Tel Aviv

Mutter von Hersh Goldberg-Polin veröffentlicht Buch über Kampf für ihren Sohn

Rachel Goldberg-Polin Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Die Mutter der israelisch-amerikanischen Hamas-Geisel Hersh Goldberg-Polin hat ein Buch über die Entführung ihres Sohnes, ihren monatelangen Kampf um seine Freilassung und seinen Tod in der Gewalt der Hamas veröffentlicht. Rachel Goldberg-Polin schildert darin ihren Schmerz nach dem Verlust ihres Sohnes, der zu den bekanntesten Entführten des 7. Oktober gehörte.

Hersh Goldberg-Polin war bei dem Hamas-Massaker im Süden Israels verschleppt worden. Dabei wurde ihm durch eine Granate eine Hand abgerissen, bevor ihn Terroristen nach Gaza brachten. Fast ein Jahr lang hofften Familie und Freunde auf seine Rückkehr. Im August 2024 wurde bekannt, dass er zusammen mit fünf weiteren Geiseln von Hamas-Terroristen in einem Tunnel erschossen worden war.

Das nun erschienene Buch trägt den Titel When We See You Again (Wenn wir Dich wiedersehen). Israelischen Medienberichten nach verzichtet die Autorin bewusst auf eine klassische Heldengeschichte oder politische Abrechnung. Stattdessen sei das Buch ein schonungsloser Bericht über Trauer, Verzweiflung und die Frage, wie ein Mensch mit einem solchen Verlust weiterleben kann.

Rede auf Parteitag

»Ich versuche noch immer klar zu erkennen, was mein Warum ist«, wird Rachel Goldberg-Polin von »Ynet« zitiert. »Aber mir ist klar, dass mein Warum noch nicht beendet ist.« Sie habe vor allem die Wahrheit erzählen wollen und diese sei »sehr hässlich.«

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Während der Geiselkrise war Rachel Goldberg-Polin zu einem der bekanntesten Gesichter des Kampfes für die Entführten geworden. Sie gab zahlreiche Interviews, traf den damaligen US-Präsidenten Joe Biden und sprach auf dem Parteitag der Demokraten in Chicago. Auch in Israel beteiligte sie sich an Protesten gegen die Regierung, der vorgeworfen wurde, eine Einigung zu spät gesucht zu haben.

Ihr Sohn blieb auch nach seinem Tod für viele Israelis ein Symbol. Im ganzen Land tauchten Plakate und Graffiti mit seinem Namen und seinem Gesicht auf. Ehemalige Geiseln berichteten, Hersh habe in der Gefangenschaft oft ein Zitat des Holocaust-Überlebenden Viktor Frankl wiederholt: »Wer ein Warum zum Leben hat, erträgt fast jedes Wie.«

Dolch in der Brust

Im Buch beschreibt die Mutter ihren Sohn zugleich sehr persönlich und ohne Verklärung. Sie erinnert daran, dass er als Kind an Schorf gekratzt habe und ungern Geschirr spülte. »Hersh ist für viele zu einem Symbol geworden«, schreibt sie. »Ich weiß nicht, was ich damit anfangen soll. Aber wenn Menschen es brauchen, dass Hersh etwas Bestimmtes ist, dann wird er das sein.«

Großen Raum nimmt ihre eigene Trauer ein. Das Buch sei entstanden, weil das Leid ihre Seele zu zerbrechen drohte, sagte sie. Schreiben sei für sie ein Versuch gewesen, jeweils die nächsten Minuten zu überstehen.

Besonders belastend seien Fragen gewesen, wie es ihr gehe. »Sehen Sie denn nicht diesen Dolch, der in meiner Brust steckt?«, sagte sie. Viele Menschen hätten ihren Schmerz nicht erkennen können – nicht aus Bosheit, sondern weil man solches Leid von außen nicht sehe.

Gleichzeitig habe sie in den Monaten nach dem Tod ihres Sohnes auch viel Mitgefühl erlebt. Andere Betroffene hätten ihr eigene Geschichten von Verlust erzählt. »Sie versuchen nicht, mich zu trösten. Sie sagen: Lass mich neben dir stehen, und wir tragen das gemeinsam.« im

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