Berlinale Shorts

In der Kürze ...

Yolande Zauberman stellt ihren Kurzfilm »Les Juif Riches« vor Foto: Les Juifs Riches/Yolande Zaubermann

... liegt ja bekanntlich die Würze. Und deswegen gibt es auch auf der 76. Berlinale die beliebte Rubrik »Berlinale Shorts«. Zwei Filme der insgesamt vier mehrstündigen Kurzfilm-Blöcke setzen sich mit jüdischen Lebenswelten auseinander. Wir stellen sie Ihnen vor – auch in aller Kürze.

Les Juifs Riches von Yolande Zauberman

Was für eine schöne Chuppa und diese Barmizwa erst. Groß, ausschweifend, die besten Kleider, die schönsten Säle – die Szenen in Yolande Zaubermans Kurzfilm Les Juifs Riches beeindrucken. Was für Feiern müssen das wohl gewesen sein, die mit den Kameras für die Familie festgehalten wurden? Sieht man nur die Bilder könnte man denken: Schöne Welt.

Yolande Zaubermn (Berlinale Shorts)Foto: FRA 2026, Berlinale Shorts

Aber die französische Regisseurin Yolande Zauberman bricht diese feierlichen Bilder. Mit ihren Erzählungen einer anderen, einer traurigen Familienchronik. Die von in Vernichtungslagern ermordeten jüdischen Verwandten, von dem versuchten Überleben ohne Verwandte. Zauberman erzählt mit einer ruhigen Beiläufigkeit diese Biografien, als blätterte sie durch ein Fotoalbum.

Die 70-jährige Regisseurin, die für ihren Dokumentarfilm La Belle de Gaza aus dem Jahr 2024, über eine Transperson, die von Gaza nach Tel Aviv geflüchtet sein soll, eine lobende Erwähnung beim 31. Jüdischen Filmfestival Berlin Brandenburg erhalten hatte, hat ihrem jüngsten Dokumentarfilm einen Rhythmus gegeben: Farbvideos, Familiengeschichten, danach immer ein kleiner Moment des Lächelns. Als ob es der traurige Lauf der Welt ist, dass nach Lachen immer Weinen kommt.


Plan Contraplan von Radu Jude und Adrian Cioflâncă

Volle Milchflaschen, leere Regale, Tische mit bescheidenen Suppentellern und wenig Suppe – die Momente, die der jüdische Fotograf Edward Serotta Mitte der 80er-Jahre in Rumänien mit seiner Kamera festgehalten hat, sind ein Abbild der Armut. Verfallende Häuser, mitten in Bukarest klafft eine riesige Baustelle, auf der nichts in die Höhe wächst, auch dann nicht, wenn eine hohle Losung des Diktator Nicolae Ceaușescu davorsteht.

Serotta wollte trotzdem in das osteuropäische Land, musste vorher versichern, dass seine Absichten nur positiv seien und er nichts negatives zeigen würde. Zwei Jahre umfassen seine Aufnahmen, die in dem Kurzfilm Plan Contraplan von Radu Jude und Adrian Cioflâncă auf der Berlinale gezeigt werden.

Spiegelbild (Foto: Edward Serotta)Foto: Edward Serotta

Einen besonderen Schwerpunkt legte Serotta auf das Fotografieren jüdischen Lebens in Rumänien. Obwohl er das eigentlich, wie er im Film erzählt, gar nicht vorhatte. Aber irgendwas zog ihn zu den Orten hin. Also besuchte er Gedenkorte, Gemeinden, Menschen. Er war dabei nicht allein. Zwar hatte Begleitungen, die er kannte.

Aber er wurde auch von Unbekannten beobachtet – und fotografiert. Diese Unbekannten waren Mitarbeiter des rumänischen Geheimdienstes »Securitate«. Sie folgten Serotta auf Schritt und Tritt und hielten in Notizen fest, was »dieser Amerikaner« da so tat, mit seiner Kamera in Rumänien. Die stupide Akribie dieser Securitate-Mitarbeiter schreit durch den zweigeteilten Film. Hätten sie doch die Zeit, in der sie Menschen beschatteten dafür genutzt, für das Wohl der Bürger zu sorgen: die Suppenteller wäre voll gewesen, die Regale vielleicht auch.

Die Idee zum Film, erzählt Adrian Cioflâncă, sei während der Pandemie entstanden. Beide Regisseure kannten Serotta durch dessen Oral History Projekt »Centropa«, das jüdisches Leben im 20. Jahrhundert dokumentiert. Serottas Fotos sind ein Teil davon, den man sich unbedingt ansehen sollte.

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