Didaktik

Etwas weniger einseitig

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Didaktik

Etwas weniger einseitig

Das Israel-Bild in deutschen Schulbüchern hat sich seit 2015 leicht verbessert. Doch der 7. Oktober bringt neue Herausforderungen

von Geneviève Hesse  22.12.2025 08:20 Uhr

Eine positive Entwicklung des Israel-Bildes» stellt Alfons Kenkmann, Professor für Didaktik der Geschichte, in seiner Auswertung von zehn deutschen Geschichtsschulbüchern aus den Erscheinungsjahren 2021 bis 2025 im Auftrag der deutsch-israelischen Schulbuchkommission (DISBK) fest. Seine Studie hat er dieser Tage im Auswärtigen Amt in Berlin vorgestellt.

Dies sei jedoch nur das Ergebnis einer Stichprobe, die innerhalb von drei Monaten erstellt wurde, betont der Koordinator der DISBK, Dirk Sadowski. Im Jahr 2015 hatte die deutsch-israelische Schulbuchkommission drei Jahre Zeit, um rund 150 Schulbücher aus beiden Ländern zu untersuchen. Dabei fand ein intensiver Austausch mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus Israel statt. Das damalige Fazit: Israel tauche in deutschen Schulbüchern fast nur als Aggressor im Krieg sowie mit emotional aufgeladenen Schlagwörtern auf.

Mit vorsichtigem Optimismus beschreibt Kenkmann die Verbesserungen der vergangenen Jahre. Auch wenn Israel in fast allen Lehrwerken weiterhin ausschließlich im Kontext des Nahostkonflikts dargestellt werde, werde die Komplexität der Geschichte inzwischen besser gespiegelt. Die Inhalte gingen stärker auf die Wurzeln des Konflikts und auf Lösungsansätze ein. Die Quellen würden sorgfältiger ausgewählt, die «Äquivalenz der Perspektiven» sei verbessert. Damit meint Kenkmann eine ausgewogene Auswahl von Zeitzeugenberichten, die neutral wirkt.

Quellen würden sorgfältiger ausgewählt, so die deutsch-israelische Schulbuchkommission.

In früheren Lehrwerken wurde zur Frage der israelischen Siedlungen im Westjordanland etwa ein Interview mit einem 70-jährigen Siedler und einem 16-jährigen palästinensischen Mädchen gegenübergestellt – ein offensichtlich unausgewogenes Szenario hinsichtlich der Wirkung auf deutsche Schulklassen. Die neuesten Geschichtsschulbücher akzentuieren die Vielfalt der Akteure in der Geschichte des Konflikts.

Eine einzige Schulbuchreihe hat laut Kenkmanns Stichprobe die eine Empfehlung aus dem Jahr 2015 umgesetzt, Israel auch außerhalb des politikgeschichtlichen Kontexts darzustellen. In den Geschichtsbüchern «Zeitreise» des Klett-Verlags für 9. und 10. Klassen steht unter der Überschrift «Andere Bilder von Israel»: «Viele Menschen in Deutschland verbinden Israel mit den Themen ›Holocaust/Schoa‹, ›Nahostkonflikt‹ oder ›Heiliges Land‹. Daraus setzt sich ein bestimmtes Bild von Israel zusammen. Doch dieses Bild ist unvollständig.»

Pride Parade und Astronauten

Als Illustration zeigt ein Foto eine große Menschenmenge bei einer LGBT Pride Parade am Strand von Tel Aviv. Die Unterschrift lautet: «Auf der Parade wird die Freiheit aller Lebensformen gefeiert.» Ein weiteres Foto zeigt zwei israelische Astronauten, die eine Mars-Mission in einem Krater in der Negevwüste simulieren – die geografischen Voraussetzungen böten dafür eine gute Grundlage, so die Bildunterschrift.

Auf noch weitere Facetten der israelischen Gesellschaft weist Kenkmann mit der israelischen Teilnahme am Eurovision Song Contest und an den Maccabi-Fußballspielen hin. Zwar könnten die Themen leicht zu polarisierten Debatten im Klassenzimmer führen, doch müsse man sich diesen stellen.

Die Schulbuchreihe «Zeitreise» ist zudem die einzige aus der Stichprobe, die der Empfehlung folgt, die deutsch-israelischen Beziehungen breiter zu thematisieren. Drei Abschnitte behandeln das Luxemburger «Wiedergutmachungsabkommen» von 1952, die Aufnahme diplomatischer Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland 1965 sowie die fehlende Anerkennung des Staates Israel durch die DDR. Ein Foto zeigt Massenproteste in Tel Aviv gegen das Luxemburger Abkommen. In der Bildunterschrift heißt es: «Auf den Transparenten ist unter anderem von der ›Schande der Verhandlung‹ mit den ›Mördern unserer Kinder‹ die Rede.»

Fast alle untersuchten Schulbücher thematisieren den Zionismus. Meist geschieht dies knapp, mit Ausnahme von «Forum Geschichte 13» für Bayern. Dort wird zum Beispiel die Zeichnung «Von der Diaspora nach Zion» von Ephraim Moses Lilien aus dem Jahr 1901 abgedruckt.

In einem Buch wird die Hamas als «radikalislamische Gruppierung» bezeichnet.

Innerisraelische Debatten tauchen nur am Rand auf, allerdings in zwei Schulbüchern: In «Geschichte und Geschehen 5/6» findet sich ein Foto israelischer und palästinensischer Mitglieder der Friedensbewegung «Peace Now» aus dem Jahr 2012 in Bethlehem. In «Zeitreise 3» für Baden-Württemberg widmen sich ein Foto und eine ausführliche Bildunterschrift der sogenannten Justizreform in Israel.

Multiperspektivität und Fähigkeit zur kontroversen Auseinandersetzung

Die Multiperspektivität und die Fähigkeit zur kontroversen Auseinandersetzung hätten sich insgesamt stärker durchgesetzt, so Kenkmanns Beobachtungen. «Reise in die Vergangenheit 9» lädt Schülerinnen und Schüler dazu ein, Medienberichte zum Nahostkonflikt zu recherchieren und zu kommentieren. Eine objektive Darstellung des Konflikts sei «sehr schwierig», so das Lehrbuch. «Tote Kinder oder Frauen, militante Palästinenser oder bewaffnete Israelis können so das Denken der Menschen beeinflussen oder sogar manipulierend wirken.»

Das Thema des 7. Oktober 2023 greifen fast alle Schulbücher auf, die nach 2024 erschienen sind. Die Reihe «Geschichte und Geschehen» tut dies mithilfe eines FAZ-Artikels des Historikers Dan Diner, der analysiert werden soll. Die pädagogischen Herausforderungen im Umgang mit diesem Massaker seien so groß, dass Kenkmann sich eine Neukonzeption der entsprechenden Kapitel wünscht.

Trotz der positiven Bilanz der vergangenen Jahre seien sprachliche und inhaltliche Fehler im Israel-Bild deutscher Schulbücher weiterhin vorhanden. Zwar tauchten emotionale Überschriften wie «Hass gegen Israel» nicht mehr wie früher auf, dennoch habe Kenkmann Schlagworte wie «Naher Osten – ferner Frieden» gefunden. Sorgfalt sei auch sprachlich weiter geboten, um Formulierungen wie «Die Hamas führte den Kampf weiter» zu vermeiden. In einem Buch werde die Hamas zudem als «radikalislamische Gruppierung» statt als Terrororganisation bezeichnet.

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