Herr Donskoy, in »Rebel Rebel« spielen Sie auf der Ruhrtriennale in Bochum den Anführer einer Gang. Was hat es mit dieser Rolle auf sich?
»Rebel Rebel« will fragen, wie man sich einem unfreien System widersetzen kann. Die Handlung spielt in einer dystopischen Welt, in der fast alles, was wir kennen, verboten ist. Ich selbst bin der Anführer einer Gang, die voll auf Gewalt setzt, um sich dagegen aufzulehnen. Die anderen Protagonisten, einfach nur »Boy« und »Girl« genannt, haben sich für einen anderen Weg entschieden, und zwar den der Empathie und der Liebe. Das führt zu Konflikten.
Sind Sie im realen Leben gern selbst jemand, der sich auflehnt?
Als Mensch bin ich gewiss jemand, der gern den Status quo infrage stellt. Doch Gewalt ist dabei keine Option. Vielmehr nutze ich die Mittel, die mir zur Verfügung stehen, also meine Kunst. So versuche ich, Menschen zum Nachdenken zu motivieren.
Im Mittelpunkt des Stücks steht das Thema Gewalt. Wie wird diese verhandelt?
Es geht dabei ziemlich brutal zur Sache. Als Gangleader schlage ich »Boy« mehrmals zusammen. An Kunstblut wird nicht gespart. Aber »Rebel Rebel« ist keine Splattershow. Wir wollen zeigen, was passiert, wenn alle Normen über Bord geworfen werden, wenn ein System gekippt ist.
»Rebel Rebel« lautet auch der Titel eines Songs von David Bowie aus dem Jahr 1974. Wie passt dieser in unsere Zeit?
Der Song ist heute vielleicht sogar relevanter als damals. Gewiss, 1974 herrschte der Kalte Krieg, doch rückblickend erscheint manches stabiler. Jetzt leben wir in unsichereren Zeiten, die AfD, Islamismus und Judenhass bedrohen unsere Freiheiten. Der 7. Oktober 2023 hat vieles verschlimmert, ebenso der Krieg in der Ukraine. Da verfällt man leicht in Gedanken, dass morgen alles vorbei ist. Trotzdem bleiben Wege offen. Es geht also auch um Resilienz und die Frage, wie man sich alldem widersetzen kann.
Ist »Rebel Rebel« mit seinen rund 30 David-Bowie-Songs auch eine Hommage an den 2016 verstorbenen Sänger?
Unser Regisseur Ivo van Hove hat mit Bowie früher zusammengearbeitet, und »Rebel Rebel« will dem Werk des Sängers Tribut zollen. Aber nicht nur: Vielmehr verstehen wir es auch als eine Inspiration. Auch deshalb empfinde ich es als große Ehre, an dem Stück mitwirken zu dürfen.
Wie ist Ihr persönliches Verhältnis zur Musik von Bowie?
Meine Eltern haben bereits Bowie gehört, ich wuchs quasi mit ihm auf. Ich fand ihn bald schon allein deshalb so spannend, weil er sich als Künstler immer wieder den Normen entzogen hat, sich stets neu erfand.
Welches Genre bedient »Rebel Rebel« eigentlich?
Es ist ein Musical. Wobei ich die Bezeichnung Rockoper fast noch schöner finde.
Mit dem Schauspieler, Regisseur und Musiker sprach Ralf Balke.