Fernsehen

Lebensziel Dschungelkönig

Gil Ofarim Foto: picture alliance/dpa (edited)

Gibt es so etwas wirklich, das Lebensziel, irgendwann einmal Dschungelkönig zu sein? Oder Dschungelkönigin? Die Antwort mag überraschen, aber sie lautet: Ja. Von Staffel zu Staffel dieser Trashshow immer mehr.

Es lässt sich beobachten, dass jeder Dschungelkönig und jede Dschungelkönigin der vergangenen Jahren eine Steigerung seines oder ihres gesellschaftlichen Ansehens erleben durfte. Vom zunächst mit Häme bedachten B-Promi, der es nötig hat, in so eine Trashshow zu gehen, stiegen sie zu einer Persönlichkeit auf, von der man im Laufe der zwei Wochen neben ein paar Schwächen doch vor allem Stärken erleben durfte.

Ob es sich um Schlagersänger Joey Heindle (2013), Castingshow-Verlierer Menderes Bağcı (2016) oder Überall-Kandidatin Evelyn Burdecki (2019) handelte: Sie alle waren vorher irgendwelche TV-Stars, die bloß belächelt oder verlacht wurden, sich aber gerade durch die erfolgreiche und von den Zuschauern honorierte Selbstpräsentation während der sehr intensiven Dschungelwochen vom Negativimage absetzen konnten.

Amtierendes Dschungeloberhaupt

Das dürfte die Chance sein, die die RTL-Show ihren B-Promis (und teilweise ja auch, sind wir mal ehrlich, C-Promis) bietet. Es ist eine Karriereoption, die wesentlich wertvoller ist als die 100.000 Euro, die es für den Gewinn gibt. Mehr kommt es darauf an, dass dieser Star als amtierendes Dschungeloberhaupt ein Jahr lang durch allerlei RTL-Formate gereicht wird.

Lesen Sie auch

Im aktuellen RTL-Dschungel geht der Wahlkampf um die so sehr begehrte Dschungelkrone in die heiße Phase. Etliche der Camper haben schon durchblicken lassen, wie wichtig ihnen dieser Titel ist, den man ja auch — mit ein bisschen Abstand vom Fernsehbetrieb — mit guten Gründen als recht lächerlich betrachten kann.

Die Bedeutung dieser albernen Krone hat, so vermute ich, wenig bis gar nichts damit zu tun, dass diese Promis irgendwie doof wären, sondern ziemlich genau mit dem Gegenteil. Sehr klug hat diesen Gedanken eine Tochter des rausgewählten Stephen formuliert, als sie ihren Vater in einem Restaurant in die Arme nahm: »Wir waren überrascht, dass du uns nicht blamiert hast.«

Respekt im Trash

Im Grunde hat sie damit ausgedrückt, wie die Show funktioniert: Alle erwarten unangenehmsten, peinlichsten und ekelhaftesten Trash. Doch wenn, nachdem wir uns schon ein bisschen an solche Merkwürdigkeiten wie »Dschungelprüfung« oder »Schatzsuche« gewöhnt haben, sich herausstellt, dass selbst in diesem Fernsehformat, das doch angeblich nur vom Baden in Fäkalien, Fressen von Hoden und unendlichen Beleidigungen lebt, soziale, menschliche Qualitäten zählen, dann entsteht auch etwas, das keiner vorab prognostiziert hätte: Respekt.

Tatsächlich ist die Frage, was die Kandidaten antreibt, auch Gesprächsthema im Dschungel. »Ist es, weil du hier gewinnen willst? Oder ist es wegen dem Geld?«, fragt Ariel Gil nach seinem Plan in der Show. Der antwortet: »Ich will, genauso wie du, genauso wie jeder hier, gewinnen.« 

Hardy berichtet, dass sich vor der Dschungelshow drei verschiedene Leute bei ihm gemeldet haben, ein Konzept für den Dschungelsieg auszuarbeiten. Da müsse er sich nur an deren Tipps halten und dann Prozente abdrücken. Er hat sich auf die unseriösen Angebote nicht eingelassen, aber schon allein, dass es dieses Geschäftsmodell gibt, zeigt, welchen Stellenwert dieser merkwürdige Titel »Dschungelkönig« mittlerweile in dieser Gesellschaft.

Eva kann übrigens diesen Thron nicht mehr besteigen. Sie wurde aus dem Camp gewählt.

Los Angeles

Kate Hudson bekommt »Walk of Fame«-Stern

Die jüdische Schauspielerin ist einer von 33 Stars, die eine Ehrung auf dem Hollywood Boulevard erhalten sollen

 24.07.2026

London

Gal Gadot spielt Hauptrolle in rasantem Thriller »The Runner«

Gadot spielt die erfolgreiche Wirtschaftsanwältin Maia Marten, deren Leben aus den Fugen gerät, als ihr Sohn entführt wird

 23.07.2026

Geheimnisse & Geständnisse

Plotkes

Klatsch und Tratsch aus der jüdischen Welt

von Katrin Richter, Imanuel Marcus  23.07.2026

Interview

»Es geht um das aktuelle jüdische Leben in unserem Land«

Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) über ein neues Kompetenznetzwerk zu jüdischer Gegenwartsforschung, eine Förderrichtlinie und den Einsatz gegen Israel-Boykott

von Leon Stork, Ayala Goldmann  23.07.2026

Chicago

Heavy-Metal-Auftritt: William Shatner geht mit 95 auf die Bühne

Mit seiner Gruppe The *uckers hat der jüdische Schauspieler und Musiker auch sein erstes Album aufgenommen. Der Titel: »What the F Is Heavy Metal«

 23.07.2026

Kulturkolumne

Kampf um eine schwarze Puppe

Erinnerungen an einen gar nicht idyllischen Sommerurlaub in Österreich in den 60er-Jahren

von Maria Ossowski  23.07.2026

Literatur

Zoff im PEN-Club

Wie erwünscht sind jüdische Schriftsteller heute noch in den USA?

von Hannes Stein  23.07.2026

Programm

Marathon-Mann, Swingende Hermline und ein festliches Triple in Karlsruhe: Tipps und Termine

Termine und Tipps für den Zeitraum vom 23. Juli bis zum 30. Juli

 22.07.2026

Europatournee

Bob Dylan kommt im Herbst nach Deutschland

Der jüdische Sänger und Songschreiber wird sieben deutsche Bühnen in Beschlag nehmen. Heute beginnt der Vorverkauf

 22.07.2026