Die amerikanische Bestsellerautorin Rebecca F. Kuang sieht sich wegen einer kurzen Passage in ihrem neuen Roman wachsender Kritik ausgesetzt. In Vorabexemplaren des Romans Taipei Story, der im Herbst erscheinen soll, wird ein Nebencharakter als israelischer Pianist beschrieben. Für manche Leser war dies ein Anlass, der Autorin vorzuwerfen, Israel auf diese Weise zu »normalisieren«. »The Jewish Chronicle« und andere Publikationen berichteten.
In sozialen Netzwerken entzündete sich demnach die Debatte an wenigen Sätzen über den Musiker, der in der Geschichte als erfolgreicher Pianist mit beinahe »religiöser« Wirkung auf das Publikum erscheint. Einige Nutzer reagierten mit scharfer Kritik.
»R.F. Kuang hatte mehr als 190 Länder zur Auswahl, um die Nationalität einer Figur zu bestimmen – und entschied sich ausgerechnet für dasjenige, das seit Jahren aktiv einen Völkermord an Palästinensern begeht«, schrieb ein User auf X.
»Zionistische Propaganda«
Der Völkermord-Vorwurf gegen den jüdischen Staat wird auf israelfeindlichen Demonstrationen in Europa, Amerika und andernorts täglich wiederholt. In Israel wird er sowohl im rechten als auch im größten Teil des linken Lager als absurd zurückgewiesen, zumal die Streitkräfte nach dem 7. Oktober gegen die Terrororganisation Hamas vorgingen, um Geiseln zu befreien und eine mehrfach von den Terroristen angekündigte Wiederholung der Massaker zu verhindern.
Andere Leser erklärten offen ihre Enttäuschung: »Es ist für mich unfassbar, Bücher so sehr über Kolonialismus zu schreiben und gleichzeitig Israel zu normalisieren – ich bin sehr enttäuscht«, schrieb ein User in sozialen Medien.
Auch bereits bekannte Reaktionen wurden nun verstärkt: »Extrem enttäuscht. Es bricht mir das Herz zu denken, dass ich deine Arbeit gefeiert habe. Und jetzt fügst du eine zionistische Erzählung in dein Buch ein – bitte, bitte entferne das«, hieß es in einem Kommentar. Ein anderer Nutzer schrieb: »Wir wollen keine zionistische Propaganda!! Weißt du überhaupt, wer dein Publikum ist?«
Ähnliche Kontroversen
Die Kritik geht teils so weit, dass Leser Vorbestellungen stornierten. Beobachter sehen darin ein Beispiel für eine breitere Entwicklung im Literaturbetrieb: Schon die Erwähnung israelischer Figuren kann inzwischen Boykottaufrufe auslösen. Ähnliche Kontroversen gab es in den vergangenen Jahren auch bei anderen Autoren.
Dabei galt Kuang selbst als Unterstützerin der antisemitischen BDS-Kampagne. 2025 sagte sie ihre Teilnahme an einem Literaturfestival in Dubai mit Verweis auf entsprechende Boykottaufrufe ab und erklärte damals, sie respektiere solche Initiativen. im