Im August 2025 veröffentlichte die »Irish Times« einen Gastbeitrag von Sally Rooney. Darin verlieh die Bestsellerautorin ihrer Unterstützung für die von Großbritannien als terroristische eingestufte und seit 2025 verbotene Vereinigung »Palestine Action« Ausdruck. Wenige Tage zuvor war sie von der britischen Polizei vorübergehend in Gewahrsam genommen worden, weil sie in London an einem Protest gegen das Verbot teilgenommen hatte.
Sie fühle sich verpflichtet deutlich zu machen, schrieb Rooney in der wichtigsten Tageszeitung ihres Heimatlandes, warum sie Palestine Action unterstütze, und zwar nicht nur mit Worten, sondern auch mit Spenden aus ihren Einnahmen. »Wenn mich das nach britischem Recht zur ›Terrorunterstützerin‹ macht, dann sei es so. Meine Bücher werden, zumindest vorerst, weiterhin in Großbritannien veröffentlicht und sind in Buchhandlungen und sogar in Supermärkten weit verbreitet erhältlich.«
Doch damit wird bald Schluss ein. Denn Rooneys britischer Verlag, Faber, gab am Mittwoch in einem knappen Statement bekannt, man werde den Verkauf ihrer Werke vorerst einstellen. »Die derzeitige Gesetzgebung im Vereinigten Königreich hat zu einer Situation geführt, in der Faber die im Vereinigten Königreich erzielten Einnahmen aus Sally Rooneys Werken nicht an sie weiterleiten kann. Die Werke einer Autorin zu verkaufen, ohne die Einnahmen weiterleiten zu können, ist für einen Verlag eine unzumutbare Situation.«
Aus diesem Grund habe man, so das Verlagshaus, »in voller Übereinstimmung mit Sally« beschlossen, ihre Werke im Vereinigten Königreich nicht mehr anzubieten. Die Entscheidung gelte nur für den britischen Buchmarkt; in anderen Ländern seien die Rooney-Romane weiterhin erhältlich. Noch in den Buchläden erhältliche Exemplare sollen aber abverkauft werden können.
Die 35-jährige Rooney, die in ihrem Geburtsort Castlebar im Nordwesten Irlands lebt und mit dem 2018 veröffentlichten Buch »Normal people« einen internationalen Bestseller landete, der später als Serie verfilmt wurde, ließ ebenfalls eine Stellungnahme verbreiten. Die »Erfüllung von Verträgen zur Veröffentlichung meiner Werke im Vereinigten Königreich könnte nun eine schwere Straftat darstellen. Nach einem Prozess der Beratung und Abwägung und mit meiner vollen Zustimmung hat mein Verlag Faber daher beschlossen, dass er meine Werke im Vereinigten Königreich nicht mehr vertreiben kann.«
Sie habe alles unternommen, so Rooney, um ehrlich zu ihren Überzeugungen und Absichten zu stehen, und sei »voll und ganz darauf vorbereitet, die Konsequenzen zu tragen«. Seit Längerem schon nimmt die Schriftstellerin in Großbritannien keine offiziellen Termine mehr wahr - vermutlich aus Angst, sie könnte erneut festgenommen werden. mth