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»Golden Girls«

Die »Golden Girls« 1985 Foto: picture alliance / Everett Collection

Unter dem ewigen Studiolicht scheint nicht nur so gut wie immer die Sonne, sondern dort werden auch Tag und Nacht Streits ausgefochten und persönliche Dramen geteilt. Männer kommen physisch nur am Rande vor, sind zwar dann und wann Gesprächsthema, aber selten Dreh- und Angelpunkt des Geschehens im Bungalow der Frauen-WG von Miami Beach.

1985 liefen erstmals die Golden Girls über die TV-Bildschirme der USA, fünf Jahre später auch in Deutschland. Vier Frauen Mitte, Ende 50 bis Anfang 80: Sophia, die freche Italoamerikanerin (Estelle Getty), Blanche, die neurotische Südstaatlerin (Rue McClanahan), Rose, die naive Farmerstochter aus dem Mittleren Westen (Betty White) und die hochgewachsene Dorothy (Bea Arthur).

Letztere schien die klügste Mitbewohnerin zu sein, verkörperte am ehesten das Klischee einer Linksliberalen im Strickpullover und stand inhaltlich der Serienschöpferin Susan Harris wohl am nächsten. Sie war eine nur vermeintliche Zynikerin, die Veränderungen in die Köpfe ihrer oft starrsinnigen, aber liebenswerten Mitbewohnerinnen brachte. Sozial brisante Themen wie Abschiebungen oder Antisemitismus verhandelte die Serie beiläufig im Ton, aber klar in der Sache.

Das Setting: Miami, im »Shtetl by the Sea«

Bei diesem Setting – Miami, 80er-Jahre, Frauen im besten Alter – an jüdische Rentnerinnen zu denken, wäre naheliegend: Nicht umsonst wurde die Florida-Metropole »Shtetl by the Sea« genannt, dank der zahlreichen, oft noch jiddischsprachigen Bewohnerinnen und Bewohner, die hier ihre Ferien oder gleich ihren Lebensabend verbrachten. Sichtbarkeit in der US-amerikanischen Kulturindustrie versprach das Mitte der 80er-Jahre noch lange nicht.

Estelle Getty hatte gefordert, die scharfzüngige Sophia als jüdische Figur spielen zu dürfen – was ihr auch im Schlagabtausch mit Serientochter Dorothy, beide Schauspielerinnen waren Jüdinnen, leichter fiele. Das wurde abgelehnt, eine Italoamerikanerin sei fürs breite Publikum zugänglicher. 40 Jahre später bleiben die Golden Girls nicht nur schlaues Unterhaltungsfernsehen, sondern im Subtext auch eine Erzählung über sichtbare und unsichtbare Biografien. Vor allem aber eine visionäre Serie, die schon in den jugendwahnhaftigen 80ern ausschließlich ältere, selbstbestimmt männerlos lebende Frauen in den Fokus rückte.

Alle sieben Staffeln von »Golden Girls« sind bei Prime, Disney+ und Apple+ verfügbar.

Burkhard C. Kosminski

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