Washington

Supreme Court entscheidet über NS-Raubkunst

Der Oberste Gerichtshof will bis Mitte kommenden Jahres über die Zulässigkeit zweier Klagen gegen Deutschland entscheiden. Foto: Michael Thaidigsmann

Der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten hat am Montag zwei seit langem umstrittene Fälle zum Umgang mit NS-Raubkunst und anderem Eigentum verhandelt, das Juden während des Dritten Reichs von den Nationalsozialisten gestohlen wurde.

Im Mittelpunkt steht die Frage, ob amerikanische Gerichte überhaupt zuständig sind, solche Fragen zu entscheiden. Nun hielten die neun Richter am Supreme Court eine mündliche Verhandlung per Internetschalte ab. Dabei wurden zwei ähnlich gelagerte Fälle gleichzeitig verhandelt.

ENTSCHÄDIGUNG Einer betrifft eine Gruppe von 14 Holocaust-Überlebenden aus Ungarn, von denen einige jetzt US-Bürger sind. Die Kläger fordern von der staatlichen ungarischen Eisenbahngesellschaft eine Entschädigung für Eigentum, das ihnen und ihren Familien bei der Deportation in die NS-Todeslager abgenommen wurde.

Externer Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel anreichert. Wir benötigen Ihre Zustimmung, bevor Sie Inhalte von Sozialen Netzwerken ansehen und mit diesen interagieren können.

Mit dem Betätigen der Schaltfläche erklären Sie sich damit einverstanden, dass Ihnen Inhalte aus Sozialen Netzwerken angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittanbieter übermittelt werden. Dazu ist ggf. die Speicherung von Cookies auf Ihrem Gerät nötig. Mehr Informationen finden Sie hier.

Der andere Fall ist der des Welfenschatzes, aktuell im Besitz der öffentlichen Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Etwa die Hälfte der auf rund 200 Millionen Euro geschätzten Sammlung von mittelalterlichen Kruzifixen und Altären wurde 1935 vom Staat Preußen zu einem relativ geringen Kaufpreis erworben.

Die Erben der jüdischen Kunsthändler verlangen nun vor dem Bundesgericht in Washington DC die Anerkennung, dass der Verkauf ihren Vorfahren im Rahmen der Judenverfolgung aufgezwungen wurde und der Welfenschatz deshalb als Raubkunst zu gelten habe. Deutschland bestreitet das und argumentiert, dass der niedrigere Verkaufspreis der Kunstwerke eine Folge der durch die Weltwirtschaftskrise ausgelösten Deflation war.

GESETZ In beiden Fällen werden die Grenzen der Zuständigkeit von US-Gerichten bei der Behandlung von Klagen getestet, die sich gegen ausländische Regierungen richten. Im Allgemeinen gilt bei Staaten eine Immunität gegen Klagen, doch seit  1976 gilt in den USA der Foreign Sovereign Immunities Act (FISA), nachdem die Immunität nicht gilt, wenn Eigentum »unter Verletzung des Völkerrechts« entwendet wurde.

Das höchste US-Gericht will bis Mitte 2021 ein Urteil fällen.

In mündlichen Anhörungen, die wegen der Pandemie am Telefon stattfanden, argumentierten die Vertreter der deutschen und ungarischen Regierungen, dass die Zuständigkeit der US-Gerichte negiert werden müsse, weil in den vorliegenden Fällen der Schutz durch den FISA nicht gegeben sei. Sie warnten auch davor, dass der Oberste Gerichtshof die Beziehungen der USA zu den Verbündeten aufs Spiel setzen und mögliche Vergeltungsmaßnahmen provozieren könnte.

AUSNAHME Auch die Trump-Regierung machte sich in ihrem Plädoyer diese Position zu eigen. Generalstaatsanwalt Jeffrey Wall argumentierte vor dem Gericht, dass der Diebstahl von jüdischem Eigentum durch die Nazis »inländische Einkünfte« einer Regierung aus dem Eigentum ihrer eigenen Bürger betreffe und daher nicht unter die völkerrechtliche Ausnahme falle, die sich auf ausländische Staatsangehörige beziehe.

Der Rechtsvertreter der Kläger im Welfenschatz-Verfahren, Nicholas O’Donnell, argumentierte dagegen, dass der US-Kongress ausdrücklich den Kunstraub der Nationalsozialisten als Teil des Völkermords an den Juden bezeichnet habe. Deswegen betreffe die Klage eindeutig das »Recht auf Eigentum«, wie es im FISA definiert sei.

In der Anhörung ließen mehrere Richter durchblicken, dass sie sich nicht wohl dabei fühlen könnten, die Zuständigkeit von US-Gerichten in den beiden vorliegenden Fällen zu verneinen. Das höchste US-Gericht will bis Mitte 2021 ein Urteil fällen. mth

Großbritannien

London ehrt Stefan Zweig

84 Jahre nach seinem Tod wird der berühmte österreichische Schriftsteller Stefan Zweig in London geehrt. Dorthin war er 1936 vor den Nazis geflohen

 02.07.2026

Augsburg

Neue »Initiative Antisemitismuskritik & Theater« gegründet

Rund 60 Theaterschaffende haben in Augsburg ein neues Netzwerk gegen Judenfeindlichkeit ins Leben gerufen. Ihnen geht es etwa darum, antisemitismuskritische künstlerische Werke zu entwickeln. Und sie wollen expandieren

von Christopher Beschnitt  02.07.2026

Kulturkolumne

In der Hitze des Sommers

Zwischen Deutschland und Israel: Wenn die Luft sich nicht bewegt und die Zeit stillsteht

von Laura Cazés  02.07.2026

Thüringen

Achava-Festspiele: Dialog zwischen Religionen und Kulturen

Die Achava-Festspiele gehen mit mehr als 80 Veranstaltungen in ihre zwölfte Ausgabe. Neben Konzerten umfasst das Programm Ausstellungen, Filme, Vorträge, interreligiöse Begegnungen sowie Angebote für Familien und Schulen

 02.07.2026

Weimar

Ausstellung zeigt Verstrickung von Ärzten im NS-Staat

Die Weimarer Ausstellung »Systemerkrankung« skizziert ausgewählte Biografien von Medizinern im NS-Staat. Die Texte und Hörstationen ordnen dabei die Rolle der individuellen Verstrickungen, aber auch Widerstandshandlungen zwischen 1933 und 1945 ein

 02.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter  02.07.2026

Bachmannpreis

Sie ging – der Roman kommt

Die Autorin Slata Roschal las in Klagenfurt ihren Text »Es ist die Leichtigkeit, die den Herrn am Tisch von der Putzfrau unterscheidet«. Und sie verursachte einen kleinen Skandal

von Katrin Richter  02.07.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. Juli bis zum 9. Juli

 01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026