Ein Vater und seine beiden Söhne auf dem Nachhauseweg von der Schule. Im Radio läuft »Should I stay or should I go« der britischen Punkband The Clash. Gehen oder bleiben – die Frage haben sich in der Tragikomödie Doitscha – Alles geht vorüber von Ester Amrami alle drei gestellt: Vater Georg (Mark Waschke) – er hat ein Faible für Punkbands und ist der einzige Nichtjude der Familie – liegt in ständigem Zwist mit seinem ältesten Sohn David (Yahli Yogev). Der Konflikt eskaliert, und der Vater – David nennt ihn wegen seiner Pedanterie abfällig »Doitscha« – zieht kurzzeitig aus.
Der Sohn hingegen träumt von Alija. Und der Jüngste, Sammy (Adam Lukas), wechselt wegen antisemitischer Anfeindungen auf ein jüdisches Gymnasium. Nur für Mutter Adriana (Oriana Schrage), die das jüdische Theater in Köln leitet, scheint die Frage nicht von Belang zu sein.
Der Film erzählt den Alltag einer jüdischen Familie in Köln, die von sämtlichen Seiten bedrängt wird. Wie man »halb jüdisch, halb deutsch« nach dem 7. Oktober 2023 die Welt wahrnehme, soll Adriana in einer Talkshow erklären. Zugleich muss sie sich gegen den Monolog eines Influencers verteidigen: Sogenannte Israelkritik sei gewiss nicht gleich Antisemitismus. Dann wollen ihr auch noch die Sponsoren das Geld fürs Theaterprogramm kürzen. Der Grund dafür ist unter anderem der geplante Vortrag eines regierungskritischen Israelis. Ausgerechnet der wird von angeblichen Freunden Palästinas verunmöglicht; der Gast kommt nicht einmal zu Wort.
Doitscha – Alles geht vorüber ist eine Aneinanderreihung von Konflikten – so viele, dass sie selbst die Familie für einen Moment zu überwältigen scheinen. Aber man hält zusammen. Gegen all das, was noch kommen mag?, fragt man sich. Die schwarze Rabenkrähe, die zu Beginn vor dem Fenster auftaucht, ist als Warnung zu verstehen. Auch zum Schluss, als zumindest in der Familie Ruhe eingekehrt ist, taucht sie erneut auf. Die Zukunft bleibt ungewiss. Die Tragikomödie ist im wahrsten Sinne tragisch und komisch. Tragisch, weil ein Vielfaches des Dargestellten relativ ungebrochen real sein dürfte. Komisch, weil da wohl nur noch Humor hilft.
Der Film beruht auf dem Buch »Doitscha« von Adriana Altaras und ist in der ARD-Mediathek abrufbar.