Vater nach Israel gekommen sind. Neben einem in die Jahre gekommenen Minibus befindet sich unter den Erbstücken auch die äußerst seltene Lockentaube Bella. Zu spät erkennt Yaki den Wert des Vogels: Gedankenverloren hat er ihn bereits seinem Kindheitsfreund und Fahrer seines Vaters Bilal übergeben. Auf der Suche nach Bella entspinnt sich ein skurriler Road-Trip, der die Protagonisten zu Bilals Familie ins Westjordanland führt.
Auf den ersten Blick leichte Unterhaltung, erzählt der Film jedoch ebenso von der Notwendigkeit, auch in Zeiten verhärteter Fronten gemeinsam mit seinen Nachbarn Lösungen finden zu müssen – zu eng sind die Schicksale jüdischer und arabischer Familien miteinander verflochten. Im Verzicht auf Versöhnungsromantik und Sentimentalität gelingt Khalaily und Shachar ein ebenso lustiger wie ernster Film.
»Wir arbeiten jedes Jahr sehr hart daran, das Festival möglich zu machen. Wir machen das, weil wir wirklich daran glauben, dass Kultur Brücken bauen kann«, sagt Odelia Haroush, Co-Gründerin und CEO des Festivals, nach dem Ende der Vorstellung. Es sei traurig, dass seit dem 7. Oktober 2023 die Besucherzahlen immer weiter zurückgehen. »Natürlich möchten wir, dass Israelis und Menschen aus den jüdischen Gemeinden zu unserem Festival kommen. Aber für uns geht es darum, das israelische Kino der ganzen Welt zu zeigen. Das wird von Jahr zu Jahr schwieriger, auch weil viele Kinos nicht mehr mit uns zusammenarbeiten wollen.«
Auch die Finanzierung sei von Jahr zu Jahr schwieriger zu stemmen. »Die Situation ist nicht einfach, aber ich sage immer: Zur Not machen wir es in einem Badezimmer. Es ist zu wichtig, um aufzugeben.«