Berlin

»Tänzerinnen-Brunnen« für vier Millionen Euro versteigert

Der »Tänzerinnen-Brunnen«, hier noch im Georg Kolbe Museum in Berlin Foto: picture alliance / imageBROKER

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»Tänzerinnen-Brunnen« für vier Millionen Euro versteigert

Erst kürzlich wurde der Brunnen als NS-Raubgut restituiert. Seit Ende der 70er-Jahre stand er im Georg Kolbe Museum

von Katrin Richter  05.06.2026 11:29 Uhr

Es war kurz nach halb sieben am Donnerstagabend, als Daniel von Schacky, Geschäftsführer und Partner des Auktionshauses Grisebach in Berlin Charlottenburg, den dunkelbraunen Auktionshammer auf das helle Holz des Pults schlug und »Vier Millionen Euro für die 390« sagte.

Damit stand fest: Der »Tänzerinnen-Brunnen« von Georg Kolbe aus dem Jahr 1922 ist verkauft. »Ich freue mich sehr, auch anzufügen, dass das ein Weltrekord für eine Skulptur oder ein Werk insgesamt von Georg Kolbe ist«, sagte von Schacky, bevor er das nächste Objekt der Sommerversteigerung aufrief.

Noch im vergangenen Sommer hatte es Streit wegen des Brunnens gegeben: Die Erben des 1942 verstorbenen jüdischen Versicherungsdirektors und Unternehmers Heinrich Stahl erhoben schwere Vorwürfe gegen das Georg Kolbe Museum in Berlin, in dessen Garten der Brunnen, den Kolbe 1922 für Stahl angefertigt hatte, stand. Stahl, der ab 1933 Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde zu Berlin war, musste die Plastik während der NS-Zeit unter Zwang veräußern.

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Käufer damals war der bulgarische Konsul in Berlin, Theodor Dimanow, der sie 1941 zu »günstigen« Konditionen von Stahl erworben hatte. 1978 erwarb das Georg Kolbe Museum die Tänzerinnenskulptur von Dimanows Erben aus Mitteln der Klassenlotterie. Die Kosten: 120.000 D-Mark. Der Brunnen mit der Tänzerin ist seit Ende der 70er-Jahre im Museumsgarten ausgestellt. Das Werk war für Besucher jedoch nicht als Raubkunst gekennzeichnet.

Am Dienstag vor der Sommerversteigerung hielt der Berliner Historiker und Gründungsdirektor des Centrum Judaicum, Hermann Simon, einen Vortrag über Heinrich Stahl, dem gebürtigen Rudower, dessen Eltern – der Vater war Landwirt – ihm »eine jüdische Traditionsbildung angedeihen ließen«.

Das sei, so Simon, damals nicht mehr die Regel gewesen. Stahl besuchte das Berlinische Gymnasium zum Grauen Kloster, verließ es aber vorzeitig, um einen praktischen Beruf zu erlernen. »Er begann seine Ausbildung bei der Victoria-Versicherung und blieb dort während seines gesamten Arbeitslebens tätig. Im Laufe der Jahre konnte er sich emporarbeiten, bis er schließlich einen Direktorposten innehatte«, beschreibt Simon es am Dienstagabend.

Das Haus in Berlin-Dahlem, in dessen Garten der von Georg Kolbe angefertigte Tänzerinnen-Brunnen stand, musste die Familie Stahl während des Nationalsozialismus unter Wert verkaufen. Stahl und seine Frau Jenny wurden in das KZ Theresienstadt deportiert, wo Heinrich Stahl am 4. November 1942 an einer Lungenentzündung starb. Jenny Stahl überlebte und emigrierte in die USA.

Die Erben entschieden sich, den Brunnen im Auktionshaus Grisebach in Berlin versteigern zu lassen

Werner Stahl, der Enkel von Heinrich Stahl, hatte im Jahr 2001 den Verzicht auf den Brunnen mit der Tänzerin erklärt – allerdings geschah dies offenbar nicht im Namen der gesamten Familie, wie sich später herausstellte. Wie das Kolbe-Museum weiter berichtete, habe es deshalb angeboten, das Werk vollständig an die Erbengemeinschaft zu restituieren. 

»Das wichtigste Ziel des Museums war es, eine faire sowie gerechte Lösung gemeinsam mit den Nachfahren des ursprünglichen Eigentümers herbeizuführen. Dies ist geglückt, und die Erbengemeinschaft nach Heinrich Stahl nahm das Restitutionsangebot an«, hieß es. 

Erst Restitution, dann Auktion

Die Erben entschieden sich, den Brunnen in Berlin versteigern zu lassen. Das Kolbe-Museum hatte daraufhin mitgeteilt, eine eigene erfolgreiche Beteiligung an der Auktion sei unwahrscheinlich, da es keinen Ankaufsetat habe und auch keine anderen Mittel beschaffen konnte. Wer den Tänzerinnen-Brunnen am Donnerstagabend ersteigert hat, ist noch nicht bekannt. Die endgültige Summe – 4.980.000 Euro (inklusive Aufgeld) – ist, ebenso wie es der »Tänzerinnen-Brunnen« für die Sommerversteigerung im Auktionshaus Grisebach war, ein Highlight.

Auch das Objekt, das Daniel von Schacky im Anschluss an die Kolbe-Versteigerung aufrief, war ein Brunnen. Diesmal allerdings ein gemalter und deutlich kleinerer: Losnummer 15, Max Beckmann »Springbrunnen in Baden-Baden«. (mit dpa)

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