Bei der Fußball-WM erfasst wieder alle das Fußball-Fieber. (Versprochen, es wird kein »Wieso erliegen alle dem Fußball?«-Text!) Alle außer mir – denn ich brauche keine Weltmeisterschaft, um mich dafür zu begeistern. Ich mag diese Sportart auch so und vor allem dann, wenn ich sie selbst spielen darf. Teamgeist, kleine Erfolgserlebnisse und ein Umfeld, in dem sich jeder willkommen fühlt, sind die wahren Treiber von Fußball, finde ich.
So habe ich auch dieses Jahr in einer Damenmannschaft (seltsames Wort eigentlich, aber lassen wir das Gendern, es ist in diesem Kontext wirklich unpassend) beim jährlichen Grümpelturnier von Maccabi Schweiz teilgenommen. Zu meinem Erstaunen waren wir dieses Jahr die einzige Gruppe in unserer Kategorie. Also mussten wir gegen jüngere Damen spielen, was herausfordernd war. Denn Spielerinnen im Teenager-Alter, vor allem solche, die professionell in einem Verein spielen, sind zum Teil unbezwingbar. Aber das war Nebensache. Die Freude am Spiel und der Spaß standen im Vordergrund.
Zu meiner noch größeren Überraschung gibt es jedoch kaum jüdische Mädchen unter zehn Jahren, die zum Fußballtraining gehen. Noch immer stehen Ballett oder Tanzen an erster Stelle – was zwar auch etwas Tolles ist. Es ist wunderbar, sich im Tanz auszudrücken oder sich nach Musik zu bewegen. Jede Sportart soll Freude bereiten. Ich frage mich aber, warum es bis dato nicht gelungen ist, (vor allem auch jüdische) Mädchen mehr für Fußball zu begeistern. Wenn ich an das Sportereignis am vergangenen Wochenende zurückdenke, so hat sich ein klassisches Bild ergeben: unzählige Mannschaften für Jungen, einige wenige für Mädchen. Und die teilnehmenden Mädchen? In der Tat etwas verloren auf diesem großen Platz, keine Hechtsprünge, aber auch keine Umarmungen bei geschossenen Toren. Irgendwie ein Trauerspiel bei gefühlten 40 Grad …
Woran liegt es also, dass Mädchen sich generell weniger für Fußball interessieren?
Woran liegt es also, dass Mädchen sich generell weniger für Fußball interessieren? Dabei gibt es doch immer mehr Angebote für Mädchen, Profi-Spielerinnen und mediale Aufmerksamkeit. Trotzdem sind Frauen im Fußball vielerorts immer noch deutlich unterrepräsentiert. Dass es gesellschaftliche Prägungen sind, die bereits im frühen Kindesalter anerzogen werden, ist kaum von der Hand zu weisen. Mannschaftssport – und ja, jetzt fange ich an zu gendern – ist nach wie vor männlich konnotiert, genauso wie Ballsport und Wettkampf generell. Kinder und Eltern entscheiden sich oft nicht allein für einen Sport, sondern orientieren sich an Freundinnen und Freunden. Wenn in einer Klasse niemand Fußball spielt, ist die Hemmschwelle höher, selbst damit anzufangen.
Natürlich gibt es immer Ausnahmen. Aber es ist nicht unüblich, dass Mädchen andere, traditionellere Freizeitangebote empfohlen oder vorgelebt bekommen. Sie haben zwar mittlerweile auch angefangen, Panini-Bilder zu sammeln, aber ich würde meine Hand dafür ins Feuer legen, dass kaum jemand (auch die wenigsten Erwachsenen) die Namen von Profi-Fußballerinnen aufzählen könnte.
Hinzu kommt, dass Fußball nach wie vor als »Jungensport« wahrgenommen wird. Obwohl sich dieses Bild zunehmend verändert, wirken solche Rollenbilder teilweise bis heute nach. Nicht mehr lange, hoffe ich.
Bis dahin, Mädels, streamt den Film Bend it like Beckham und schießt mit euren Freundinnen ein paar Tore! Es lohnt sich, denn es macht wirklich Spaß!