Tel Aviv

Immer mehr Ärzte verlassen Israel – fast 1400 Mediziner gehen ins Ausland

Israelische Ärzte bei einer Operation im Wolfson Medical Center Foto: copyright (c) Flash90 2018

Israel verliert zunehmend Ärzte an das Ausland. Einer Studie der Universität Tel Aviv zufolge haben zwischen 2023 und 2025 rund 1370 Mediziner das Land für mindestens zwölf Monate verlassen. Die Entwicklung könnte langfristig erhebliche Folgen für das israelische Gesundheitssystem haben.

Besonders deutlich zeigt sich der Anstieg im Vergleich zu früheren Jahren. Zwischen 2023 und 2025 lag die Zahl der Ärzte, die Israel für mindestens ein Jahr verließen, nach Angaben der Forscher um 94 Prozent höher als im vergleichbaren Zeitraum von 2013 bis 2015.

Allein 2023 gingen 416 Ärzte ins Ausland. Im darauffolgenden Jahr waren es 530. Für 2025 liegt bislang eine vorläufige Zahl von 419 Ärzten vor. Die tatsächliche Zahl könnte sich nach Abschluss der Auswertung noch verändern.

Kinder- und Augenärzte

Auch unter Berücksichtigung jener Mediziner, die nach einem Auslandsaufenthalt nach Israel zurückkehrten, fällt die Bilanz negativ aus. Für die Jahre 2023 und 2024 errechneten die Forscher einen Nettoverlust von 509 Ärzten – durchschnittlich etwa 255 pro Jahr. Zum Vergleich: Zwischen 2010 und 2019 verlor Israel netto im Schnitt lediglich 54 Ärzte jährlich.

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Von der Entwicklung sind Ärzte aus unterschiedlichen Fachrichtungen betroffen. Besonders häufig verließen Kinderärzte, Augenärzte, Dermatologen sowie Fachärzte für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde das Land. In diesen Bereichen lag der Anteil jeweils bei rund 6,2 Prozent. Unter den abgewanderten Medizinern waren zudem etwa sechs Prozent Chirurgen, 4,7 Prozent Intensivmediziner und 3,9 Prozent Internisten.

Besorgniserregend ist aus Sicht der Wissenschaftler vor allem, dass zunehmend erfahrene Ärzte das Land verlassen. Mindestens 14 Prozent der Mediziner, die Israel den Rücken kehrten, gehörten zu dieser Gruppe. Etwa jeder fünfte ausgewanderte Arzt war älter als 45 Jahre.

Nächste Generation

Die Zahlen bedeuten allerdings nicht automatisch, dass all diese Ärzte Israel dauerhaft verlassen haben. Ein Aufenthalt von mehr als zwölf Monaten kann auch mit einer Spezialisierung, einem Forschungsprojekt oder einer anderen beruflichen Weiterbildung im Ausland zusammenhängen. Einige Mediziner kehren anschließend zurück, während andere sich entscheiden, dauerhaft im Ausland zu bleiben.

Nach Einschätzung der Forscher könnte der Trend dennoch die medizinische Versorgung und insbesondere die Ausbildung des ärztlichen Nachwuchses beeinträchtigen. Je mehr erfahrene Ärzte fehlen, desto schwieriger könnte es werden, die nächste Generation von Medizinern auszubilden. Zugleich besteht die Gefahr längerer Wartezeiten für Patienten. »Seit 2023 verliert der Staat Israel seine besten Leute«, sagte der an der Untersuchung beteiligte Professor Itai Ater.

Er verwies dabei auf die unmittelbaren Auswirkungen für Patienten: »Wir alle haben Verwandte, die auf eine Operation oder eine andere medizinische Behandlung warten. Der Weggang von fast 1.400 Ärzten führt direkt zu längeren Wartezeiten, weniger wirksamer medizinischer Versorgung und letztlich zu einer erheblichen Beeinträchtigung unserer Lebensqualität. Wenn dieser Trend, Gott bewahre, anhält, wächst die Sorge, dass er irreversible Schäden für die Widerstandsfähigkeit Israels verursachen wird.« im

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