Venedig/Rom

Nach Rücktritt von Jury: Biennale-Chef unter Druck

Pietrangelo Buttafuoco Foto: picture alliance / ZUMAPRESS.com

Kurz vor Beginn der Kunstbiennale in Venedig gerät nach dem Rücktritt der gesamten Jury nun auch der Leiter Pietrangelo Buttafuoco zunehmend in die Kritik. Italiens Kulturminister Alessandro Giuli warf dem Biennale-Präsidenten vor, mit der Wiederzulassung von Russland zu der sechsmonatigen Ausstellung Neben-Außenpolitik betreiben zu wollen und damit gescheitert zu sein. »Er ist Opfer einer pazifistischen Fantasie geworden«, sagte Giuli der Zeitung »La Repubblica«. Inzwischen wird auch über eine baldige Ablösung des Biennale-Chefs spekuliert.

Kurz vor dem offiziellen Beginn am Samstag steht die Biennale in der italienischen Lagunenstadt vor einem Scherbenhaufen. Im Streit um den Umgang mit Russland und Israel trat die Jury geschlossen zurück. Die Eröffnungsfeier wurde abgesagt, ebenso wie die übliche Vergabe der Goldenen Löwen zu Beginn. Die Preise sollen jetzt erst am letzten Tag der Ausstellung im November vergeben werden. Entscheiden darüber wird keine Jury mehr, sondern eine Abstimmung unter den Besuchern.

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Der Journalist und Schriftsteller Buttafuoco leitet die Kunstbiennale seit März 2024. Ernannt wurde er von der rechten Regierung unter Ministerpräsidentin Giorgia Meloni. Der 62-Jährige kommt ebenfalls aus dem rechten Lager und galt bislang als Freund des heutigen Kulturministers. Nun warf ihm Giuli jedoch vor, eine Art »Vereinte Nationen der Kunst« geplant zu haben. »Am Ende gab er sich der Illusion hin, Außenpolitik betreiben zu können. Das ist jedoch Aufgabe der Regierung und des Parlaments.« Die Biennale habe einen beträchtlichen »Imageschaden« erlitten.

Zusammen mit der documenta in Kassel gehört die alle zwei Jahre stattfindende Biennale zu den wichtigsten Veranstaltungen zeitgenössischer Kunst. Die 61. Auflage geriet jedoch in die Mühlen der Weltpolitik: zunächst, weil inmitten des Ukraine-Kriegs erstmals seit 2022 wieder Kunst aus Russland dabei sein wird - und dann auch noch, weil die Jury vergangene Woche sowohl Russland als auch Israel von der Preisvergabe ausschloss. Auf dem Biennale-Gelände stehen Pavillons, die von den verschiedenen Nationen genutzt werden. Vor der offiziellen Eröffnung darf bereits die Fachwelt hinein. dpa

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