EILMELDUNG! Likud-Bündnis mit 56 Sitzen vorn. Eisenkots Bündnis kommt auf 48 Sitze.

Filmfestspiele

Gal Gadot wird zur Hassfigur in Venedig

Gal Gadot Foto: picture alliance / Jordan Strauss/Invision/AP

Gal Gadot wurde zu den Filmfestspielen in Venedig eingeladen, weil sie in »In the Hand of Dante«, dem neuen Film von Julian Schnabel, mitspielt, der in Venedig außerhalb des Wettbewerbs gezeigt wird. Der Film basiert auf einem Buch von Nick Tosches und handelt davon, wie ein New Yorker Mafiaboss an eine Kopie eines unschätzbar wertvollen Manuskripts der »Göttlichen Komödie« gelangt.

Der Streifen hat zwei parallele Handlungsstränge, einen angesiedelt im 14. Jahrhundert, der Dante Alighieri folgt, und einen in den frühen 2000er Jahren, der vom Schicksal des Manuskripts handelt. Gadot spielt Berichten zufolge in beiden Zeitlinien eine Rolle. Neben ihr gehören ebenfalls zur Besetzung Oscar Isaac, Jason Momoa, Gerard Butler, Al Pacino und Martin Scorsese.

Nun forderte der italienischen Zeitung »La Repubblica« zufolge das Künstlerinnen- und Künstler-Kollektiv »Venice4Palestine« per offenem Brief, die Einladungen der Schauspieler Gal Gadot und Gerard Butler zu den diesjährigen Filmfestspielen in Venedig zurückzuziehen – mit der Begründung, beide hätten sich öffentlich für die israelischen Militäraktionen in Gaza ausgesprochen. Der Brief wurde von über 1500 Filmschaffenden unterschrieben.

Die Unterzeichner forderten dabei auch die Biennale, die neben dem Filmfestival auch mehrere andere Kunstfestivals sponsert, auf, entschieden Stellung zum Krieg in Gaza, gegen Israel und für die Palästinenser zu beziehen. Festival sowie die Biennale antworteten darauf, es seien »Orte offener Diskussion und Sensibilität in Bezug auf die drängendsten Probleme der Gesellschaft und der Welt«. Ein Boykott israelischer Künstler werde entschieden abgelehnt.

Auch Regierungspolitiker verurteilten die Aktion von Venice4Palestine als »zuviel des Guten« – im Sinne eines zu heftigen Protests, der kulturelle Vielfalt und Dialog untergräbt.

Teilnahme nie geplant

Gal Gadot wird allerdings sowieso nicht am Festival teilnehmen. Laut verschiedenen Medien war ihre Teilnahme nie geplant, und daher nicht mehr als ein Gerücht – womöglich, um politischer Kontroverse aus dem Weg zu gehen. Ein Sprecher von Gadot gab jedoch an, ihre Teilnahme sei nie bestätigt worden. Gadot verbringt den Sommer normalerweise mit ihrer Familie in Israel.

Lesen Sie auch

Das Festival steht dieses Jahr steht unter dem thematischen Motto »Monster« – wobei nicht nur klassische Horrorfiguren im Fokus stehen, sondern auch reale »Monster« wie Diktatoren, Kriege und Atomdrohungen. Die Filmemacherinnen und -macher begegnen diesen Themen, um gesellschaftspolitische Spannungen sichtbar zu machen. Zudem wird mit dem Film »The Voice of Hind Rajab« das Porträt eines tragischen Einzelschicksals präsentiert: Ein fünfjähriges palästinensisches Mädchen wird beim Fluchtversuch aus Gaza im Januar 2024 getötet.

Dass politischer Aktivismus auf dem roten Teppich entstehen soll, wie nun mit der vermeintlichen Ausladung Gadots, ist keinesfalls neu. Die Tatsache, dass Gadot gar nicht anwesend ist, relativiert zwar die Kontroverse, macht sie aber nicht bedeutungslos. Das Festival versucht derweil, sich durch eine politisch aufgeladene Filmauswahl als relevante Plattform für heutige Konflikte zu positionieren – von individueller Gewalt bis zu globaler Krise.

Das Filmfestival beginnt heute und läuft bis zum 6. September.

Philologie

Mehr als Dolmetscher

Jüdische Übersetzer haben nicht nur zwischen den Sprachen vermittelt, sondern dabei auch eigene Denkformen geprägt

von Katharina Hillmann  27.10.2026

Bucerius Kunst Forum

Verstreute Meisterwerke

Eine Ausstellung in Hamburg vereint rund 100 Gemälde, Grafiken und Skulpturen aus 15 jüdischen Sammlungen und erinnert an den Kunstraub der Nationalsozialisten

von Edgar S. Hasse  27.10.2026

Kino

Wiener Blut

Ulrike Ottinger lädt in der Horrorkomödie »Die Blutgräfin« zum morbiden Vampirvergnügen und schwelgt in opulenten Bildern. Isabelle Huppert geht perfekt gestylt auf Beutezug

von Anna Maria Pahlke und Sophie Albers Ben Chamo  27.10.2026

Jerusalem

Cohen interpretiert Cohen

Der israelische Jazz-Musiker Avishai Cohen hat sich für sein neues Album ein Buch des legendären Singer-Songwriters Leonard Cohen vorgenommen

von Imanuel Marcus  27.10.2026

Nachruf

»Star Trek«-Star Walter Koenig ist tot

Seine Rolle als Pavel Chekov hatte eine humoristische Funktion. Der Charakter sollte jüngere Zuschauer ansprechen

 27.10.2026

Glosse

Der Rest der Welt

Rote Bänke, erschöpfte Katzen – ein Nachmittag in Amsterdam

von Margalit Edelstein  26.10.2026

Düsseldorf

50 Jahre Kiss in Deutschland: Doro Pesch feiert ihre Helden

Wegen Kiss fing Doro Pesch mit der Musik an. Später wurde der jüdische Bassist, Sänger und Bandleader Gene Simmons ihr Mentor. Seither ist ein halbes Jahrhundert vergangen

von Philip Dethlefs  26.10.2026

Entgleisung

Kein Skandal ist der Skandal

Milo Rau macht aus Wagners »Fliegendem Holländer« an der Deutschen Oper Berlin eine groteske Abrechnung mit Israel – und erntet dafür kaum einen Buh­ruf

von Maria Ossowski  26.10.2026

Brüssel/Gütersloh

Lucky Luke wird in Jubiläums-Comic zum Heiligen

Ein Cowboy kann nach acht Jahrzehnten noch viel erleben. Zwischen Saloon und Prärie warten in dem lange von einem jüdischen Texter dominierten Comic häufig Gegenwartsthemen

von Shireen Broszies  26.10.2026