NS-Raubkunstprozess

Museum muss Kandinsky-Gemälde nicht zurückgeben

Darf im Amsterdamer Stedelijk Museum für moderne Kunst verbleiben: das »Bild mit Häusern« (M.) Foto: imago images/VWPics

Im Raubkunst-Prozess um ein Gemälde von Wassily Kandinsky hat ein Amsterdamer Gericht die Ansprüche der Erben der ursprünglichen jüdischen Eigentümer zurückgewiesen.

Das Amsterdamer Stedelijk Museum für moderne Kunst müsse das »Bild mit Häusern« (1909) nicht an die Erben zurückgeben, urteilte das Gericht am Mittwoch in Amsterdam. Damit bestätigte es die Entscheidung der staatlichen Rückgabe-Kommission. Die Erben kündigten Berufung an.

Das Gemälde gehörte dem jüdischen Ehepaar Lewenstein und war im Oktober 1940 auf einer Versteigerung von dem Museum gekauft worden. 2018 hatte die Rückgabe-Kommission aber Ansprüche der Erben zurückgewiesen und das Interesse des Museums höher bewertet. Dagegen hatten die Erben geklagt.

Erst vor einigen Tagen hatte aber eine staatliche Untersuchungskommission erhebliche Mängel bei der niederländischen Rückgabe-Praxis von NS-Raubkunst festgestellt. Dass bei der Prüfung von Forderungen der Erben das Interesse der Museen berücksichtigt worden sei, verstoße gegen internationale Regeln. Diese Untersuchung hatte das Amsterdamer Gericht nicht berücksichtigt.

Der Anwalt der Erben, James Palmer, sprach von einem falschen Signal: »Wenn das Gerichtsurteil bestehen bleibt, ist die niederländische Rückgabepolitik faktisch nichtexistent und wichtige Raubkunst wird in den Niederlanden voraussichtlich nie zurückgegeben.« Das widerspreche der Moral und sei »völlig inakzeptabel«.

Die Erben fordern auch einen weiteren Kandinsky zurück, der im Münchener Lenbachhaus hängt. Das ist aber nicht Gegenstand des Amsterdamer Verfahrens. dpa

Zeitgeschichte

Entebbe und kein Ende

Der Historiker Jan Gerber zeigt in seinem neuen Buch, wie aus dem Antizionismus der 68er-Generation radikale antisemitische Praxis wurde

von Ralf Balke  01.07.2026

Programm

Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 2. Juli bis zum 9. Juli

 01.07.2026

Künstliche Intelligenz

Ich schreibe, also bin ich

Noch nie war es so einfach, Gedanken mit KI in Worte zu fassen. Doch was bedeutet das für unser Denken, unseren Journalismus und eine der grundlegendsten menschlichen Fähigkeiten?

von Nicole Dreyfus  01.07.2026

Fußball

Länderspiel verlegt: Irland verzichtet auf Israel-Boykott

Irlands Fußballverband FAI will das UEFA-Nations-League-Spiel gegen Israel nun in Serbien austragen - auch, um einen Abstieg zu vermeiden

 01.07.2026

Berlin

Jüdische Kunstschule und UdK wollen kooperieren

Auch die Universität der Künste war nach dem 7. Oktober 2023 mehrfach Schauplatz »propalästinensischer« Aktionen. Nun will sie jüdischen Künstlern einen geschützten Raum bieten

 01.07.2026

Interview

»Es fehlte am fußballerischen Können, nicht am Glück«

Sportreporter-Legende Marcel Reif über das WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft, Jürgen Klopp und die Zukunft von Julian Nagelsmann als Bundestrainer

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026

Burkhard C. Kosminski

»Ich würde das Stück gerne im Osten spielen«

Der Intendant am Schauspiel Stuttgart über »Die Ermittlung« von Peter Weiss, die Existenzberechtigung Israels in der Kunst und seine Auszeichnung mit der Otto-Hirsch-Medaille

von Nicole Golombek  30.06.2026

Interview

»Der Oscar öffnete mir neue Türen«

Daniel Roher über seinen ersten Spielfilm »The Piano Tuner« und den Dreh mit Dustin Hoffman und Lior Raz

von Patrick Heidmann  30.06.2026

Meinung

Georg Restle, die Jüdische Allgemeine und der berüchtigte Scheck aus Jerusalem

Früher hätte man Journalisten wie Restle, die Juden unterstellen, sie seien nur Sprachrohr einer Regierung in Israel, die Eignung als Politik-Redakteure beim Öffentlich-Rechtlichen Rundfunk abgesprochen. Zu Recht

von Michael Thaidigsmann  30.06.2026