Film-Klassiker

So wurde »Stand by Me« der beste Jugendfilm der Geschichte

Jerry O’Connell, River Phoenix, Wil Wheaton und Corey Feldman in »Stand by Me« Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS

Ein Kaff im US-Staat Oregon, 1959: Ein Junge wird vermisst. Seine Leiche soll irgendwo im Wald liegen - gruselig. Vier Zwölfjährige beschließen bei Hitze in den großen Ferien, sich auf eine mehrtägige Suche zu begeben. Darum geht es in dem Film »Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers«.

Die Literaturverfilmung wird jetzt 40 Jahre alt. Das heißt: Im Sommer 1986 kam sie in den USA ins Kino. In westdeutschen Kinos startete das ruhige schlichte Jugenddrama erst im Februar 1987. Gedreht wurde es im Sommer 1985.

Das ZDF zeigt den Jugendfilmklassiker auf seinem Kanal ZDFneo (in der Nacht 9./10.8.) und dann im Streaming-Portal (bis 17.8.). Die Streamingdienste Netflix und Sky/Wow haben ihn ohnehin im Programm zum Abruf bereit.

Das Jugenddrama mit Thriller-Elementen beruht auf Stephen Kings Kurzgeschichte »Die Leiche« (Originaltitel: »Fall From Innocence: The Body«) und stammt aus der Kurzromansammlung »Frühling, Sommer, Herbst und Tod« (Original: »Different Seasons«, erschienen 1982, auf Deutsch 1984).

Die Darsteller Corey Feldman, Wil Wheaton, und Jerry O’Connell posieren zum 40. Jubiläum von »Stand by Me« in Pittsburgh.Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS
Das macht den Film so besonders

Der sensible Coming-of-Age-Film fängt das universelle Gefühl von Sommerferien, Pubertät, jugendlichen Freundschaften, familiären Spannungen, Abenteuerlust und Erwachsenwerden (müssen) ein.

Die vier Jungs, die alle mit dem Verhältnis zu ihren Vätern und männlichen Vorbildern ringen, hoffen, mit dem Finden der Leiche ein bisschen berühmt zu werden. Sie geraten etwa beim Überqueren einer langen Eisenbahnbrücke wegen eines herannahenden Zuges in Lebensgefahr, sie müssen ihre Angst vor dem Übernachten im dunklen Wald überwinden - und ihren Ekel vor Blutegeln.

Vern (Jerry O’Connell) ist eher ängstlich und wird wegen seines Gewichts oft verspottet, Teddy (Corey Feldman) ist aufbrausend, schlägt schnell zu, wie er es bei seinem Vater, einem Weltkriegsveteranen, immer sah. Chris (River Phoenix) hat Angst, auf die schiefe Bahn zu geraten, weil das in seiner Familie Tradition hat. Der schlaue Gordie (Wil Wheaton) hadert mit seinen Eltern, die ihn kaum mehr beachten, seit sie den älteren Sohn bei einem tödlichen Autounfall verloren haben. Er ist auch der Junge, aus dem später ein Schriftsteller und als Erwachsener der Erzähler des Films wird.

River Phoenix glänzte in dem Film

Der älteste der vier Nachwuchsdarsteller im Film war River Phoenix, der ältere Bruder von Oscar-Preisträger Joaquin Phoenix (»Joker«). River wurde am letzten Drehtag (23. August 1985) 15 Jahre alt. Nach dem Film gehörte er zu den vielversprechendsten Jungschauspielern Hollywoods (»Die Flucht ins Ungewisse«, »Indiana Jones und der letzte Kreuzzug«, »My Private Idaho«).

Am 31. Oktober 1993, in der Nacht zu Halloween, starb Phoenix im Alter von 23 Jahren an einer Überdosis Drogen vor einem Club in West Hollywood.

»Stand by Me« gilt als eine der gelungensten Stephen-King-Verfilmungen. Der jüdische Regisseur Rob Reiner, der selbst als Schauspieler anfing, bewies außerordentliches Gespür, junge Darsteller zu führen.

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Echt und nahbar

»Rob sprach mit uns, als wären wir Profis, und entlockte uns unglaubliche schauspielerische Leistungen«, zitierte die Nachrichtenagentur AP Anfang 2026 den inzwischen 54 Jahre alten Wil Wheaton. »Rob nahm sich die Zeit, wirklich einen Draht zu uns zu finden und uns dabei zu helfen, eine echte emotionale Verbindung zu den Erlebnissen unserer Figuren herzustellen.«

Die »New York Times« zitierte Reiner im September 1986: »Ich stellte mich hinter die Kamera und spielte ihnen fast jede Szene vor, damit sie hören konnten, wie die Rolle klingen sollte. Das ist einer der Vorteile daran, selbst Schauspieler zu sein. Ich wollte nicht, dass die Kinder «schauspielern».« Die Jungs sollten einfach sehr echt und nahbar wirken.

Eine Woche lang spielte Reiner demnach Spiele mit den Jungs. Sie mussten so tun, als wäre ein anderer Junge ein Spiegel, und dessen Gesten nachahmen. Sie sollten eine von einer anderen Person begonnene Geschichte fortsetzen oder sich mit verbundenen Augen durch eine Hotellobby führen lassen.

Rob Reiner wurde getötet

Nach dem überraschend erfolgreichen Jugendfilm stieg Rob Reiner in die Riege von Hollywoods gefragtesten Regisseuren auf. Mit »Harry und Sally« lieferte er 1989 eine der bis heute besten Liebeskomödien der Filmgeschichte, berühmt für die Szene, in der Meg Ryan in einem Deli laut einen Orgasmus vortäuscht.

Rob Reiner wurde am 14. Dezember 2025, ebenso wie seine Frau, die Fotografin und Produzentin Michele Singer Reiner, tot in seinem Haus in Los Angeles gefunden. Der Sohn Nick Reiner - eines von vier Kindern des Paars - wurde am selben Tag festgenommen und kam wegen zweifachen Mordes vor Gericht.

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