London

»In The Grey«: Jake Gyllenhaal als Schuldeneintreiber

Der vielbeschäftigte Darsteller Jake Gyllenhaal Foto: picture alliance / James Warren/Famous/STAR MAX/IPx

Zwielichtige Geschäfte, coole Typen, flotte Sprüche und rasante Action - Kultregisseur Guy Ritchie bleibt mit seinem neuen Film In The Grey seiner Lieblingswelt treu. Allerdings dreht sich der Actionthriller nicht um klassische Gangsterfiguren, sondern um Menschen, die sich in einem Bereich irgendwo zwischen Gesetz und Unterwelt bewegen. Die Story basiert laut Ritchie auf wahren Begebenheiten.

»Es gibt also diese Grauzone, von der nur sehr wenige Menschen wissen«, sagt Ritchie. »Dort verdienen ehemalige Elitesoldaten und Mitglieder von Spezialeinheiten nach ihrer regulären Militärkarriere ihren Lebensunterhalt damit, die Sicherheit bestimmter Anwälte zu gewährleisten, die zwielichtige Figuren dazu bringen, ihre Schulden zu begleichen.«

In »In The Grey« stehen zwei ehemalige Elitesoldaten im Mittelpunkt. Bronco wird vom jüdischen Hollywoodstar Jake Gyllenhaal verkörpert, Sid von seinem Kollegen Henry Cavill. Beide arbeiten für die Anwältin Rachel Wild (Eiza González), deren Spezialität das Eintreiben von hohen Schulden ist. Mit ihrem Team spüren sie Kriminelle auf und setzen sie mit verschiedenen Methoden systematisch unter Druck - eine Mischung aus legalen, juristischen Maßnahmen und Bestechung, Sabotage, Intrigen.

Teneriffa und Saudi-Arabien

»Ich habe zufällig einen befreundeten Anwalt«, erzählt Ritchie. »Und die besten Geschichten, die ich je gehört habe, stammen von ihm – wenn er mir erzählt, wie er früher Schulden eingetrieben hat. Wenn man merkt, dass man Menschen aufspüren und auf kreative Weise dazu bringen kann zu zahlen, dann wird Jura plötzlich kreativ und interessant.«

Rachel hat es auf den mächtigen Gangsterboss Manny Salazar (Carlos Bardem) abgesehen, der Schulden in Milliardenhöhe hat. Rachels Vorgänger und dessen Leibwächter ließ er auf seiner Privatinsel einfach töten. Die ehrgeizige und abgezockte Anwältin ist gewarnt. Sie setzt alle Hebel in Bewegung, um Salazar an den Verhandlungstisch zu bekommen. Doch Gespräche mit ihr will Salazar allenfalls auf seiner Privatinsel führen. Dazu müsste das Team in die Höhle des Löwen.

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»In diesem Film geht es um milliardenschwere Schulden«, erzählt Ritchie, der in Spanien - vor allem auf Teneriffa - und Saudi-Arabien drehte. »Die Geschichte basiert eigentlich auf einem Fall über 50 Milliarden Dollar, aber ich glaube nicht, dass irgendjemand diese 50-Milliarden-Geschichte glauben würde. Wie man so schön sagt: Die Wahrheit ist oft seltsamer als die Fiktion.«

Nächster Satz

Laut Gyllenhaal unterscheidet sich Ritchie in seiner Arbeitsweise deutlich von anderen Regisseuren. »Es funktioniert überhaupt nicht wie bei normalen Filmen.« Ritchie schneide Szenen bereits während der Dreharbeiten zusammen und entwickle daraus neue Ideen. »Alle bleiben permanent aufmerksam«, so Gyllenhaal, der sich offensichtlich auch mit Cavill gut verstand. »Und wenn man das mag – was wir beide definitiv tun –, dann hat man eine verdammt gute Zeit.«

Teilweise seien neue Dialoge erst kurz vor dem Dreh verteilt worden. »Nur Minuten vorher. Wirklich Minuten vorher«, sagt Cavill. Gyllenhaal ergänzt: »Alles, was ich gemacht habe, war Henry die Daumen zu drücken, dass er seinen nächsten Satz nicht vergisst. Und als er es geschafft hatte, bekam ich Panik, weil ich plötzlich meinen Text kennen musste.«

Gyllenhaal spielte bereits in Ritchies The Covenant (2023) mit, Cavill - und auch Gonzáles - in The Ministry of Ungentlemanly Warfare (2024). »Für mich waren sie die perfekte Besetzung für genau die Figuren, die ich im Kopf hatte«, sagt Ritchie.

Nur 100 Minuten

Das Drehbuch verlangt den beiden männlichen Stars schauspielerisch allerdings wenig ab. Zwar machen sie als gut aussehende Actionhelden mit Grips eine gute Figur. Aber beide verkaufen sich hier unter Wert. Gern hätte man mehr von ihnen gesehen. Etwas mehr Tiefe und ein paar zusätzliche oder längere Dialoge hätten sicher nicht geschadet.

Die systematische Ausführung des Plans, dessen Höhepunkt sich schon vorher andeutet, ist wirklich unterhaltsam. Obwohl auch diesbezüglich an einigen Stellen das Gefühl bleibt, dass noch mehr möglich gewesen wäre (Stichwort: Zipline). Die Actionszenen sind temporeich und ansehnlich, auch weil Ritchie eher auf physische Stunts als auf digitale Effekte setzt und dadurch alles angenehm real aussieht.

Filme wie dieser sind im Mainstream-Kino selten geworden. Die kurzweilige Mischung aus Heist-Thriller und Actionfilm mit trockenem Humor ist eine erfreuliche Abwechslung. Mit knapp 100 Minuten ist In The Grey allerdings etwas kurz geraten. Am Ende bleibt das Gefühl, dass deutlich mehr drin gewesen wäre. (mit ja)

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