Kulturkolumne

Mehr Gelb!

Die Minions Foto: picture alliance / Mary Evans/AF Archive/Universal

Nein, die Minions sind nicht jüdisch. Aber einen Augenblick, bitte! Die Erfindung einer Horde quietschgelber TicTacs mit zu großen Augen, zu kleinen Latzhosen und herzigem »terrible two«-Gebaren ist der bisher wohl vergnügteste Geniestreich der Kinogeschichte. Und so erfolgreich, dass die knuffigen Leinwandikonen gerade in ihrem siebten Film zu bewundern sind: Minions & Monster.

Dabei wurden sie aus der Not heraus geboren, heißt es aus Hollywoods Trickdepartment Illumination. Während Böse­wicht Felonious Gru bereits existierte, fehlte dem späteren Ich – Einfach unverbesserlich-Helden eine dem Publikum zugewandte weiche Seite. Eine Armee niedlicher Handlanger, um die er sich kümmern muss, sollte helfen.

Fragt man die französischen Minions-Masterminds – Charakterdesigner Eric Guillon und Animator Pierre Coffin –, reichte die Inspiration für die gelbe Armee von der französischen Kult-Trick­serie Les Shadoks aus den 70er-Jahren über die Die Muppet Show bis zu einem Popcorn-Maiskorn, so die Legende. Der Rest ist Geschichte.

Yetis, Zyklopen, Dracula, Mumien oder auch Napoleon Bonaparte

So weit, so wunderbar. Aber bekanntlich sorgt großer Erfolg auch für große Missgunst, und deshalb sind selbst kleine Gute-Laune-Gelblinge nicht vor den Abgründen des Internets gefeit: Gerade wabert die alte Debatte wieder durch den Cyberspace, ob die Minions, deren Lebenszweck ja darin besteht, dem größtmöglichen Bösewicht zu dienen, also auch Hitler geholfen hätten. Der fehle allerdings in den bisher bekannten Karrierezusammenfassungen, die die Minions stattdessen mit Yetis, Zyklopen, Dracula, Mumien oder auch Napoleon Bonaparte zeigen.

Sie kratzen sich gerade am Kopf? Ja, manche Menschen haben offensichtlich sehr viel Zeit. Zu viel Zeit.

Nun aber: In einem jüngsten Interview mit der Gaming- und Unterhaltungs-Website »Polygon« hat der sichtlich genervte Coffin (»Ich wusste, dass Sie das fragen würden. Schämen Sie sich!«) versucht, der absurden Debatte ein Ende zu bereiten, mit einer simplen Feststellung: »Die Minions waren doch in der Eishöhle gefangen.«

Womit der Filmemacher sich auf den Beginn des ersten Minions-Films von 2015 bezieht, als die gelbe Horde sich, von den Soldaten des versehentlich weggesprengten Napoleon verjagt – also vermutlich Anfang der 1810er-Jahre –, in einer Eishöhle versteckt und erst wieder in Jimi-Hendrix-Zeiten herauskommt: genauer gesagt 1968. Also mehr als 150 Jahre später, mit ausreichend Abstand zu Holocaust und Weltkrieg.

Hebräische Worte in der Kakophonie der Weltsprachen

Aber zurück zum Anfang. Denn ein bisschen Jüdischkeit haben die Minions doch in petto: und zwar in ihrem Minionesisch, der von Coffin erfundenen Sprache, die dieser auch in jedem Film synchronisiert. Wer genau hinhört, hat von Anfang an immer wieder hebräische Worte erkennen können in der Kakophonie der Weltsprachen, die in Kleinkindlauten auf ewig gute Laune verbreitet: Angesichts der Banane, der Minion-Lieblingsspeise, brüllen sie »matoka«, rufen »aba«, wenn Gefühle aufwallen, sagen »Toda«, »Shalom«, »Mazal tov«, und sogar »Bamba« kommt vor. Aber alles eben mit minionesischer Bedeutung.

Was den Teilnehmern der Nazi-Minions-Debatte vor allem entgangen zu sein scheint, ist die Konsequenz, die es gehabt hätte, wenn die Minions den deutschen Massenmörder je getroffen hätten. Denn natürlich hätten sie ihn auf tolpatschige Art für immer erledigt, so wie sie jedem Tyrannen und jedem Monster den Garaus machen. Wie heißt es auf Minionesisch? Yippee!!!

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