London

»Pinocchio« und »James Bond«: Kino zum Hören mit Josh Groban

Josh Groban am 1. April bei einem Auftritt in der Londoner O2 Arena Foto: picture alliance / Captital Pictures

In diesem Jahr trat Josh Groban zum zweiten Mal bei der Oscar-Verleihung auf. Der US-Sänger mit der markanten Bariton-Stimme hat bereits viele Lieder für Soundtracks gesungen. Nun veröffentlicht der 45 Jahre alte selbsterklärte Filmfan »Cinematic« - ein Album nur mit Songs, die fürs Kino geschrieben oder auf der großen Leinwand populär wurden.

Darunter sind Klassiker wie »As Time Goes By«, das durch Casablanca (1942) berühmt wurde, Henry Mancinis »Moon River« aus Frühstück bei Tiffany (1961) und »Brucia La Terra«, Nino Rotas Liebesthema aus Der Pate (1972). Während im Film die englische Version »Speak Softly, Love« zu hören ist, singt Groban die italienische Fassung - in sizilianischem Dialekt.

Der Künstler mit jüdischem Familienhintergrund sang es erstmals bei einer Ehrung von Francis Ford Coppola durch das American Film Institute. Der Pate-Regisseur hatte ihn selbst eingeladen. »Das war eine große Ehre«, sagt Groban im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. »Dieses Lied für ihn zu singen, umgeben von all meinen Lieblingsschauspielern aus Der Pate und mit diesem großartigen Arrangement – da habe ich richtig Gänsehaut bekommen.«

Drei Disney-Songs aus drei Jahrzehnten

Eine Herzensangelegenheit war »Moon River«, denn sein Vater Jack spielt die Trompete. »Mein allerliebstes Duett«, betont Groban, der schon mit Ikonen wie Celine Dion, Barbra Streisand oder Charles Aznavour sang. Sein Vater hatte lange nicht mehr gespielt. »Ich war so glücklich, dass er zugesagt hat. Deshalb war das für mich ein ganz besonderer Tag im Studio.«

Gleich drei Songs auf »Cinematic« stammen aus Walt-Disney-Filmen. »Man könnte zwei Alben nur mit Disney machen«, findet Groban. Er singt »Can You Feel The Love Tonight« (Der König der Löwen, 1994), »When You Wish Upon A Star« (Pinocchio, 1940) und eine ergreifende Version von »Remember Me« (Coco, 2017). »Die Melodie hat mich beim ersten Hören fast zum Weinen gebracht«, sagt Groban.

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»Pinocchio war einer der ersten Disney-Filme, die ich als Kind gesehen habe«, erzählt er. »›When You Wish Upon a Star‹ steht für mich für die gesamte Disney-Magie. Für mich steht dieses Lied über den anderen – es bildet das Fundament.« Die Melodie ist heute das musikalische Markenzeichen von Disney.

Schwuler Männerchor

Bei »Can You Feel the Love Tonight« habe er zunächst gezögert. »Elton Johns Version ist einfach zu ikonisch, also lieber nicht anfassen«, so Groban. »Wir haben dann darüber gescherzt, ob es überhaupt noch Liebe in der Welt gibt - wenn man die Nachrichten sieht und all die Spaltung und Ungleichheiten.«

So sei die Idee entstanden, den Song »wie eine ausgestreckte Hand« mit dem Gay Men’s Chorus, einem schwulen Männerchor aus Los Angeles, neu zu interpretieren. »Es sollte sowohl musikalisch stark sein als auch ein Zeichen für Unterstützung und Verbundenheit setzen. Gerade jetzt, besonders in meinem Land, muss man diese Unterstützung laut zeigen.«

Mit Jennifer Hudson singt er »Unchained Melody« - berühmt aus Ghost - Nachricht von Sam (1990), aber ursprünglich für den Film Unchained (1955) geschrieben, wie der 45-Jährige betont. Neben dem unsterblichen »Stand by Me« macht er sich Phil Collins’ »Against All Odds« aus dem vergessenen Thriller Gegen jede Chance (1984) zu eigen.

»Skyfall« in Las Vegas

Und dann ist da noch ein James-Bond-Titelsong. Bei einer Konzertreihe in Las Vegas sang er »Skyfall« zum ersten Mal als Tribut an Adele, die für das Lied 2013 einen Oscar erhielt. Grobans kraftvolle Version ist ebenbürtig.

Die Adaptionen auf »Cinematic« sind ihres Originals würdig. Mit seiner unverwechselbaren Bariton-Stimme und den wuchtigen Arrangements bekommt jedes Lied einen neuen, immer noch filmreifen Klang. Dieses wunderbare Album ist manchmal nah an der Grenze zum Kitsch. Aber gilt das nicht gerade für die besten Filmsongs? (mit ja)

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