Boston

Wegen israelischer Figur: Bestseller-Autorin Rebecca F. Kuang unter Druck

Die Autorin Rebecca F. Kuang Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die amerikanische Bestsellerautorin Rebecca F. Kuang sieht sich wegen einer kurzen Passage in ihrem neuen Roman wachsender Kritik ausgesetzt. In Vorabexemplaren des Romans Taipei Story, der im Herbst erscheinen soll, wird ein Nebencharakter als israelischer Pianist beschrieben. Für manche Leser war dies ein Anlass, der Autorin vorzuwerfen, Israel auf diese Weise zu »normalisieren«. »The Jewish Chronicle« und andere Publikationen berichteten.

In sozialen Netzwerken entzündete sich demnach die Debatte an wenigen Sätzen über den Musiker, der in der Geschichte als erfolgreicher Pianist mit beinahe »religiöser« Wirkung auf das Publikum erscheint. Einige Nutzer reagierten mit scharfer Kritik.

»R.F. Kuang hatte mehr als 190 Länder zur Auswahl, um die Nationalität einer Figur zu bestimmen – und entschied sich ausgerechnet für dasjenige, das seit Jahren aktiv einen Völkermord an Palästinensern begeht«, schrieb ein User auf X.

»Zionistische Propaganda«

Der Völkermord-Vorwurf gegen den jüdischen Staat wird auf israelfeindlichen Demonstrationen in Europa, Amerika und andernorts täglich wiederholt. In Israel wird er sowohl im rechten als auch im größten Teil des linken Lager als absurd zurückgewiesen, zumal die Streitkräfte nach dem 7. Oktober gegen die Terrororganisation Hamas vorgingen, um Geiseln zu befreien und eine mehrfach von den Terroristen angekündigte Wiederholung der Massaker zu verhindern.

Lesen Sie auch

Andere Leser erklärten offen ihre Enttäuschung: »Es ist für mich unfassbar, Bücher so sehr über Kolonialismus zu schreiben und gleichzeitig Israel zu normalisieren – ich bin sehr enttäuscht«, schrieb ein User in sozialen Medien.

Auch bereits bekannte Reaktionen wurden nun verstärkt: »Extrem enttäuscht. Es bricht mir das Herz zu denken, dass ich deine Arbeit gefeiert habe. Und jetzt fügst du eine zionistische Erzählung in dein Buch ein – bitte, bitte entferne das«, hieß es in einem Kommentar. Ein anderer Nutzer schrieb: »Wir wollen keine zionistische Propaganda!! Weißt du überhaupt, wer dein Publikum ist?«

Ähnliche Kontroversen

Die Kritik geht teils so weit, dass Leser Vorbestellungen stornierten. Beobachter sehen darin ein Beispiel für eine breitere Entwicklung im Literaturbetrieb: Schon die Erwähnung israelischer Figuren kann inzwischen Boykottaufrufe auslösen. Ähnliche Kontroversen gab es in den vergangenen Jahren auch bei anderen Autoren.

Dabei galt Kuang selbst als Unterstützerin der antisemitischen BDS-Kampagne. 2025 sagte sie ihre Teilnahme an einem Literaturfestival in Dubai mit Verweis auf entsprechende Boykottaufrufe ab und erklärte damals, sie respektiere solche Initiativen. im

Archäologie

Die Fingerabdrücke von Qumran

Wie Wissenschaftler mithilfe von Künstlicher Intelligenz den Schriftrollen vom Toten Meer ihre letzten Geheimnisse entlocken wollen

von Sabine Brandes  10.08.2026

Campus

Schweigen als Überlebensstrategie

Ein neuer Sammelband beleuchtet die erschütternde Situation jüdischer Studierender und Lehrender an deutschen Hochschulen

von Therese Klein  10.08.2026

Berlin

Bund gibt mehr Geld für Gedenkstätten

Die deutschen Gedenkstätten erhalten von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mehr Fördermittel - für Projekte, aber auch für den Schutz der Orte und Mitarbeiter.

 10.08.2026

Interview

»Woher haben Sie die Noten?«

Kantor Assaf Levitin und der Verleger Christoph Koop über die Edition »Hashivenu« von Kompositionen für die Synagoge – und das Interesse auch von nichtjüdischen Chören an der Musik »Made in Germany«

von Christine Schmitt  10.08.2026

Musik

Wurde Boy George bei einem Konzert in Frankfurt sabotiert?

Techniker sollen seine In-Ear-Monitore immer lauter gedreht haben, bis der britische Pop-Star seinen Auftritt abbrach

von Imanuel Marcus  10.08.2026

Aufgegabelt

Zitronen-Zaatar-Hühnchen

Rezepte und Leckeres

 09.08.2026

Meinung

Wie Georg Restle die Glaubwürdigkeit des ÖRR untergräbt

Nach dem X-Post des Journalisten hat sich Felix Schotland, Vorstand der Synagogen-Gemeinde Köln, an WDR-Programmdirektorin Andrea Schafarczyk gewandt. Wir dokumentieren das Schreiben im Wortlaut

von Felix Schotland  07.08.2026

Berlin

Einsatz gegen Judenhass: Iris Berben erhält Deutschen Kulturpolitikpreis

Die Schauspielerin steht nicht nur vor der Kamera, sondern engagiert sich auch ehrenamtlich. Der Deutsche Kulturrat würdigt diese Leistung mit einem Preis. Igor Levit ist Laudator

 07.08.2026

Rapper Pashanim während eines Konzertes auf der Bühne

Hiphop

Rapper Pashanim: »Free Palestine« als Verkaufsschlager

Auf seinem neuen Album »Lounge Musik« rappt der Berliner Musiker Pashanim wiederholt über den Israel-Palästina-Konflikt – Kokettieren mit dem palästinensischen Terrorismus inklusive

von Lennart Wilsch  07.08.2026