Ein Streit um einen Kapuzenpullover sorgt für eine Kontroverse zwischen dem früheren Boxweltmeister Mike Tyson und dem Streetwear-Label Supreme. Im Mittelpunkt steht eine Grafik mit Nationalflaggen, in der die palästinensische Flagge an die Stelle der israelischen getreten sein soll. Tysons Anwälte werfen dem Modeunternehmen vor, ein bereits genehmigtes Design ohne Erlaubnis verändert zu haben. Sie sehen darin einen erheblichen Vertragsbruch und kündigen rechtliche Schritte an.
Der Hoodie war im Rahmen einer Zusammenarbeit von Supreme mit der britischen Designerin Martine Rose angekündigt worden. Die Grafik zeigt Tyson umgeben von verschiedenen Nationalflaggen. Aufmerksamkeit erregte das Kleidungsstück, nachdem Nutzer in sozialen Medien die palästinensische Flagge entdeckt hatten. Streetwear-Blogs wiesen darauf hin, dass eine ältere Darstellung des Boxers, die als Vorlage gedient haben soll, an dieser Stelle die israelische Flagge zeigte.
Kurz nach der Vorstellung der Kollektion verschwanden die Werbebilder des Hoodies aus den Materialien von Supreme. Auch im aktuellen Sortiment, das das Unternehmen in dieser Woche veröffentlichte, tauchte das Stück nicht auf. Daraufhin wurde im Internet spekuliert, Tysons Management habe sich gegen die Verwendung der palästinensischen Flagge ausgesprochen und deshalb die Rücknahme verlangt.
Tysons Anwälte sprechen von Vertragsbruch
Tysons Rechtsvertreter wiesen diese Darstellung zurück und schilderten einen anderen Hintergrund. Nach Angaben seines Anwalts Mitchell Schuster von der Kanzlei Meister Seelig & Schuster hatte Tysons Team einer Gestaltung zugestimmt, die von einer berühmten Jacke des Boxers aus dem Hause Jeff Hamilton inspiriert war. »Mike Tyson hat mit Supreme und Martine Rose an einer Kollektion gearbeitet, die sein Vermächtnis als Boxer ehren sollte«, erklärte Schuster gegenüber dem Magazin »Rolling Stone«. Das Team habe das ursprüngliche Bildmaterial ausschließlich zu diesem Zweck freigegeben.
Die anschließende Veränderung der Grafik sei nicht genehmigt gewesen. »Ohne Genehmigung hat Supreme das freigegebene Design verändert und Herrn Tyson damit in eine politische Auseinandersetzung hineingezogen, mit der er nichts zu tun hat«, sagte der Anwalt. Er bezeichnete die Änderung als »einen wesentlichen Vertragsbruch«.
Da Supreme wiederholte Aufforderungen der Rechtsvertreter offenbar nicht berücksichtigt habe, werde Tysons Team nun »alle erforderlichen Schritte« einleiten, um den Namen, das Abbild und das Vermächtnis des ehemaligen Boxers zu schützen. Eine Stellungnahme von Supreme liegt bisher nicht vor.
Supreme setzt auf prominente Namen
Die Auseinandersetzung kommt für das Modeunternehmen zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Supreme gehört zu den bekanntesten Marken der internationalen Streetwear-Szene und setzt bei seinen Kollektionen regelmäßig auf prominente Persönlichkeiten aus Musik, Sport und Popkultur. Die Verbindung mit bekannten Namen soll die Aufmerksamkeit für neue Produkte erhöhen und die Marke über ihre klassische Kundschaft hinaus sichtbar machen.
Zu den Künstlern, die in früheren Kampagnen oder auf Kleidungsstücken des Labels auftraten, gehörten unter anderem André 3000, NBA YoungBoy und Tyler, the Creator. Auch die Zusammenarbeit mit Martine Rose und Mike Tyson sollte an diese Tradition anknüpfen. Nun droht ausgerechnet ein Produkt, das die Geschichte des Boxers feiern sollte, zum Gegenstand eines Rechtsstreits zu werden.
Parallel dazu steht Tyson erneut im Mittelpunkt einer größeren medialen Aufmerksamkeit. Netflix hat eine vierteilige Dokumentarserie mit dem Titel »Tyson« veröffentlicht, die seine Karriere im Boxring ebenso beleuchtet wie die Kontroversen und Schwierigkeiten in seinem Privatleben. ja